Die beiden 15-jährigen Mädchen Sophie Schubert (l.) und Lisa Fuhrmann banden am Dienstag auf einer Plantage des Obstgutes Seelitz Apfelbäume fest, damit diese gerade wachsen.
Foto: Mario Hösel
Warum Apfelbäume sozial sind
Lisa Fuhrmann und Sophie Schubert arbeiteten am 17. Juli sechs Stunden auf einer Plantage des Obstgutes Seelitz
Rochlitz/Seelitz. Die beiden Mädchen schwatzen unaufgeregt miteinander, kichern und haben ihren Spaß. Es ist ein ganz normaler Vormittag, ein Schultag eben, weshalb sie eigentlich in einem Klassenzimmer des Rochlitzer Gymnasiums sitzen müssten.
Lisa Fuhrmann und Sophie Schubert stampfen jedoch mit ihren Gummistiefeln, an denen Dreck klebt, durch eine Plantage des Obstgutes Seelitz, steuern zielstrebig auf eine Reihe junger Apfelbäume zu. In der Hand Bänder, mit denen sie gleich Stamm für Stamm an Rohrstock für Rohrstock fixieren. "Die Bäume müssen gerade in die Höhe wachsen", erklärt Lisa fachmännisch. Kein Pauken, kein Unterricht ist an diesem regnerischen Tag, an dem sich nur allzu selten die Sonne blickenlässt, angesagt. Keine Hausaufgaben müssen erledigt werden. "Das ist viel schöner, als den ganzen Tag drinnen zu sitzen", sagt die 15-jährige Lisa, die in Seelitz wohnt und die neunte Klasse besucht. Ihre gleichaltrige Schulkameradin aus Geringswalde pflichtet ihr bei, erklärt mit einem strahlenden Gesicht, dass die frische Luft toll sei und die Natur wundervoll.
Lisa und Sophie schwänzen keineswegs die Schule. Sie nehmen wie mehr als 22.000 weitere Schüler an dem sachsenweiten Projekttag "Genial sozial" teil, der dieses Jahr unter dem Leitspruch "Deine Arbeit gegen Armut" steht. Einen Tag lang greifen Mädchen und Jungen Unternehmen unter die Arme, kümmern sich um ältere Menschen, um Kinder in Kindertagesstätten und Schulen, arbeiten in Vereinen und wer weiß, was noch. Und das freiwillig, ohne einen müden Cent zu verdienen.
Geld fließt trotzdem. Allerdings wird der Stundenlohn der Schüler in soziale Projekte gepumpt, durch die jungen Menschen, wie die Organisatoren der Sächsischen Jugendstiftung betonen, bessere Lebens- und Bildungsperspektiven hier in Sachsen, aber auch in verschiedenen Entwicklungsländern der Erde ermöglicht werden sollen. Dass sie deshalb morgens sieben Uhr bei Obstgutchef Wolfgang Kuhn antreten mussten, stört die Schülerinnen nicht. Im Gegenteil: "Wir tun ja was Gutes", kommentiert Sophie.
Auch der Obstgut-Chef ist voll des Lobes, nicht nur der Mädchen wegen, sondern zugleich des Projektes: "Ich find' das gut. Und die Mädchen tun mal was Praktisches."

