Altenpfleger haben Job-Auswahl
Branche boomt - Alle 20 Absolventen der Rochlitzer Schule in Lohn und Brot - Mindestlohn wird gezahlt
Branche. Rochlitz. Die Pflegebranche boomt: 20 Absolventen der Altenpflegeschule in Rochlitz haben ihre Zeugnisse bekommen - und alle einen festen Arbeitsvertrag in der Tasche. "Der Bedarf ist enorm. Die Absolventen werden uns förmlich aus den Händen gerissen", sagte Sabine Wilhelm, Leiterin der Bildungsstätte, die seit 1991 existiert und seit 1995 staatlich anerkannte Ersatzschule ist.
"Ich habe vorher als Pflegehelferin gearbeitet und dann von der Firma Zwinscher die Möglichkeit zur Umschulung als Altenpflegefachkraft bekommen", sagt Susanne Riedel. Die 40-Jährige hat die dreijährige Ausbildung mit gut abgeschlossen und nun einen Arbeitsplatz in der stationären Pflege in einer Klinik. "Es gibt viele und gute Angebote in der Branche. Ich habe auf jede Bewerbung eine Antwort bekommen, hatte also sogar die Wahl", sagt sie. Marion Richter (45), die als einzige ein "sehr gut" auf dem Zeugnis stehen hat, arbeitet seit 2005 in der Hauskrankenpflege bei der Firma Zwinscher und kehrt nun mit fachlich fundierter Ausbildung dorthin zurück.
"Bis auf einen Schüler haben alle Absolventen einen Arbeitsplatz in der Region. Sie bleiben in Rochlitz oder gehen nach Mittweida, Geithain, Wiederau, Hainichen bis nach Chemnitz", so Schulleiterin Sabine Wilhelm. Die eine Ausnahme ist Stephan Lehmann. Der 25-Jährige hat bei einer Zeitarbeitsfirma einen Job. "Dort bin ich immer etwa ein viertel bis ein halbes Jahr in einer Einrichtung beschäftigt und wechsle dann in eine andere. Alle in den alten Bundesländern. Das mache ich nicht des Geldes wegen, sondern um möglichst viele Heime kennen zu lernen und Erfahrungen zu sammeln", sagt der junge Mann. Sein erster Beruf war Fleischer und hat ihn nicht befriedigt. In der Altenpflege, so sagt er, kann er sich sozial engagieren und finde dort auch seine Erfüllung.
Annett Stäbler, Mitinhaberin der Gemeindeschwestern GbR in Mittweida, kann den großen Bedarf nach Pflegekräften bestätigen. Die GbR hat 17 Mitarbeiter. Am Tag werden von ihnen rund 90 Klienten aller Pflegestufen betreut. Den gestiegenen Bedarf an derartigen Leistungen erklärt sie nicht ausschließlich mit der immer älter werdenden Bevölkerung. "Viele müssen bis zum Alter von 65 Jahren, später bis 67 arbeiten. Und das auch oft noch weit weg vom Wohnort. Da bleibt einfach keine Zeit für die Pflege von Angehörigen", meint sie.
Das Thema Mindestlohn sei in ihrem Unternehmen keines. Es werde schon immer mehr gezahlt. "Und an Fachkräfte ohnehin." Diese Handhabe kenne sie auch von anderen Unternehmen in der Region nicht anders. Die Firma bildet seit 2004 aus und hat auch jetzt in jeder Klasse der Altenpflegeschule einen Schüler. Eine Absolventin wird auch bei den Gemeindeschwestern anfangen.
Indes hat am Montag wieder eine Klasse mit der Ausbildung begonnen. Zwar machen sich laut Schulleiterin Sabine Wilhelm auch in dieser Lehre die geburtenschwachen Jahrgänge bemerkbar, aber nicht so gravierend wie in anderen Bereichen. Seit 1991 haben 29 Klassen die Ausbildung in der Altenpflegeschule absolviert. "Das sind mehr als 700 Schüler", so Wilhelm.


