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15 Mädchen und Jungen der Theater-AG proben im Speiseraum des Gymnasiums für das Stück "Großstadtratten". Zu den Darstellern im Drama gehören auch Lea Hermsdorf (2. v. l.) und Jonas Arnold (Mitte).

Foto: Mario Hösel

Proben bleiben spannend bis zuletzt

Bald stehen Rochlitzer Gymnasiasten im Chemnitzer Schauspielhaus auf der großen Bühne. Sie haben das Stück "Großstadtratten" schon vor kleinem Publikum erfolgreich aufgeführt. Trotzdem gibt es noch Kritik.

Von Rita Türpe
erschienen am 18.03.2017

Rochlitz. Einige blicken kurz auf die Textblätter, andere stellen Tische im Speiseraum zum provisorischen Bühnenbild um, dann ist die Theatergruppe des Rochlitzer Gymnasiums bereit zur Probe. Leiterin Ramona Bühler bestimmt die erste Szene und fordert energisch: "Übertreibt, um die Figuren deutlicher herauszuarbeiten."

Der Hinweis scheint einige der 15 Laiendarsteller im Stück "Großstadtratten" nach mehr als einjähriger Probenarbeit, kurz vor der Generalprobe und dem großen Auftritt im Chemnitzer Schauspielhaus, zu irritieren. Los geht es mit einer Schlüsselszene. Es gibt Textpatzer, Unsicherheiten, Lacher an unpassender Stelle. Einer übertreibt seine Gesten und kommentiert selbst: "Das kommt doof." Nach etwa zehn Minuten stellt sich der Spielfluss ein. Doch Bühler unterbricht mit einer Frage an Hauptdarsteller Jonas Arnold. "Was machst du?", will sie von dem 15-Jährigen wissen.

Der Darsteller des Alex hat sich während eines langen Dialoges mit beiden Händen auf einer Tischplatte abgestützt. Die Szene wird wiederholt. Arnold beherrscht den Text. Er kämpft sichtlich darum, deutlich und mit Betonung zu sprechen. Nun setzt er die Hände auch für Gesten ein. Allerdings: es dauert nicht lange, und eine Hand greift doch wieder nach der Tischplatte. Er zieht sie schnell zurück, greift sich danach verlegen an die Nase und verbirgt kurz darauf sein Gesicht ganz hinter den Händen.

Das passt. Für die Rolle des Alex, die er mimt, soll das Spiel leidenschaftlich und intensiv sein. In dem Theaterstück von Petra Seedorff nach Friedrich Schillers Drama "Die Räuber" ist Alex ein junger Mann, der unbekümmert sein Partyleben genießen will. Dafür hat Alex die Schule verlassen und ist in der Anonymität der Großstadt untergetaucht. Doch das Leben in einem leerstehenden Haus ist hart und erweist sich nicht als die große Freiheit. Es gibt Konflikte in der Clique und Alex' Schwester versperrt ihm den Weg zurück in die Normalität. Dem Neuntklässler gelingt es über weite Strecken, die innere Zerrissenheit der Bühnenfigur glaubhaft zu machen.

Nach seinem Dialog mit einer Wortführerin der Aussteigergruppe werden zwei Mädchen im Hintergrund aktiv. Sie zoffen sich verbal, rempeln sich schließlich an. "Das ist neu", wirft Bühler überrascht ein. "Wir sollten doch mehr aus den Rollen herausholen", entgegnet eine der Schülerinnen. Die AG-Leiterin nickt. Die Mädchen strahlen.

In der nächsten Szene hat Lea Hermsdorf ihren Auftritt in der Rolle der Emely, der zurückgelassenen ehemalige Freundin von Alex. Die 15-Jährige wirkt weniger brav - wie es die Rolle verlangt - als lustlos. Einen Auftritt, bei dem sie dem Publikum einen Spiegel vorhalten soll, bezeichnet sie als überflüssig. Sie debattiert darüber mit der Leiterin der Arbeitsgemeinschaft und versucht Mitspieler von ihrer Position zu überzeugen. Doch die Szene bleibt und wird wiederholt. "Eigentlich ist das Spiel so auch in Ordnung", erklärt Lea Hermsdorf in einer Pause. Ihre Kritik begründet sie mit schlechter Tagesform. "Ich muss gerade an anderes denken und es fällt mir echt schwer, mich in meine Rolle hineinzuversetzen", bemerkt die Schülerin.

Dass ihr Part kurz vor der wichtigen Aufführung während der Schultheaterwoche in Chemnitz gekürzt wird, habe sie nicht ernsthaft gewollt. "Wir haben zu Beginn der Probenarbeiten einige Rollen und Szenen aus dem Drama gestrichen", berichtet sie. Geblieben sei ein 90-minütiges und gut verständliches Stück. Vor wenigen Wochen hat die Theatergruppe es vor Mitschülern, Eltern und Lehrern aufgeführt. "Den Zuschauern hat es gefallen, wir haben viel Lob bekommen", sagt Jonas Arnold. Beim Vorausscheid für die Chemnitzer Schultheaterwoche überzeugte die Gruppe ebenfalls. Danach sammelten die Hobby-Schauspieler noch Tipps von Freunden und Angehörigen, was aus deren Sicht noch besser gemacht werden könnte.

Mit Ramona Bühler arbeiteten sie ihr Stück daraufhin noch einmal durch. "Eine endgültige Version haben wir immer noch nicht gefunden", sagt ein Schüler achselzuckend. "Es gab von Beginn an viel Erklärungsbedarf", sagt Bühler. Die Pädagogin wird zum dritten Mal mit einer Theatergruppe des Gymnasiums an einer Schultheaterwoche in Chemnitz teilnehmen. Doch während bei den beiden vorhergehenden Aufführungen überwiegend Elf- und Zwölftklässler beteiligt waren, ist die Mehrzahl der Darsteller diesmal deutlich jünger. In den Haupt- und Nebenrollen agieren fast ausschließlich Schüler der siebenten bis neunten Klasse. Das habe Gespräche über jede einzelne Figur nötig gemacht, sagt Bühler. "Ältere Jahrgänge erlesen sich viel selbst. Mit jüngeren Darstellern müssen die Rollen intensiver erarbeitet werden."

Die Vorstellung findet am 6. April um 17 Uhr im Figurentheater im Schauspielhaus in Chemnitz, Zieschestraße 28, statt. Karten für die Vorstellung während der Schultheaterwoche gibt es für 2,50 Euro beim Ticketservice der Theater Chemnitz.

 
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