Nik P. war der Star des Brauereifestes 2010 in Penig. Mutproben gab es ebenfalls 2010 beim Parkfest in Lunzenau. Beim Fürstentag in Rochlitz 2010 wurden die Instrumente gezeigt.
Foto: A. Scharf/Archiv
Stadtfest: Nur noch ein Auslaufmodell?
Probleme sind fehlendes Geld, mangelndes Besucherinteresse und Überangebot
Rochlitz/Lunzenau/Penig. Immer mehr Städten vergeht die Feierlaune. Penig verzichtet dieses Jahr zum zweiten Mal in Folge auf das Stadt- und Brauereifest. In Lunzenau kämpfen die Veranstalter seit Jahren ums Überleben des traditionellen Parkfestes. Und in Rochlitz haben sich die Partymacher schon lange vom alljährlichen Festreigen verabschiedet und feiern nur noch alle drei Jahre groß den Fürstentag - das nächste Mal 2013. "Wir verzichten bewusst auf ein Stadtfest wie in den 1990er-Jahren. Das lohnt sich nicht und lockt auch keinen mehr hinterm Ofen vor", begründet Oberbürgermeisterin Kerstin Arndt (FDP). Maximal 80.000 Euro hätte Rochlitz bei Bedarf zugeschossen. Aufgrund der Einnahmen sank dieser jedoch auf etwa 2000 Euro.
Nachlassende Besucherresonanz spüren die Lunzenauer. Am 1. Juni beginnt das 51. Parkfest. Trotz eines immer kleiner werdenden Budgets soll die Kultfete im Heinrich-Heine-Park überleben. "Doch das wird immer schwerer. Es gibt ein Überangebot in der Region, doch die Leute und das Geld werden weniger", verweist Mitorganisator Eric Braun vom Lunzenauer Sportverein auf ein Dilemma. Zwischen 5000 und 10.000 Euro kostet das Parkfest. Große Sprünge sind folglich nicht möglich. "Es darf alles nichts mehr kosten und ist darum auch nichts Besonderes mehr. Obwohl wir keinen Eintritt verlangen, zieht das Event keine Besucher", untermauert Karsten Krumbiegel, Chef des Lunzenauer Gewerbevereins. Im vergangenen Jahr deckten die Einnahmen die Ausgaben noch. Doch der städtische Zuschuss für das größte Fest in der Gemeinde schmilzt in den kommenden Jahren weiter zusammen.
Beim Fürstentag in Rochlitz 2010 wurden die Instrumente gezeigt. Fotos: A. Scharf/Archiv, M. Hösel/Archiv, J. Leissner/Archiv
Foto: J. Leissner/Archiv
"Ich kann nicht ein Fest unterstützen und viele andere nicht. Daher schrauben wir sukzessive zurück", begründet Lunzenaus Bürgermeister Ronny Hofmann (CDU). Ganz wolle er den Zuschuss jedoch nicht streichen. Hofmann ist sich sicher: "In der Region werden in den kommenden Jahren weitere Veranstaltungen wegfallen. Das ist in erster Linie demografisch bedingt. Und um die verbleibenden Besucher muss gebuhlt werden."
In Penig ist das Brauereifest 2011 erstmals ausgefallen - aufgrund zahlreicher größerer Jubiläen und der Finanzlage. "Und dieses Jahr haben wir uns für die Regionalmesse mit einem aufwändigen Kulturprogramm entschieden. Ob es 2013 ein Stadtfest gibt, steht noch nicht fest", sagt Penigs Stadtsprecherin Manuela Tschök-Engelhardt. Die Regionalmesse vor eineinhalb Wochen war ein Reinfall, das Besucherinteresse gering. Das Stadtfest hingegen verbuchte 2010 einen Besucherrekord: Fast 10.000 Menschen strömten auf den Marktplatz. Setzt die Stadt auf das falsche Pferd? "Wir wissen, dass die Bürger sich danach sehnen. Wir arbeiten daran", sagt Bürgermeister Thomas Eulenberger (CDU). Etwa 13.000 Euro schoss die Stadtverwaltung zu den großen Sausen vor dem Rathaus bisher zu.
In Lunzenau kämpfen vier Vereine und die Stadt um den Fortbestand des Parkfestes. In diesem Jahr wurde das Konzept noch einmal etwas geändert. Freitagabend (1. Juni) soll eine Mallorca-Party ein breites Publikum anlocken. Sonnabend ist Familientag mit einer Kinderparty. Im Festzelt spielt am Abend eine Live-Band. Am Sonntag startet eine Oldtimershow. "Wir müssen versuchen, das Parkfest zu retten. Sonst ist im Ort gar nichts mehr los", sagt Gewerbevereinschef Karsten Krumbiegel.

