Ihre Zeitschriften brachten die Jungen Nationaldemokraten am Mittwoch nicht an die Schüler.
Ihre Zeitschriften brachten die Jungen Nationaldemokraten am Mittwoch nicht an die Schüler.

Foto: Mario Hösel

Penig/Rochlitz: Rechtsextreme halten Region in Atem

Da der NPD-Nachwuchs vor den Schulen in Penig am Mittwoch eine Verteilaktion plante, fiel dort der Unterricht aus

Unterrichtsausfall für einen Großteil der Peniger Schüler: Was für die etwas mehr als 300 Gymnasiasten und 300 Mittelschüler der Muldestadt am Mittwoch Anlass zur Freude bot, hat einen ernsten Hintergrund: Eine Gruppe der Jungen Nationaldemokraten, kurz JN, wollte in unmittelbarer Nachbarschaft der beiden Bildungseinrichtungen ihr rechtes Gedankengut verbreiten.

Doch die Nachwuchsorganisation der NPD, die nach Angaben ihres Landesvorsitzenden Paul Rzehaczek in Sachsen gut 70 Mitglieder zählt, hat die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Denn als am Montag publik wurde, das die JN genauso wie in anderen sächsischen Städten einen Infostand vor die Peniger Schulen pflanzen wollte, handelten die Betroffenen rasch. Noch am selben Tag setzten sich die beiden Schulleiter mit der Rathausspitze an einen Tisch und vereinbarten, den für das zweite Schulhalbjahr anstehenden pädagogischen Tag kurzerhand vorzuziehen. "Das war für den heutigen Tag die beste Lösung", sagte der Direktor des Gymnasiums, Armin Frei, der die Entscheidung "zum Schutz der Schüler" gemeinsam mit den anderen fällte. Und Stadtsprecherin Manuela Tschök-Engelhardt ergänzte: "Es ist uns natürlich bewusst, dass wir unsere Kinder und jungen Leute nicht ständig abschirmen können." Weshalb sie mahnte, die Schüler auch weiterhin zu "aufgeklärten und demokratischen Persönlichkeiten zu erziehen".

Dass die Lehrkräfte konferierten, bedeutete für die etwas mehr als 300Gymnasiasten und für die nahezu 300 Mittelschüler der Muldestadt am Mittwoch, dass der Unterricht ausfällt. Damit waren zugleich die Pläne der JN durchkreuzt, Kinder und Jugendliche für ihre Sache zu interessieren. Nach nur fünf Minuten packte die Gruppe ihren Stand vor dem Schützenhaus ein. Eigentlich war die Aktion für die Dauer von drei Stunden angelegt - von 12 bis 15 Uhr. Die Zelte in Penig brachen die Rechtsextremen jedoch nicht ab. Im Gegenteil: Broschüren, Zeitschriften und dergleichen mehr verteilten sie im Anschluss in der Innenstadt. "Wir wollen durch die Infostände Erfahrungen sammeln, wo es sich lohnt, zur Bundestagswahl welche hinzustellen", begründete der JN-Vorsitzende Rzehaczek die Aktion. Die Reaktion seitens der Schulen und der Stadt nannte er einen "Schuss in den Ofen".

Dass die vermeintlich harmlose Verteilaktion durchaus eine Gefahr für die Gesellschaft darstellt, belegt eine Aussage des sächsischen Verfassungsschutzes. Denn in Penig hätten nach deren Erkenntnissen auch sogenannte Schulhof-CDs verteilt werden sollen. Erst vor knapp einer Woche landete einer dieser Tonträger mit dem Titel "Die Zukunft im Blick" auf dem Index, ist seither verboten, da darauf unter anderem indiziertes Liedgut des rechtsextremistischen Liedermachers Frank Rennicke zu finden war. Zugleich heißt es im Verfassungsschutzbericht des Freistaats aus dem Jahr 2011 über die JN, dass sie "strukturell den parteigebundenen Rechtsextremisten zuzurechnen" seien.

Das erklärt wohl auch das gestrige Großaufgebot an Sicherheitskräften. Mindestens ein halbes Dutzend Einsatzfahrzeuge der Polizei patrouillierte durch die Stadt. Die Präsenz zeigte offenbar Wirkung. Kurz vor 13 Uhr zog die etwa zehnköpfige Gruppe ab. Wie sich wenig später herausstellen sollte, Richtung Rochlitz. Dort tauchte sie überraschend vor dem Mathesius-Gymnasium in der Seminarstraße auf. Schulleiter Thomas Lohmann: "Ich habe von meinem Hausrecht Gebrauch gemacht und sie der Schule verwiesen." Früchte trug das indes nicht. Die Gruppe bot auf dem dortigen Bürgersteig danach weiter ihre Broschüren feil. Erst ein laut Lohmann "größeres Polizeiaufgebot" zeitigte Erfolge. Nach einer guten Viertelstunde hatte der Spuk ein Ende, und die Nationaldemokraten zogen ab.

 
erschienen am 13.03.2013 ( Von Alexander Christoph )
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
Kommentare
2
(Anmeldung erforderlich)
  • 16.03.2013
    23:28 Uhr

    altpeniger: Eine Handvoll Rechtsextreme gegen 40 Lehrer und die Stadt Penig. Überall wird Flagge gegen den Rechtsextremismus gezeigt. Die Stadt Penig holt die Flagge ein und schließt die Stadt. Bravo !!!!!

    0 0
     
  • 14.03.2013
    09:00 Uhr

    mias: 1:0 für die Rechten, würde ich sagen. Man kann doch nicht jedesmal die Schule schließen, wenn eine nicht rechtswidrige Gruppierung Broschüren verteilt. Wo soll das denn hinführen? Wo fängt man an, wo hört man auf? Dürfen die Zeugen Jehovas, Salafisten, oder Linksextreme sich hinstellen, oder sperrt man dann auch einen Tag zu? Die Wirkung auf die jungen Leute dürfte damit sogar verbessert werden, wenn es so eine Gruppe schafft, dass die Schule ausfällt. Also ganz ehrlich, dass ist doch Schildbürgertum! Die Schulen würden gut daran tun, sich eine Broschüre und eine CD zu holen und im Rahmen des Unterrichts den Inhalt zu analysieren und den Schüler die Gefahren aufzuzeigen. Das wäre der einzig vernünftige Weg, aber doch nicht verstecken und so tun, als wäre nichts gewesen!

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