Antje Honisch (Mitte) macht sich Sorgen, wie es weitergehen soll. Das Haus, das sie kaufen will, wird nach wie vor besetzt. Aus der alten Wohnung müssen sie und ihre acht Kinder Ende März ausziehen.
Foto: Marion Gründler
Kinder hoffen auf eine neues Zuhause
Geringswalder Großfamilie will besetztes Haus kaufen
Geringswalde. Geringswalde. Die Besetzung des Gebäudes der ehemaligen Textilfabrik "Geri-Kleidung" in Geringswalde durch eine Gruppe junger Leute dauert an. Sie fordern mit dieser Aktion Räume für die Jugend- und Kulturarbeit in der Stadt. Doch die Lage ist den Anwohnern zufolge weiter ruhig. Für einige von ihnen etwas zu ruhig. Denn für das besetze Gebäude gibt es ernsthafte Interessenten, und bereits in einigen Tagen soll beim Notar der Kaufvertrag unterschrieben werden.
"Wir wollten schon vor zwei Jahren in die 'Geri-Kleidung' umziehen, doch damals kam etwas dazwischen", erzählt Antje Honisch, die in unmittelbarer Nachbarschaft zum Besetzerhaus wohnt. Jetzt stehen sie und ihr Lebensgefährte zum zweiten Mal kurz vor dem Abschluss. Doch das Haus ist derzeit nicht zu haben. Die rund ein Dutzend Besetzer denken nach eigenem Bekunden nicht ans Aufgeben.
Dabei läuft der Familie mit acht Kindern im Alter von drei bis 16 Jahren die Zeit davon. "Fakt ist, dass wir unsere Mietwohnung bis Ende des Monats komplett räumen müssen. Wir sind seit Tagen schon am Packen, doch keiner weiß, wo wir ab 1. April unterkommen werden", meinte Antje Honisch. Sie rechne jeden Tag mit der Geburt ihres neunten Kindes, und das mache die Lage nicht gerade leichter.
Bürgermeister Thomas Arnold (parteilos) kennt die Sorgen der 32-jährigen Mutter. "Sollte es dazu kommen, dass die Familie ohne Dach über dem Kopf da steht, springt die Kommune natürlich ein und sorgt für eine Zwischenlösung", kündigt das Stadtoberhaupt an. Die gegenwärtige Wohnsituation der Familie sei ohnehin bedenklich, das Haus an der Wiesenstraße stark sanierungsbedürftig, und akzeptabler Wohnraum sei schon vor geraumer Zeit angeboten worden. Angenommen worden seien die Alternativen bislang jedoch nicht.
Antje Honisch fühlt sich in der Bredouille. Vor fünf Jahren hatte es die Brandenburgerin nach Sachsen verschlagen. "Unsere jetzige Wohnung wurde günstig im Internet angeboten - mit der Option, das Haus später kaufen zu können", erklärt die Geringswalderin. "Wie wir viel später erfahren haben, war unser Vermieter nicht der Eigentümer und auch nicht im Grundbuch eingetragen. Bis dahin zahlten wir jeden Monat brav unsere Raten aufs Häuschen, ersetzten die alten Holzfenster durch neue und erledigten die notwendigsten Reparaturen."
Prekär wurde die Situation im vergangenen Jahr, so Antje Honisch, als die Kontaktaufnahme zum Leipziger Vermieter zunehmend schwieriger wurde, dessen Anschrift nicht mehr stimmte und schließlich Anrufe ungehört verhallten. "Stattdessen nahm die eigentliche Eigentümerin, eine Immobilienfirma aus der Schweiz, Verbindung mit uns auf. Und die will natürlich zu ihrem Geld kommen. Geld, das wir allerdings nicht haben. Und deshalb ist für den 31. März definitiv der Umzug geplant. Bleibt die Frage, ob die 'Geri-Kleidung' dann für uns frei sein wird."
Noch liegt die Entscheidung, das Gebäude polizeilich räumen zu lassen, bei der jetzigen Eigentümerin. Diese war für eine Erklärung nicht erreichbar, nachdem es Mitte der Woche hieß, sie werde sich um eine Lösung bemühen.


