An vielen Straßen droht derzeit Schneebruch.
Foto: E. Kamprath/Archiv
Schneebruchgefahr droht: Bäume ächzen unter weißer Last
Einige Straßen mussten im Territorium bereits gesperrt werden - Waldbesitzer sind jetzt besonders gefordert
Niederwiesa. Jürgen Weigel aus Niederwiesa blickt bei seinem Waldspaziergang nach oben. Die Wipfel der Bäume sind an manchen Stellen dicht an dicht behangen - mit Schneehauben. Eine tonnenschwere Last. Der Wald, in dem der 60-Jährige in seiner Freizeit häufig unterwegs ist - ist sein Wald, Privatwald, den er vor Jahren geerbt hat. "Das hört sich erst einmal gut an", sagt er. "Neben Spaß ist das aber auch jede Menge an Verantwortung und Arbeit."
Dass diese gerade jetzt in den Wintertagen bei Schneebruchgefahr verstärkt eingefordert wird, darauf macht Klaus Dittrich, Referatsleiter Forst und Jagd vom Landratsamt Mittelsachsen, aufmerksam: "Private Waldbesitzer müssen wie Forstarbeiter auch den Schneebruch aufarbeiten, um Gefahr abzuwenden", erklärt er. "Das sieht das Sächsische Waldgesetz so vor." Werde das unterlassen, habe die Forstbehörde im Rahmen der Forstaufsicht die Möglichkeit, Waldbesitzer in die Pflicht zu nehmen, vor allem, wenn ihre Bäume an Waldrändern, Verkehrswegen oder auch in Erholungsgebieten stehen.
Das sieht Forstbezirksleiter Ingolf Hoppe, der für den Forstbezirk Chemnitz des Staatsbetriebes Sachsenforst den Hut auf hat, ebenso. "Jeder Waldbesitzer sollte jetzt seinen Wald verstärkt auf Gefahren, die durch Umstürzen von Bäumen oder das Abbrechen von Ästen entstehen, absuchen." Auch ein Blick über den "Gartenzaun" ist laut Hoppe ratsam: Wichtig sei, dann die vom Schneefall betroffenen benachbarten Waldbesitzer zu informieren und eventuell gemeinsam vorzugehen. Doch der Forstbezirksleiter mahnt auch: "Schadholz aufzuarbeiten, birgt immer Gefahren in sich." Wenn es nicht durch eine Firma erfolgt, sollte man den Arbeitsschutz äußerst ernst nehmen. "13.000 Hektar an Staatswald stehen im Forstbezirk Chemnitz, zu dem der Altkreis Flöha gehört, 20.000 Hektar an Privatwald gegenüber", sagt Hoppe. Insgesamt gibt es an die 8000 Waldbesitzer.
Die Forstleute des Staatsbetriebs hatten in diesem Jahr bei der "Reinigung" des Waldes noch mit einem anderen Übel zu kämpfen: "Die fehlende feste Schneedecke war lange ein Problem", sagt Revierleiter Tilo Stoll vom Staatsbetrieb Sachsenforst. "Es bestand immer die Gefahr, dass schwere Fahrzeuge einsacken."
Diese Sorge hat Waldbesitzer Jürgen Weigel nicht. "Fahrzeuge wie Harvester und Forwarder sind für einen Privaten oft zu teuer", sagt der Niederwiesaer. Deshalb hat er für das Wochenende einen professionellen Baumkletterer engagiert. "Ordnung und Sicherheit müssen sein, auch im Wald."
Schulungen werden angeboten
Ursache für den massiven Schneebruch sind laut Experten zwei sogenannte Nassschneefälle. Sie führten dazu, dass im Landkreis viele Bäume gebogen oder gebrochen wurden. Schadholz aufzuarbeiten, wird als gefährlich eingeschätzt. Informationen zum Arbeitsschutz erhält man von der Berufsgenossenschaft sowie den Forstbezirken Sachsenforst. Es gibt gemeinsame Schulungen. Telefonische Hilfe: 03727 956601 (Forstbezirk Chemnitz), 03731 799 3621 (Landkreis Mittelsachsen).

