Ölpreis befeuert Kohleheizungen

Magere Jahre für Brennstoffhändler sind vorbei:Kohlefeuerung erlebt in der Region eine Renaissance

Rochlitz. Das Heizen wie zu Großmutters Zeiten ist wieder in. Immer mehr Menschen geben auf Grund der gestiegenen Preise bei Gas und Heizöl festen Brennstoffen wie Kohle und Holz den Vorzug. "Dieser Trend setzt sich auch mit der beginnenden Heizperiode fort", sagt Bezirksschornsteinfegermeister Günter Rehn aus Rochlitz.

Eigentlich sei schon seit zehn Jahren festzustellen, dass die Leute zunehmend mehr nach Alternativen beim Heizen suchen. Obenan stehen dabei Kamine, Kaminöfen und Kachelöfen. Häufiger als zuvor werden Heizkessel auf feste Brennstoffe umgestellt. "Dabei wird sich an der Technik der neuen Generation orientiert. Man sucht schon nach umweltfreundlichen und effizienteren Lösungen", stellt Günter Rehn fest.

Blieben die Brennstoffhändler noch vor Jahren auf ihren Kohlen sitzen, habe sich heute das Bild gedreht. "Kohlen werden häufiger bestellt als noch vor einigen Jahren. Abgabemengen von 20 Zentnern haben sich eingepegelt, die vorwiegend zum Befeuern von Kaminen und Öfen genutzt werden", sagt Arndt Hofmann, Brennstoffhändler in Geithain. Enorm zurückgegangen ist der Absatz bei Heizöl. "Aufgrund der hohen Preise tanken die Kunden maximal bis 2500 Liter, vor zwei Jahren waren das bei einer Betankung fast noch doppelt so viele", schätzt der Brennstoffhändler ein.

Allerdings: In den Innungen der Schornsteinfeger wird die "Wiedergeburt der Kohle" mit einem lachenenden und einem weinenden Auge gesehen. So sei man froh, dass wieder mehr Arbeit für die wenigen noch verbliebenen Firmen in der gesamten Region anliegt.

Doch Mario Lindemann, zuständig für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit bei der Schornsteinfegerinnung Chemnitz, sieht ein Problem auf die Branche zukommen. "Das Heizen mit Kohle erfordert durch das mehrfache Kehren einen Mehraufwand an Arbeit." Fest stehe aber: Die Branche suche bereits heute Hände ringend Nachwuchs. "Es darf nicht passieren, dass immer mehr mit Kohle geheizt wird, dafür aber keine Fachleute zum Kehren da sind." Es müsse noch mehr dafür getan werden, den jungen Leuten den Beruf, der eine große Spannbreite an traditioneller und neuer Technik bietet, schmackhaft zu machen.

Noch einer bekommt vom Heizen mit festem Brennstoff Bauchschmerzen: Landesgeschäftsführer Wolfgang Riether vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Landesverband Sachsen. "Ich will nicht beurteilen, was gut ist oder falsch. Die Kohleheizung ist für viele Leute einfach eine Frage des Geldes, der Bezahlbarkeit der massiv gestiegenen Gas- und Ölpreise", gibt BUND-Chef Riether zu bedenken.

Aber man müsse sich immer klar machen: "Kohleverbrennung bringt Schadstoffausstoß und damit Umweltbelastungen mit sich, denn an der Brennstofftechnologie hat sich nichts geändert." Als Ärgernis empfindet Riether vor allem eines: "Es ist verpasst worden, in den ,fetten Jahren' dafür zu sorgen, dass durch erneuerbare Energie ein bezahlbares effizienteres Heizen möglich ist." (mit er)

 
erschienen am 26.10.2011 ( Von Christine Hirschfelder )
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