Seriosität statt Abzocke - dafür steht Holger Dimke, der auch in der Rochlitzer Region zugefallene Haus- und Wohnungstüren öffnet.
Foto: Mario Hösel
Der Schlüssel gegen Abzocke
Unternehmen aus Glauchau stand wegen Wuchers vor Gericht - Doch es gibt nicht nur schwarze Schafe in der Schlüsseldienstbranche
Hainichen/Rochlitz/Penig. Fällt die Tür ins Schloss, ist oftmals guter Rat teuer - und dass im besten Wortsinne. Denn Schlüsseldienst ist nicht gleich Schlüsseldienst, tummeln sich doch in der Branche unzählige schwarze Schafe. Da muss der Kunde für ein paar Minuten Arbeit schnell einmal 500 Euro berappen.
Nun hat das Amtsgericht Hainichen gegen den Geschäftsführer eines Schlüsseldienstes in Glauchau einen Strafbefehl in Höhe von 3000Euro verhängt. Gegen den Mann, Jahrgang 1976, war Anklage wegen Wuchers in vier Fällen erhoben worden. In Penig, Chemnitz, Hormersdorf und Ehrenfriedersdorf seien horrende Summen für den Schlüsselnotdienst in Rechnung gestellt worden. Und diese bewegen sich zwischen 533 und 674 Euro.
Das ist Abzocke und Wucher. "Normal sind 55 Euro. Je nach Tageszeit und Wochentag fallen auch einmal 95 Euro an", sagt Holger Dimke, Inhaber eines Rochlitzer Geschäfts, das neben einem Gravurservice und einer Schuhmacherei auch einen Schlüsseldienst anbietet.
Dimke erzählt nicht nur davon, dass es unseriöse Firmen am Markt gibt, sondern schildert auch, wie einem älteren Herrn aus Rochlitz ein neuer Türbeschlag für 200 Euro in Rechnung gestellt wurde, obwohl der bei ihm nur knapp 30 Euro gekostet hätte. "Es hat sich rumgesprochen, dass Schindluder getrieben wird, aber immer noch fallen viele Leute auf schwarze Schafe herein", sagt er. Über das Warum muss Dimke nicht lange nachdenken: "Die Menschen befinden sich in einer Ausnahmesituation, haben sich ausgesperrt." Um rasch in die Wohnung zu gelangen, entscheiden sich offenbar viele im Telefonbuch für den falschen.
"Das ist dreist, wie die dabei vorgehen", empört sich Holger Dimke. Da würden nicht nur Umleitungen auf teure 0190- beziehungsweise 0900-Service-Rufnummern geschaltet, sondern auch Schlüsselnotdienste aus Dresden, Leipzig oder Chemnitz in die Muldestadt geschickt. "Das kostet richtig Geld", sagt Dimke. Denn die Anfahrt schlage extra mit bis zu 80 Euro zu Buche. Außerdem: "Die wechseln dann den Beschlag oder den Zylinder, obwohl das meist gar nicht nötig ist", sagt er kopfschüttelnd. In dem Fall, der jetzt vor dem Amtsgericht in Hainichen eine Rolle spielte, hatte ein Peniger unter anderem für ein neues Schloss 130 Euro gezahlt, dazu 129Euro Nachtzuschlag plus Fahrtkosten, Einsatzpauschale und so weiter. Am Ende standen 533,12 Euro auf der Rechnung. Die in bar fällig wurden.
Um der Beutelschneiderei in Sachen Schlüsseldienst vorzubeugen, greift die Wohnungsgenossenschaft Rochlitz zu einem einfachen Mittel. Eine Liste mit Telefonnummern, die im Fall der Fälle bei Havarien oder anderen Notlagen anzurufen sind, hängt aus. Es wird sogar explizit darauf hingewiesen, bei Schlüsseldiensten vorab den Preis zu erfragen. "Das finde ich gut", lobt Dimke diesen Service. (mit ps)

