Die sechsjährige Lissy Funke steht morgens, 7.15 Uhr in Zschöppichen, ihr Weg zum Schulbus ist derzeit als Umleitung überlastet.
Foto: Falk Bernhardt
Schleichweg durch Zschöppichen entpuppt sich als gefährlich
Seit einer Woche wird die S 200 zwischen Ottendorf und Altmittweida gebaut
Zschöppichen. Heißes Pflaster: Die Dorfstraße in Zschöppichen ist seit dem Baustart der S 200 zwischen Ottendorf und Altmittweida zu einem gefährlichen Nadelöhr geworden - für Fußgänger, Radfahrer und Autofahrer. Das hat ein Test der "Freien Presse" am Donnerstagabend untermauert.
Die Testfahrt beginnt in Altmittweida. Dort steht in Richtung Zschöppichen ein Sackgassen-Schild für Lastwagen. Kurz nach dem Ortseingang Zschöppichen beginnt auf der linken Seite ein Fußweg, der die 70Meter bis zur Bushaltestelle überbrückt. Es folgt ein Tempo-30-Schild. Bisher ist noch alles im grünen Bereich. Doch Sekunden später stellt sich die Lage völlig anders dar. Vor dem alten Schloss Neusorge weiche ich einem entgegenkommenden Laster aus und nutze dafür den Vorplatz. Einen Steinwurf weiter haben Anwohner eine riesige "30" mit pinkfarbener Kreide auf die Straße gemalt. Doch schneller kann ich ohnehin nicht fahren, die Straße ist kurvig, schmal und hat ein starkes Gefälle. Zudem kommen ständig Autos entgegen. Die Trasse hat hier - wie im restlichen Verlauf - keinen Fußweg. "Es ist kreuzgefährlich, dort lang zu laufen. Wir müssen die Kinder deshalb jeden Tag zur Schule fahren", sagt Vater Michael Funke. Wenn zwei Autos, geschweige denn ein Auto und ein Bus, aneinander vorbeifahren, bleibt kein Platz für Fußgänger. Während der Testfahrt herrschte reger Verkehr, und gestern Morgen kroch in beiden Richtungen Auto an Auto durch Zschöppichen. In der Senke kommt ein Linienbus entgegen. Ich stoppe, doch der Fahrer winkt mich durch. Hinter dem Bus klebt eine Auto-Schlange. Kurz vorm Ortsausgangsschild muss ich wieder an einem Laster vorbei, der die Straße trotz Verbots nutzt - und auf den äußersten Straßenrand ausweichen. Offenbar haben das schon viele Fahrer getan: Das Bankett ist schon jetzt lädiert. Rückzu das selbe Spiel. Am Abzweig zu den Häusern 8, 10 bis 17 leuchtet eine Anzeigetafel "Sie fahren 23 km/h". Schneller ging es auch nicht - starker Gegenverkehr.
Foto: Tilo Steiner
Fazit: Die Dorfstraße Zschöppichen ist eine Gefahrenzone für alle Verkehrsteilnehmer. Gerade wenn Lastwagen kommen, wird es richtig eng. "Und das Tempo 30 sollte im ganzen Ort gelten - und nicht nur auf einem Stück der Straße", fordert Vater Funke. Das sieht Jörg Naumann ähnlich. "Wir brauchen eine Lösung", fordert der Zschöppichener, der als sachkundiger Bürger im Stadtrat sitzt. Laut Bauamtsleiter Sebastian Killisch wird die Tempo-30-Regelung für den gesamten Ort derzeit geprüft: "Und wir ringen auch um eine ständige Geschwindigkeitsreduzierung in Zschöppichen." 2010 hatte die Landesdirektion diese nach einer Besichtigung abgelehnt.

