Peniger bauen ihre eigenen Lärmschutzwände
Initiative der B 95-Anlieger hat bürokratisches Nachspiel
Penig. Wenn Uwe König damals gewusst hätte, dass die Wende kommt und der Verkehr auf der B 95 mit dem damit verbundenen Lärm zum Horror wird, wäre er wohl 1986 nicht im südlichen Teil von Penig hängen geblieben.
"Unser Schlafzimmer liegt nach vorn raus", verdeutlicht der 45-Jährige die Situation. Früher schützte ein Zaun mit Hecke das Grundstück vor Lärm und Dreck. "Den in den Straßengraben geschmissenen Müll wehte der Wind ständig in unseren Garten", erinnert sich der Außendienst-Monteur. Als 2006 ein Auto nach einem Unfall die Hecke durchbrach, musste die Familie nicht mehr lange überlegen: Uwe König baute mit eigenen Händen eine Lärmschutzwand - mehr als 3 Meter hoch. Wenig später zog Nachbarin Heidrun Schinke nach - 3,60 Meter hoch und noch pompöser. Von Fachleute gebaut. Und auch andere Anwohner ließen sich etwas einfallen, um sich vor Lärm, Dreck und Abgasen abzuschotten.
Jetzt, fast zwei Jahre später, sind die Anlieger urplötzlich vom Landratsamt aufgefordert worden, die Wände nachträglich genehmigen zu lassen. "Ich musste mir von einem Tragwerksplaner die Standsicherheit bestätigen lassen", erläutert Uwe König das Prozedere. Von den Zusatzkosten ganz zu schweigen. Wie am Mittwoch Landratsamtssprecher Thomas Kaiser bestätigte, ist tatsächlich ab einer Höhe von zwei Metern ein Bauantrag erforderlich.
Nicht erst seit heute setzen sich die Anlieger gegen den Verkehrslärm zur Wehr. Laut Schinke hatte es Ende der 90-er Jahre eine Unterschriftenaktion gegeben, worauf das Chemnitzer Straßenbauamt mit einer Schallmessung reagierte. Das daraufhin gemachte Angebot der Behörde, die Finanzierung der Schallschutzfenster ausschließlich in der oberen Etage der Häuser zum Teil zu übernehmen, lehnten die meisten Hauseigentümer aus unterschiedlichsten Gründen ab.
Während sich König und Schinke eine Beruhigung durch die Leipzig-Autobahn erhoffen, sieht Andreas Günther, Vorstandsvorsitzender der Wohnungsgenossenschaft, das Problem damit nicht gelöst. Er hat die Stadt in einem Schreiben auf die so genannte EU-Umgebungslärmrichtlinie hingewiesen. "Wir sehen dringenden Handlungsbedarf", erklärt er. Letztlich gehe es um die weitere Vermietbarkeit der Wohnungen. Er schließe daher den Bau einer Lärmschutzwand für die betroffenen Blöcke nicht mehr aus. Bürgermeister Thomas Eulenberger (CDU) hat derweil im Gespräch mit Günther signalisiert, die Sache eingehend prüfen zu wollen.

