Ortsvorsteher Olaf Tröger (CDU/hinten) und Elternrätin Kathrin Leberecht (vorn) stehen an der Spitze der Protestbewegung. Sie haben bereits 400 Unterschriften für den Erhalt der Kita gesammelt.
Foto: Mario Hösel
Kita-Aus: Dorf rüstet sich zum Kampf
Kirche könnte Trägerschaft übernehmen, doch Bürgermeister lehnt dies ab
Niedersteinbach/Penig. Von einer Schande ist die Rede. Die drohende Schließung der Niedersteinbacher Kita erzürnt die Dorfbewohner. "Penig spart auf Kosten der Kinder. Schnallen Sie lieber im Rathaus den Gürtel enger", fordert die vierfache Oma Gabi Wiedemann Bürgermeister Thomas Eulenberger (CDU) zum Einlenken auf. Sie gehört zu einem 60 Personen starken Bollwerk im Vereinshaus der Niedersteinbacher Schützengilde. Die Dorfbewohner nutzten die Ortschaftsratssitzung am Dienstagabend zum Protest gegen die Pläne der Stadt.
Die Verwaltung will die baufällige Kita kommendes Jahr schließen. Die Kinder sollen ab 2013 in der umfassend sanierten Einrichtung in Langenleuba-Oberhain betreut werden. Vorher müssten im Dachgeschoss noch ein zweiter Rettungsweg und eine Treppe gebaut werden. Kosten: etwa 130.000 Euro. Die Mitglieder der Elterninitiative stellen die städtischen Argumente für das Niedersteinbacher Kita-Aus indes infrage. Die Sanierungskosten von etwa einer Millionen Euro empfindet Kathrin Leberecht als übertrieben. "Wir wollen keine Luxus-Kita, sondern die Einrichtung im Ort behalten. Die Schließung akzeptieren wir nicht. Die Stadt muss Alternativen prüfen", fordert die Elternrätin.
Zünglein an der Waage ist dabei die evangelische Kirchgemeinde. Diese könnte die Kita künftig betreiben. Pfarrer Daniel Bilz unterstützt die Niedersteinbacher zwar. Aber zu viele Risiken will er dann auch nicht stemmen. "Die Immobilie ist ein Fass ohne Boden. Ohne die Unterstützung der Stadt übernimmt die Kirche auch keine Trägerschaft", setzt der Pfarrer Bürgermeister Eulenberger unter Druck. Dieser müsse die Kita in seinem Bedarfsplan belassen. Grund: Nur dann muss sich Penig an Betriebskosten und Investitionen beteiligen.
Doch der Rathauschef beharrt auf seinem Standpunkt. "Wir unterstützen keinen freien Träger. Dies löst unser Problem nämlich nicht. Die Kinder werden weniger und das Geld auch", entgegnet Thomas Eulenberger. Die Stadt plagt sich auch mit hohen Betriebskosten herum - diese liegen laut Verwaltung pro Kind jährlich mehr als 1000 Euro über denen in den anderen Kitas.
Silvia Hantusch plädiert für eine abgespeckte Sanierung. Dabei sollen Krippenplätze geschaffen werden - diese gibt es bisher in Niedersteinbach nicht, weshalb Kinder erst ab dem zweiten Lebensjahr betreut werden. "Daher fehlt uns auch der Nachwuchs. So könnten wir erreichen, dass Eltern von außerhalb ihre Kinder in Niedersteinbach anmelden", glaubt die zweifache Mutter. Für Eulenberger ist das keine Option. Denn die Prognosen verdeutlichten, dass Krippeplätze in Penig geschaffen werden müssen.
Die Zahl 400 zeigt, wie wichtig den Niedersteinbachern ihre Kita ist. So viele Bürger haben für den Erhalt unterschrieben. Zum Vergleich: Im Ort wohnen nur 416 Menschen. Diese sind auch bereit, sich an der Sanierung zu beteiligen und Konzepte auszuarbeiten. Gottfried Götze hat sogar ein Schmählied auf die Stadt verfasst. Frei nach Frank Schöbels Song "Mit uns könn'ses ja machen" prangert er die Verödung des Dorfes an. Ortschaftsrat Ullrich Leuteritz (CDU) wollte dem Plan der Stadt am Dienstag eigentlich zustimmen. Doch ein Argument hat ihn umgestimmt: ein besonderes Konzept wie den Waldkindergarten umzusetzen. "Wir müssen noch einige Sitzungen machen", sagt Leuteritz. Das letzte Wort hat der Stadtrat am 10. November.


