Alexander Trunk am Rochlitzer Steinmetzbrunnen.
Foto: Mario Hösel
Hesse macht auf der Walz Station in Rochlitz
Alexander Trunk pflegt jahrhundertealte Handwerkstradition und macht Station in Rochlitz
Rochlitz. Er dürfte am Mittwoch in Rochlitz in seiner Kluft aufgefallen sein: Alexander Trunk im beigefarbenen Cordanzug, weißen Hemd, mit schwarzer Krawatte und Hut, einem Bündel auf dem Rücken und einem selbst geschnitzten Wanderstab in der Hand. Der 19-jährige Steinmetzgeselle ist auf der Walz. Aus Döbeln kommend war sein erster Anlaufpunkt das Rochlitzer Rathaus. Bei einer Tasse Kaffee plauderte er mit Oberbürgermeisterin Kerstin Arndt (FDP) über sein Vorhaben und ließ sich einen Stempel in das Walzbuch drücken.
Warum der aus dem hessischen Altengronau (bei Fulda) stammende junge Mann unbedingt in die Muldestadt wollte, ist schnell erklärt: "Als Steinmetz muss man einmal dort gewesen sein, wo der rote Porphyr abgebaut wird, und vor allem erfahren, wie der bearbeitet wird", sagt der Hesse. Das möchte er nun mit Hammer und Meißel selbst erleben. Deshalb wollte er bei den Porphyrbrüchen auf dem Rochlitzer Berg nach Arbeit nachfragen. "Sollte es mit einer Beschäftigung nicht klappen, dann muss ich weiterziehen", sagt er. Das werde dann in Richtung Bayern sein, aber auch Frankreich, England, Schottland, Italien hat er im Visier.
Ob er das alles in drei Jahren und einem Tag schaffen wird, so lange muss die Tippelei dauern, ist fraglich. Während der Walz darf der Geselle sich seinem Heimatort nicht weiter als 50 Kilometer nähern. Andere Bedingungen sind: Er darf kein eigenes Fahrzeug besitzen und bewegt sich nur zu Fuß oder per Anhalter fort. Öffentliche Verkehrsmittel sind nicht verboten, aber verpönt. Weiterhin muss er in der Öffentlichkeit immer seine Kluft tragen. Da der Handwerker oft auf die Unterstützung der Bevölkerung angewiesen ist (zum Beispiel bei der Suche nach Arbeit oder einem Schlafplatz), hat er sich immer ehrbar und zünftig zu verhalten. "Ich wurde bisher herzlich aufgenommen. Es gab keine Zwischenfälle außer dumme Sprüche, wie man nur in so einer Kluft ständig herumlaufen kann oder ob ich keine Lust zum Arbeiten hätte. Das zeugt von Unwissen über diese Handwerkstradition, die mir am Herzen liegt", sagt der 19-Jährige.
Auf die Wanderschaft gehen zu dürfen, sehe er auch als eine gewisse Anerkennung seiner Person. Dadurch werde den jungen Leuten eine Möglichkeit gegeben, Erfahrungen zu sammeln, Wissen und Fähigkeiten im erlernten Beruf zu erweitern. Trunk: "Dabei ist man nur auf sich gestellt. Verantwortung lässt sich nicht an andere delegieren, die Entscheidung ist im Jetzt zu treffen. Das fördert natürlich auch die Persönlichkeit."
Seit dem 15. Oktober 2011 ist der Hesse unterwegs. Und er hat bereits sichtbare Spuren hinterlassen: bei der Sanierung der Siegessäule und der Staatsbibliothek in Berlin. Eindrucksvoll sei für ihn auch das Arbeiten in der Schweiz gewesen. Alexander Trunk: "Viele Menschen dort haben nicht so recht glauben können, dass ein junger Mann fernab der Heimat solche Entbehrungen freiwillig auf sich nimmt."

