Ein Teil der S 200 in der Ortslage Holzhausen befindet sich in keinem guten Zustand.
Foto: Mario Hösel
Mittelsachsen flickt bis Juli seine Winterschäden
Ein Drittel aller Kreisstraßen ist in schlechtem Zustand
Sohra. Jürgen Zimmermann steht vor einer Huckelpiste am Ortseingang von Sohra - zwölf Kilometer südöstlich von Freiberg. Und sofort zeigt sich, dass Mittelsachsens Straßenchef Humor hat. Er deutet auf die Straße: Ein Schlagloch klafft am anderen. Jetzt wird Asphalt reingefüllt. Das soll wenigstens bis zum Winter halten. "Hätte ich die Presse lieber auf eine glatte Straße mit einem einzigen Loch einladen sollen?", sagt Zimmermann und legt ein breites Grinsen auf. Schönfärberei kann man dem Leiter der Abteilung Straßen im Landratsamt wirklich nicht vorwerfen. Zimmermann weiß, dass es um "seine" Pisten nicht allzu gut bestellt ist.
Daran ändert auch die Winterflickung nichts, die bis Mitte Juli läuft. 230 Kilometer der Kreisstraßen sind seit der Wende nicht gebaut worden. Zum Vergleich: Insgesamt sind es 713 Kilometer. Um das Autofahren wenigstens halbwegs erträglich zu machen, schwärmen im Frühjahr die Mitarbeiter der sechs Straßenmeistereien aus und stopfen die Löcher. Tiefe Krater werden schon im Winter repariert. Allerdings muss da Kaltmischgut eingesetzt werden, das schnell bröckelt. Deshalb setzen der Freiberger Straßenmeister Ingo Clausnitzer und seine Kollegen lieber auf heißen Asphalt, der aber erst bei Temperaturen im zweistelligen Bereich genutzt werden kann. "Die Löcher werden zunächst gesäubert wie beim Zahnarzt, und im Anschluss verdichten wir das Mischgut mit einer Walze", sagt Ingo Clausnitzer.
Einen Trost gibt es: In diesem Jahr fallen die Winterschäden an den Kreispisten deutlich geringer (minus 30 Prozent) als 2011 aus. Nur in Döbeln haben Schnee und Eis den Straßen stärker zugesetzt als sonst. Obendrein wurde in ganz Mittelsachsen Streusalz gespart. Der Kreis braucht diesen Winter seine Vorräte gar nicht aufzufüllen. "Doch das schlägt erst nächstes Jahr zu Buche", relativiert Zimmermann. Für den Unterhalt der Kreisstraßen stehen pro Jahr über 6 Millionen Euro bereit. Dazu gehört neben der Straßenflickung beispielsweise auch der Winterdienst.

