Zum symbolischen Preis von einem Euro wollte der Kreis das Wechselburger Schloss nach früheren Plänen an die Gemeinde übertragen. Nun will die Verwaltung per Ausschreibung einen neuen Käufer suchen. Welcher Preis dabei erzielt werden kann, ist unklar.
Foto: Mario Hösel
Kreis schreibt sein Schloss aus
Mittelsachsen sucht neuen Käufer für Wechselburger Bauwerk
Wechselburg/Freiberg. Wechselburg/Freiberg. Die Verwaltungsspitze des Kreises Mittelsachsen hat offensichtlich den Glauben verloren. Zumindest was das seit Jahren verfolgte Vorhaben betrifft, das Wechselburger Schloss an die Mönche des benachbarten Klosters zu verkaufen. Deren Führung im Mutterkloster Ettal hatte zwar noch Ende 2010 bekräftigt, gemeinsam mit dem Landkreis eine Lösung für die seit 2005 leer stehende Immobilie zu suchen. Doch konkret getan hat sich seitdem nichts.
Nun will der Landkreis als Eigentümer seine prominente, aber vom Verfall und Hausschwamm bedrohte Immobilie öffentlich ausschreiben. "Zur Kreistagssitzung Ende Juni soll dazu eine entsprechende Vorlage eingebracht werden, bei der alle Belange des Klosters berücksichtigt werden", bestätigte der Sprecher der Kreisverwaltung, André Kaiser. Das betreffe unter anderem den öffentlichen Zugang zum Klostergarten.
Doch von der Kaufoption, die der Kreis dem Kloster Ettal gewährt hatte, ist längst keine Rede mehr. Auch nicht von einer noch 2009 vom Kreistag befürworteten Lösung. Nach der wollte der Kreis sein Schloss für einen Euro an die finanzschwache Gemeinde Wechselburg abgeben, damit jene die vom Freistaat in Aussicht gestellten Fördermittel zur Sanierung hätte beantragen können. Im Anschluss an die rund zwölf Millionen Euro teure Sanierung sollte das Kloster die Immobilie übernehmen, um darin unter anderem eine kirchliche Bildungsstätte einzurichten. Doch dieses Geschäft ist nie realisiert worden.
Im Vorjahr schwanden die Hoffnungen auf mögliche Zuschüsse von Bund und Land. Eine eindeutige Absichtserklärung blieb das Kloster schuldig, welches unter dem Eindruck des Missbrauchsskandals an seiner Schule in Ettal zeitweise quasi führungslos war. Und die Gemeinde allein hätte ein Projekt dieser Dimension nie schultern können.
Davon ist Bürgermeisterin Renate Naumann (CDU) auch heute noch überzeugt. Doch sie hofft nun, bei der Investorensuche ein Wort mitreden zu können. "Sollte das alte Schloss in andere Hände fallen, wünsche ich mir eine sinnvolle Nutzung in irgendeiner Form, die zu unserem Ort passen sollte", sagte sie.
Mittelsachsens Kreisräte stehen derweil fraktionsübergreifend hinter den Verwaltungsplänen zum Verkauf der Immobilie, in der bis 2005 noch ein Kinderkrankenhaus betrieben wurde. Für Jens Stahlmann (Die Linke) spielt der Kaufpreis dabei nur eine untergeordnete Rolle. "Um Rendite kann es uns angesichts des hohen Investitionsbedarfs nicht gehen. Der Kaufpreis wird eher ein symbolischer sein", sagte der Fraktionschef. Dennoch sei die Devise "Verkauf um jeden Preis" nicht angesagt. Stahlmanns Prämisse: "Der Investor muss das Areal für die Öffentlichkeit erhalten und zugänglich lassen. Schließlich ist Wechselburg ein Aushängeschild Mittelsachsens."
Zustimmung findet er in den Reihen der SPD. Fraktionschef Axel Buschmann: "Der Zuschlag sollte an ein schlüssiges Konzept geknüpft sein. Das wird schwer genug." Der Verkauf trage zum Erhalt des Klosterkomplexes für nachfolgende Generationen bei. "Das kann der Kreis nicht leisten", verwies der Döbelner auf die klammen Kassen. Die kennt der CDU-Kreistagsfraktionsvize und Peniger Bürgermeister Thomas Eulenberger nur zu gut. "Für den Kreis ist das Objekt ein Klotz am Bein", erklärte der Politiker. Er zeigt sich jedoch skeptisch: "In der heutigen Zeit ist es schwer, von den Banken Geld für derartige Vorhaben zu bekommen." Joachim Knappe (FDP) sprach von einem richtigen Schritt. "Es ist aber fast aussichtslos, einen seriösen Käufer zu finden", befürchtet der Rochlitzer Ex-OB. (mit hä)


