Der Schriftzug "Lunzenau" soll vor der Eröffnung der A 72 abgeklebt werden. Der Verkehr rollt dann über die B 175 und Elsdorf in die Stadt. Foto: Hösel/Archiv
A72-Ausbau: Lunzenauer Bürgermeister wirft Straßenplanern Versäumnisse vor
Leipzig-Autobahn wird zwar eröffnet, aber umliegendes Straßennetz ist für höheres Verkehrsaufkommen nicht geeignet
Penig/Lunzenau. So ungehalten erlebt man Lunzenaus Rathauschef nur selten: Ronny Hofmann (CDU) kritisiert die Straßenplaner des Freistaates Sachsen scharf. "Es ist schön, dass die A 72 mit fünfjähriger Verspätung endlich frei gegeben wird. Trotz dieses Verzuges ist heute aber noch immer nicht absehbar, wann der Ausbau der Kirschallee zu einem Zubringer einmal startet. Obwohl die Planungen schon vor 15 Jahren begonnen haben", echauffiert sich Hofmann. "Wir haben mehrfach auf das Problem hingewiesen und wurden abgewatscht. Es war genug Zeit, um die Region anzubinden", ärgert sich der Lunzenauer Bürgermeister über "Versäumnisse" und "Schlamperei".
Das Sächsische Wirtschaftsministerium teilte am Freitag mit, kommende Woche über Gründe für den Verzug zu informieren. Insidern zufolge wurden die Pläne aufgrund von Umweltbedenken gekippt. Wie es weiter geht, ist ungewiss. Eins steht indes fest: Am 22. Dezember wird der Autobahnabschnitt zwischen Niederfrohna und Rochlitz/Rathendorf eröffnet. Danach droht unweit der Anschlussstelle Penig ein Verkehrsinfarkt. Denn: Die Verbindungsstraße zwischen Dittmannsdorf und Arnsdorf - im Volksmund Kirschallee - ist zu schmal, als Autobahnzubringer von Lunzenau aus kaum nutzbar. Pkw können zwar bei Gegenverkehr einander passieren. Doch wenn Lastwagen ins Spiel kommen, ist die Trasse zu schmal. Die Folge: Schon jetzt sind die Bankette ramponiert. "Wie soll die Verkehrsführung angesichts dessen überhaupt funktionieren?", fragt Ronny Hofmann.
Um zu verhindern, was kaum zu verhindern ist, soll auf den Autobahnschildern im Bereich der Kreuzung Am Zeisig sowie auf der A 72 die Verbindung nach Lunzenau gestrichen werden. Dies bestätigte Albrecht Berger, zuständiger Referatsleiter im Landratsamt Mittelsachsen, am Freitag. Dies soll so lange gelten, bis die Kirschalle ausgebaut wird. "So wollen wir verhindern, dass der Verkehr zusammenbricht", erklärt Berger. Jörg Junghanns vom Bauamt der Peniger Stadtverwaltung ergänzt: "Sollte dies nicht den erhofften Effekt haben, sperren wir die Kirschalle zwischen Dittmannsdorf und Arnsdorf. Anders ist der Verkehr nicht beherrschbar."
Wer künftig in Penig von der A 72 abfährt und nach Lunzenau will, muss über den Zeisig und die B 175 im Wernsdorfer Gewerbegebiet Richtung Rochlitz und dann über Elsdorf fahren. Dies gilt so lange, bis die Kirschalle zum Autobahnzubringer ausgebaut wird. Jüngst war aus Dresden zu erfahren, dass der Bau der "S 247 neu" noch geprüft und geplant werde. Der Baustart sei daher völlig offen. Dem Vernehmen nach wird vor 2017 die Kirschalle nicht zu einer belastbaren Verkehrsader umgebaut. Lunzenaus Bürgermeister drängt nun auf eine Lösung. "Ich versuche alles, um schnellstmöglich das zu erreichen, was eigentlich schon vor Jahren hätte beginnen müssen", kündigt Ronny Hofmann an.


