Euro-Angst: Geld fließt in Häuser

Kommunen melden gestiegene Nachfrage nach Bauland

Rochlitz. Bauboom in Krisenzeiten: Statt zu sparen pumpen die Mittelsachsen ihr Geld zunehmend in Häuser und Modernisierungen. Aufgrund der Turbulenzen rund um den Euro setzen sie auf Investitionen. So begründen zumindest Sparkassen- und Volksbanker der Region den derzeitigen Ansturm auf Grundstücke und Immobilien.

"Die Sparkasse Mittelsachsen konnte im ersten Halbjahr 2012 einen Anstieg von knapp 25Prozent bei wohnwirtschaftlichen Finanzierungen verzeichnen", sagt Indra Frey von der Sparkasse Mittelsachsen. Im gleichen Umfang sei das Interesse am "Sparen für die eigenen vier Wände", also an Bausparverträgen, gestiegen. "Der private Wohnungsbau hat auch 2012 wieder starke Zuwachsraten", sagt Rico Schlegel von der Volksbank Mittweida. Laut dem Fachbereichsleiter Vertriebsmanagement wurden allein im ersten Halbjahr 25 Millionen Euro private Wohnbaudarlehen ausgereicht. Der Schwerpunkt liegt aber eher weniger im Bereich Eigenheimneubau, vielmehr in energetischer Sanierung und Photovoltaik-Anlagen. Aufgrund des sehr niedrigen Zinsniveaus sei Bauen so günstig wie lange nicht mehr.

Die Kommunen verzeichnen einen Run auf Grundstücke - und kommen ins Schwitzen. In Rochlitz beispielsweise werden die freien Grundstücke in ausgewiesenen Wohngebieten laut Oberbürgermeisterin Kerstin Arndt (FDP) langsam knapp. Die Stadt habe noch freie Plätze im Gebiet "Am Waldrand" (3 Grundstücke), in der Zwingergasse (1 Grundstück) und in der Straße der Jugend (2 bis 3). Zudem laufen Planungen für das Quartier Fischergasse (5 bis 6). Weitere rund 40 Grundstücke gibt es auf privaten Flächen. Und die Kommune halte obendrein Entwicklungsflächen vor. Dabei setzte sie vor allem auf das Schließen von Baulücken und kleinteilige Ergänzungen der Stadtstruktur.

Ein Trend zum Eigenheim und zum Ausbau vorhandener Gebäude zeichnet sich laut Arndt vor allem bei jungen Familien ab. Ein Grund für den Bauboom seien die derzeitigen niedrigen Zinsen. "Besonders in Krisenzeiten wollen die Menschen ihr Geld sichern", sagt die Stadtchefin. Zudem können die Häuslebauer ihre eigenen Vorstellungen verwirklichen, beispielsweise ein Passivhaus bauen oder ökologische Baustoffe verwenden.

In Penig stellt sich die Situation laut der Stadtsprecherin anders dar. "Der Trend zum Eigenheim ist aus unserer Sicht nicht so ungebrochen", sagt Manuela Tschök-Engelhardt. Vielmehr würden jetzt verstärkt auch attraktive Wohnungen im Stadtzentrum gesucht. Das zeige auch die vollständige Belegung des im Februar fertig gestellten Neubaus Mandelgasse 20.

Die Kommune offeriere Standorte für Ein- oder Zweifamilienhäuser im Bereich des Uttenweiler Weges. Zudem gibt es private Standorte im Wohngebiet "Rosengarten". Außerdem bietet die städtische Entwicklungsgesellschaft zwei Standorte an der Lunzenauer Straße an. "Und wir haben noch die eine oder andere Lücke, die sofort bebaubar ist", sagt Tschök-Engelhardt. Auch Bauland in den Ortsteilen ist nach wie vor gut nachgefragt. Weitere Potenziale habe Penig durch Brachflächen, die in den nächsten Jahren erschlossen werden sollen.

Friedrich Thießen von der Technischen Universität Chemnitz beobachtet deutschlandweit einen Trend zu Immobilieninvestments. Doch der Professor für Finanzwirtschaft und Bankbetriebslehre führt das nicht nur auf die Angst vor einer Inflation zurück. Er nennt einen zweiten Grund: "Die Einkommen steigen, und die Menschen haben mehr Geld. Sie vertrauen in die Zukunft und investieren."

 

Grundstückspreise: 25 bis 55 Euro

In Rochlitz kostet ein voll erschlossenes Grundstück unter 50 Euro pro Quadratmeter.

In Penig liegen die Preise für städtische Grundstücke zwischen 25 und 55Euro pro Quadratmeter. Derzeit sind die Baulandpreise laut der Stadtsprecherin recht stabil.

In Mittweida kosten von der Stadt vermarktete Flächen momentan rund 55Euro pro Quadratmeter (voll erschlossen, geringe Abweichungen sind je nach Lage möglich).

Bundesweit nimmt die Siedlungs- und Verkehrsfläche um rund 100Hektar, also rund 140 Fußballfelder, pro Tag zu. Allerdings hat sich die Bundesregierung das Ziel gesetzt, die Flächeninanspruchnahme auf 30Hektar pro Tag zu reduzieren. In Sachsen nahm die Siedlungs- und Verkehrsfläche seit 1990 um rund 50.000 Hektar zu - bei gleichzeitigem Bevölkerungsrückgang um ungefähr 600.000 Einwohner.

 
erschienen am 06.09.2012 ( Von Heike Hubricht )
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