Rochlitzer Berufsschule fährt auf sozialer Schiene
Sieben Berufsschulen buhlen aktuell im Landkreis um den Nachwuchs
Rochlitz. Von Krisenstimmung keine Spur. Zwar flammen regelmäßig Gerüchte auf, dass aufgrund der sinkenden Schülerzahlen zukünftig nicht mehr alle sieben Berufsschulstandorte im Kreis zu halten sind und deshalb die Rochlitzer Bildungseinrichtung auf der Kippe steht, aber das ficht Katrin Neumann nicht an.
Sie glaubt fest an den Standort in der Geithainer Straße. "Die Räumlichkeiten sind modern, die Lehrkräfte bestens ausgebildet und motiviert, die Ausbildung praxisnah und gut", bemerkte die Pädagogin, die als Schulleiterin des Berufsschulzentrums Mittweida auch für die Außenstelle in Rochlitz verantwortlich ist.
Bei Aus droht finanzielles Fiasko
So viel Zuversicht nimmt nicht weiter wunder, kämpft der Kreis doch mit harten Bandagen um die Rettung der ausblutenden Berufsschule, in der aktuell nur rund 200 Schüler ein- und ausgehen, obwohl sie gut und gerne für dreimal so viele Jugendliche ausgelegt ist. Bei einem Aus vor 2024 droht ein finanzielles Fiasko, müssten Fördergelder in Höhe von zwölf Millionen Euro, die für den Neubau einst eingeworben wurden, an die Europäische Union zurückgezahlt werden. Das scheint kein Politiker zu wollen.
Umso größer die Freude bei Katrin Neumann, dass ab nächstem Schuljahr das Angebot in Rochlitz aufgestockt wird. Dabei fährt man offenbar voll auf der sozialen Schiene. Nachdem bereits seit 2010 Sozialassistenten ausgebildet werden, dürfen jetzt genauso angehende Altenpfleger und Krankenpflegehelfer in Rochlitz die Schulbank drücken. "Wir haben überlegt, für welche Berufe es in der Region in Zukunft verstärkt Bedarf gibt", sagte sie.
Die beiden neuen Ausbildungszweige bezeichnete sie als Riesenchance für den Standort". Die Nachfrage sei enorm. Die Krux dabei: "Die Anzahl der Absolventen der allgemeinbildenden Schulen sinkt kontinuierlich", erläuterte die Bildungsexpertin. Und diese haben die Qual der Wahl. "Die treffen dann auf ein Überangebot an Ausbildungsberufen." Der Umgang mit alten und bisweilen kranken Menschen ist nicht jedermanns Sache, weshalb sie betonte, zum Altenpfleger und Krankenpflegehelfer müsse man geschaffen sein.
Nähe zum Wohnort als Trumpf
Trotzdem setzt Katrin Neumann auf die neuen Angebote: Die Nähe der Bildungseinrichtung zum Wohnort soll als Trumpf stechen. Das bemerkte unlängst auch Knut Bräunlich, Chef der Rochlitzer Sozialservicegesellschaft. "Unsere Leute fahren derzeit nach Chemnitz an die Schule", erklärte er und fügte an, dass dies wegen der langen Fahrtwege hauptsächlich Jugendliche ohne Auto und Führerschein vor arge Probleme stelle.

