Mittelsachsen umgeht Einstellungsstopp
Vier neue Angestellte arbeiten im Landratsamt
Rochlitz/Mittweida. Trotz anhaltender Finanzsorgen und einem Einstellungsstopp stockt die Kreisverwaltung den Mitarbeiterstamm auf. So sollen die etwa 20.000 Anträge auf Leistungen aus dem Bildungspaket des Bundes schneller abgearbeitet werden. Für die Kreisräte erscheint dies indes wie ein Affront - und zwar fraktionsübergreifend.
"Wir haben keine Informationen über Neueinstellungen erhalten. Einerseits stopfen wir Lücken in der Kreiskasse durch Neuverschuldung. Andererseits stellt man neues Personal ein", moniert Mittelsachsens FDP-Chef André Quaiser. Selbst in den eigenen Reihen erntet die Führungsriege um Landrat Volker Uhlig (CDU) für diesen Schritt kein Verständnis. CDU-Fraktionschef Matthias Damm: "Ich bin überrascht und werde beim Landrat nachfragen."
Der verantwortliche Beigeordnete hält dagegen. "Die Kreisräte sind in mehreren Sitzungen zum Bildungspaket informiert worden. Dabei wurde auch über Personal gesprochen", sagt Dieter Steinert. Da der Kreis die Aufgaben dauerhaft erfüllen müsse, sei man um die auf zwei Jahre befristeten Neueinstellungen nicht herumgekommen. Weitere zwölf Stellen wurden laut Steinert intern besetzt.
Dieser Fall ist für die Kreisräte ein Déjà-vu. Bereits im vergangenen Jahr war die Informationspolitik der Kreisverwaltung in die Kritik geraten. Damals ging es ebenfalls um eine Personalie. Die neu geschaffene Stelle der Regionalmanagerin sei über die Köpfe der Kreisräte hinweg entschieden worden, kritisierte die Opposition. Dem Fraktionschef der Linken, Jens Stahlmann, missfällt das neuerliche zugeknöpfte Agieren der Verwaltung. Er fordert von Landrat Uhlig ebenfalls Aufklärung. "Es kann einfach nicht sein, dass wir so wichtige Themen nur aus zweiter Hand erfahren." Um Anträge abzuarbeiten, könne auch eigenes Personal versetzt werden. "Ich glaube kaum, dass jeder der mehr als 1600Mitarbeiter im Amt ausgelastet ist", argumentiert Stahlmann.
Mit Blick auf die enormen Personalkosten von etwa 70 Millionen Euro jährlich bezeichnet FDP-Mann Quaiser das Personalkonzept der Verwaltung als "Fiasko". Statt Neueinstellungen fordert der Liberale Weiterbildungen. "So lassen sich künftige Personallücken schließen. Doch wir hören immer nur, was alles nicht geht", kritisiert Quaiser. SPD-Chef Henning Homann relativiert die Kritik an der Verwaltung. Da das Bildungspaket für die Kinder und Familien wichtig sei, wären Neueinstellungen grundsätzlich okay - aber auch nur dann, wenn es keine interne Lösung gibt. "Ich fordere gerade bei den Personalthemen mehr Transparenz. Das ist bei unserer Finanzlage obligatorisch."



23:44 Uhr
Doerthe: Als Mitarbeiterin des Landratsamtes Mittelsachsen bin ich verwundert, dass von einem Personalkonzept gesprochen wird. Denn dieses existiert nicht!
Das einzige Konzept besteht darin, Personal abzubauen. Keiner macht sich jedoch Gedanken, wie qualifiziertes Personal gehalten werden kann. Dies ist dringend nötig, da bis zum Jahr 2015 ca. 400 Mitarbeiter in Rente bzw. Altersteilzeit gehen werden. Leider findet jedoch keinerlei Personalentwicklung statt, so dass sich insbesondere jüngere und gut qualifizierte Mitarbeiter, die sich noch entwickeln wollen, anderweitig bewerben.
Im Sozialamt haben Mitarbeiter anderer Abteilungen zur Bearbeitung der BuT Anträge ausgeholfen. Leider hat jedoch die Anforderung und Zuweisung der zusätzliche Mitarbeiter ewig gedauert, so dass mehrere Monate nur mit zwei Mitarbeitern gearbeitet werden musste. Auch das ein Zeichen mangelnder Personalpolitik. Übrigens, in beiden Jobcentern gab es keinerlei Probleme mit der Abarbeitung dieser Anträge.