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Kerstin Wilde (54), Leiterin der Pestalozzi-Oberschule Hartha, mit 33-jähriger Erfahrung als Pädagogin, macht sich für die Weiterbildung von Seiteneinsteigern in sächsischen Schulen stark.

Foto: Marion Gründler

Direktorin macht Lehrer fit für Schulalltag

Um dem Lehrermangel an sächsischen Schulen entgegenzuwirken, rührt der Freistaat die Werbetrommel. Er greift auf Akademiker zurück, die mit dem nötigen Rüstzeug ausgestattet, vor Schüler treten. Kerstin Wilde trainiert künftige Lehrer.

Von Marion Gründler
erschienen am 10.01.2017

Hartha/Chemnitz. Die vom sächsischen Staatsministerium für Kultus (SMK) kürzlich getroffene Prognose ist nicht neu: Der Freistaat benötigt in den nächsten Jahren Tausende neue Lehrer. Um entstehende Lücken zu füllen, beschreiten SMK und Sächsische Bildungsagentur (SBA) unter anderem mit Seiteneinsteigern einen Weg, der vor etwa zwei Jahren kein Thema gewesen wäre.

Um Neulehrer mit Methodik und Didaktik des anspruchsvollen Berufes vertraut zu machen, setzt die Chemnitzer Regionalstelle der SBA auf erfahrene Pädagogen. Eine von ihnen ist Kerstin Wilde. Die Schulleiterin der Harthaer Pestalozzi-Oberschule besitzt mit dem systemischen Business-Coach, dem Trainerschein für Erwachsenenbildung, und 33 Jahren im Schuldienst die dafür nötige Qualifikation. Anfang dieses Monats startete mit 21 Teilnehmern die erste Runde der neu strukturierten vierteljährigen Weiterbildung für Seiteneinsteiger in Hartha, aber auch an der Mittweidaer Oberschule. "Bislang erstreckten sich die Seminare über lediglich drei Tage. Viel zu wenig Zeit, um das Nötigste zu vermitteln", erklärt Wilde.

Die Absolventen, die jetzt vor ihr auf der Schulbank sitzen, kommen aus ganz unterschiedlichen Berufen. Gleichwohl sei ein abgeschlossenes Hochschulstudium unbedingte Voraussetzung, schränkt Wilde ein. So hat sie es in den Kursen mit Mathematikern, Chemikern, Hochschulmitarbeitern, Informatikern oder Managern zu tun. Die Altersspanne der Kursteilnehmer liegt bei Anfang 30 bis etwa Mitte 50.

Die Gründe für den Wechsel in eine gänzlich neue Branche seien vielfältig. "Wer beruflich viel unterwegs sein musste, möchte sesshaft werden", nennt die Trainerin einen der Gründe. Auch der Faktor Sicherheit spiele durchaus eine Rolle bei der Neuorientierung. "Menschen entwickeln sich. Und für wen das Lehramt noch vor Jahren eher nicht infrage kam, will sich jetzt einer neuen Herausforderung stellen."

Die 54-jährige Trainerin steht hinter dem Projekt, das sie neben ihren Aufgaben im täglichen Harthaer Oberschulbetrieb zusätzlich abspult. "Ich finde es großartig, wenn sich jemand, der auf einer anderen beruflichen Ebene bereits Spuren hinterlassen hat, bewusst für den Schuldienst entscheidet." Die Absolventen würden zudem eine Sicht "von außen" mitbringen, von der gestandene Pädagogen profitieren könnten. "Mithin ein Gradmesser, wie praktikabel unsere Wissensvermittlung ausfällt", verdeutlicht Kerstin Wilde. "Es ist mir wichtig, ein Stück sächsische Bildung mitzugestalten. Das jedoch gelingt nur mit Partnern, die mitziehen." So engagiert sich Matthias Möbius, Leiter der Mittweidaer Johann-Gottlieb-Fichte-Schule, genauso für die Weiterbildung von Seiteneinsteigern wie etwa Gudrun Uhlmann, einstige Vizechefin der Chemnitzer Annenschule, oder Anke Krasselt und Ulrike Klinger als Lehrerinnen für Unterrichtsentwicklung.

Schulleiter Matthias Möbius begrüßt die Neuordnung der Weiterbildung. "Schulen, die Seiteneinsteiger aufnehmen, werden in ihrer Organisation spürbar entlastet", urteilt er. Zwar sei ein Vierteljahr Vorbereitung auf den Schuldienst entschieden zu wenig, doch immer noch profunder als die bisher gängige Praxis.

Der SBA ist die Not an Sachsens Schulen sattsam bekannt. "In Vorbereitung des laufenden Schuljahres ist es uns äußerst schwergefallen, die für unseren Bereich vorgesehenen 229 Stellen zu besetzen. Letztlich ist dies nur durch Einstellung von Seiteneinsteigern gelungen", konstatierte Lutz Steinert, Sprecher der Chemnitzer Regionalstelle. Das Projekt sei ein Kraftakt. "Denn Seiteneinsteiger bedürfen einer intensiven Begleitung durch Schulleitung, Mentoren und letztlich des gesamten Kollegiums", machte Steinert deutlich. Und er schätze das Engagement der Kollegien ausdrücklich, die die insgesamt schwierige Personalsituation mittrügen und trotzdem jeden Tag das Beste für ihre Schüler daraus machten.

 
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