Schule Auf den Einzug in den neuen zentraler Schulstandort in Hainichen müssen die Mittelschüler noch warten: Die Riechberger Firma STH, hier Alexander Schöne (links) und Marco Putz, montieren derzeit im künftigen Chemiekabinett neue Heizkörper.

Foto: Falk Bernhardt

Viertklässler zieht es auf die Penne

Grundschüler erhalten Bildungsempfehlungen - Die Hälfte aller Kinder möchte auf Gymnasien weiterlernen - Mittelschulen unter Druck

Mittweida. Mittweida. 2186 Viertklässler aus dem Landkreis Mittelsachsen haben am Mittwoch ihre Bildungsempfehlungen für die weiterführende Schulform erhalten. Bis zu einem Notendurchschnitt von 2,5 empfehlen die Lehrer in der Regel den Besuch eines Gymnasiums - diesen Weg schlugen im vergangenen Schuljahr immerhin 47 Prozent aller Grundschüler ein.

Neben rein statistischer Bedeutung steht hinter dieser Entscheidung auch die Zukunft der Mittelschulen. Denn: Da im Kreis zehn Gymnasien immerhin 25 öffentliche Mittelschulen gegenüberstehen, kämpfen letztere auch mit Blick auf die Schülerzahlen vermehrt mit dem Überleben. "Freie Presse" fragte in einigen Grundschulen der Region nach, welche Ausbildungsrichtung die Eltern für ihre Kinder in diesem Jahr präferieren.

An der Pestalozzi-Grundschule in Mittweida könnten 19 der 36Viertklässler auf der Penne weiterlernen (rund 53 Prozent). Schulleiter Michael Weber bemerkt einen Trend. "Die Eltern versuchen, ihre Kinder auf ein Gymnasium zu schicken. Dabei wird vermehrt in Kauf genommen, dass einige den Leistungsansprüchen nicht gerecht werden", sagt Weber. Im vergangenen Jahr haben ähnlich viele Grundschüler den Gang auf ein Gymnasium angetreten. Im kommenden Schuljahr wird es anders sein - die Schüler reichen an der Pestalozzi-Grundschule nur noch für eine vierte Klasse. Vor diesem Hintergrund treffen die Eltern künftig indirekt auch eine Entscheidung über den Fortbestand einiger Mittelschulen. Diese treten außerdem mit Privatschulen in einen Wettkampf um die Köpfe von morgen. So expandiert momentan die freie Mittelschule in Milkau aufgrund hohem Zulaufs.

Die Grundschule in Marbach (Gemeinde Striegistal) empfiehlt der Hälfte aller Viertklässlern den Gang aufs Gymnasium - das sind etwas mehr Kinder als noch im Vorjahr. "Viele Eltern erhoffen sich durch eine bessere Ausbildung auch freundlichere berufliche Perspektiven. Sie wollen ihren Kinder diese Chance ermöglichen", erklärt Schulleiterin Veronika Merker. Das Gros der Viertklässler, die sich für die Mittelschule entschieden haben, wird künftig in Nossen und Hainichen lernen. Dies sei nahezu jährlich je nach Wohnort unterschiedlich, so Merker. Wer ein Gymnasium besuchen möchte, wechselt nach Nossen oder Frankenberg. "Ausschlaggebend für diese Entscheidung sind die Verkehrsverbindungen. Einen Wettbewerb unter den Schulen kann ich nicht feststellen", sagt Veronika Merker.

Die Eduard-Feldner-Grundschule Hainichen trotzt dem Trend hin zur Penne. Laut Schulleitung haben sich dieses Jahr weniger Kinder für das Gymnasium entschieden. Dies liege nicht an den Leistungen, sondern an den Präferenzen der Eltern.

 
erschienen am 03.03.2010 ( Von Andy Scharf )
 
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