Streetworker mehr im Büro als auf der Straße
CDU-Landtagsabgeordnete, Kommunalpolitiker und Träger der örtlichen Jugendarbeit in Mittweida üben harsche Kritik an Sozialpädagoginnen
Mittweida. Ein Dreivierteljahr nach Start des Streetworkerprojekts im ehemaligen Landkreis Mittweida ist CDU-Landtagsabgeordnete Iris Schöne-Firmenich "enttäuscht und verärgert". Sie sagt: "Die Arbeit der Streetworker geht am Ziel vorbei." Mit ihrer Kritik an den beiden Sozialpädagoginnen - ein dritter Streetworker hat das Handtuch geworfen - steht sie nicht allein da. Auch die Verantwortlichen in den Städten Mittweida, Frankenberg und Burgstädt, in denen sie im Einsatz sind, sehen nicht den erwarteten Effekt.
Beste Startbedingungen
Dabei trifft es Schöne-Firmenich besonders hart, denn sie war es, die vergangenes Jahr 150.000 Euro aus dem sächsischen Etat für das Streetworker-Projekt "losgeeist" hatte. Ziel: entsprechend vorbelastete Jugendliche durch auf sie zugeschnittene Angebote sozial zu integrieren, um deren Abgleiten nach Rechts zu verhindern sowie Angehörigen der rechten Szene im Gespräch und mit ebensolchen Angeboten Wege des Ausstiegs aufzuzeigen. Beste Startbedingungen fanden sie dabei in Mittweida unter anderem durch eine fundierte und detailliert ausgewertete Sozialraumanalyse vor. Doch statt auf diese aufzubauen, erarbeiteten die Streetworker eine eigene Sozialraumbeschreibung - und befragten dazu rund 40 Personen in den drei Städten. "Dadurch ist eine Menge Zeit verloren gegangen, ohne dass etwas passiert ist", so Schöne-Firmenich.
Zudem sei vereinbart gewesen, dass die Streetworker mit den Trägern der Jugendarbeit ein enges Zusammenwirken aufbauen, um aus deren Erfahrungen zu lernen. Das sei auf dieser Basis nicht geschehen. Vielmehr habe es kürzlich bei einem Treffen der Träger, die im Stadtgebiet Mittweida arbeiten, sowie Verantwortlichen der Stadtverwaltung harsche Kritik gegeben. Statt einer Zusammenarbeit werde "über sie hinweg gearbeitet", hätten die Verantwortlichen moniert.
Dass zwischen Stadt und Streetworkern kein Konsens besteht, bestätigt Mittweidas Beigeordneter Ralf Schreiber. "Wir finden Streetwork nach wie vor gut und wichtig und möchten eine Fortführung des Projektes. Doch die Art und Weise, in der es bislang durchgeführt wurde, sehen alle Beteiligten in der Stadt kritisch. Wir sind uns einig, dass so nicht der gewünschte Effekt erreicht werden kann", erklärt er. Man habe sich deshalb auf eine gemeinsame Position geeinigt und diese in einem Brief an das Landratsamt zusammengefasst.
Trägerverein zufrieden
Streetworkerin Ina Lorenz kann die Kritik nicht nachvollziehen und sieht ihre Arbeit "gefühlt auf gutem Stand". Man engagiere sich in Straßen- und Gruppenarbeit, habe Projekte umgesetzt. Als Beispiele nennt sie einen Infostand, einen Angelworkshop und Gruppenprojekte. Einiges laufe bereits seit einer Weile durch den in der Stadt Frankenberg angestellten Streetworker Steffen Bielke. "Und da bin ich involviert." Auch die Verantwortlichen der Sächsischen Landjugend (SLJ), unter deren Trägerschaft das Projekt läuft, sind "sehr zufrieden mit den beiden Kolleginnen", wie SLJ-Landesgeschäftsführer Frank Mütterlein betont. Die lange Zeit, die zur Erstellung von Sozialraumbeschreibung und Handlungskonzept ins Land ging - drei Monate bis zur Vorlage der Beschreibung, knapp sechs bis zu deren Überarbeitung und dem Konzept - begründet er mit "logistischen Problemen". So habe es beim Start am 3. Dezember in den Räumen weder Telefon noch Computer gegeben. Auch die Feiertage seien Grund für die Verzögerung.
Bei der Erarbeitung hätten die Streetworker viel Wert auf die Einhaltung der Standards der mobilen Jugendarbeit gelegt. Dass ihnen die Konzeption nun von allen "als viel zu theoretisch und ohne Handlungsansatz um die Ohren geworfen" werde, verstehe er nicht. Gewünscht sei ein Miteinander der Streetworker mit den örtlichen Trägern der Jugendarbeit, um diese durch Sozialraumbeschreibung und Handlungskonzept zu befähigen, selbst sach- und fachgerechte Arbeit vor Ort zu leisten.
Schulung nicht notwendig
Hier scheiden sich die Geister: "Streetwork heißt Straßenarbeit und eben dort sollte sie mit den Jugendlichen stattfinden", betont Mittweidas Beigeordneter. Eine Art Schulung der Mitarbeiter von Trägern der Jugendarbeit sei wegen deren langjähriger Erfahrung und fundierten Wissens weder notwendig, noch als Ziel der Streetworker-Arbeit vereinbart worden, erklärt Schreiber, der ebenso wie die anderen Beteiligten der Stellungnahme des Landratsamtes entgegensieht.
Dort äußert man sich noch zurückhaltend. "Ob und wie das Projekt weiterlaufen wird, wird gemeinsam mit dem Freistaat und den Städten Mittweida, Frankenberg und Burgstädt entschieden", so die Leiterin der Abteilung Jugend und Soziales, Christine Kunert-Herberger.

