"Die Kindergärten wollen Praktiker"
Erster Durchgang der Erzieherausbildung an der Euro-Schule in Rochlitz erhält Zeugnisse - Generationswechsel offenbar Grund für Nachfrage
Rochlitz. An der Rochlitzer Euro-Schule haben am Donnerstag die ersten 15 Absolventen der dreijährigen Erzieherausbildung ihre Zeugnisse erhalten. Mehr als die Hälfte der reinen Mädchenklasse glänzt dabei mit einem Notendurchschnitt unter 2,0. Mit 1,25 schloss Nancy Hornoff aus Wiederau die Fachschulausbildung als Beste ab. Der größte Teil hat zudem bereits einen Arbeitsvertrag in der Tasche. Da allerdings die Euro-Schule für diesen Ausbildungsbereich als Ersatzschule noch nicht anerkannt ist, hatte das staatliche Berufsschulzentrum Chemnitz die Prüfungen abgenommen.
Schulleiterin Helga Müller ist dennoch mit den Ergebnissen zufrieden, sie sprach von drei bewegenden Jahren für Schüler wie Lehrer. "Wir haben uns bei diesem Ausbildungsbereich von Anfang an am Markt orientiert. Die Nachfrage nach Erzieherinnen ist selbst heute noch sehr groß", freut sich Müller. So vergehe keine Woche, in der nicht Vertreter von Kindergärten aus ganz Sachsen in Rochlitz anrufen und darum bitten, ein Stellenangebot im Haus aufhängen zu dürfen. Ein Hauptgrund für diese Situation sieht die Schulchefin in der Belegschaft vieler Kindergärten. "Es vollzieht sich gerade ein Generationswechsel", meint sie.
Einen anderen Grund für die große Nachfrage sieht die Schulleiterin in der veränderten Ausbildungsform. "Die Kindergärten wollen Praktiker", verdeutlicht Müller und stellt klar: "30 Prozent der Ausbildung ist Praktikum." Darauf mussten sich auch die Lehrer einstellen. Das Zauberwort heißt Lernfeld. Unterricht werde nicht mehr in einzelnen Fächern gegeben. Vielmehr komme es darauf an, sich an "realen Handlungssituationen" zu orientieren. Hierfür würden die Lehrer Fallbeispiele entwerfen. So zum Beispiel das eines Jungen, dessen Eltern in Scheidung liegen, der sich mehr und mehr zurückzieht. "Wir haben somit das bisherige Schubfachdenken aus dem Unterricht verbannt und gleichzeitig die Teamfähigkeit in den Mittelpunkt gerückt", fasst Müller zusammen. Sie sei zudem froh, dass das starke Geschlecht auch diese Frauen-Domäne erobert. Die Männer würden bei den folgenden Durchgängen inzwischen zehn Prozent der Auszubildenden ausmachen. Dass sich die Schule auf dem richtigen Weg befindet, bestätigen zumindest die Anmeldungen. So startet der vierte Durchgang der Erzieherausbildung erstmals mit zwei Klassen. Somit gibt es ab Herbst vier Klassen, die zum Erzieher und fünf Klassen, die zum Sozialassistenten geführt werden.

