Ilse Schumann in Frauenstein bei ihrem 100. Geburtstag mit den Enkeltöchtern Maja (links) und Sylvia ...
Foto: Eckardt Mildner
Seniorin feiert 100. Geburtstag
Ilse Schumann ist aber nicht Familien-Älteste
Frauenstein. Mit Blumengirlanden, Kerzen, Fotos und Musik aus der Anfangszeit des vergangenen Jahrhunderts stimmten sich am Donnerstag im Hause Schumann in Frauenstein die Gäste schon im Treppenhaus auf ein besonderes Fest ein - den 100. Geburtstag von Ilse Schumann.
Namenszüge als Erinnerung
Die Jubilarin selbst saß festlich gekleidet in ihrem Wohnzimmer, nahm Glückwünsche, darunter Post vom Bundespräsident, sowie Blumengrüße entgegen. Und sie wachte streng darüber, dass auch jeder Gratulant seinen Namenszug auf ein großes Blatt setzte. Ein wertvolles Dokument zum 100. - eine Seltenheit ist das allemal. Doch in ihrer Familie scheint das anders zu sein. Denn Ilse Schumann, am 21. Juni in Dorfchemnitz als jüngste Tochter von Lina und Arno Eilzer geboren, wuchs mit drei Schwestern auf. "Ich habe noch eine Schwester Elisabeth. Sie wohnt in Leipzig und ist 102 Jahre alt", erzählte sie sehr zum Erstaunen ihrer Besucher. Vielleicht haben die gesunde Nahrung in der Kindheit direkt von den Bauernhöfen im Heimatort - heute sagt man Bio - und Leckereien aus der Bäckerei ihrer Großeltern dazu beigetragen, dass Ilse Schumann ihren Lebensabend bei guter Gesundheit verbringen kann. Das jedenfalls vermutet die Seniorin selbst, sprach aber auch von einfacher Kost - Quark mit Kartoffeln und Leinöl - und Entbehrungen in den Kriegsjahren. Ihr Lebensmotto bei allem: "Ich vertraue auf Gott."
Nach acht Schuljahren in Dorfchemnitz ging sie, damals noch Ilse Eilzer, "in Stellung" - wie man die Hilfe in Haushalten wohlhabender Familien bezeichnete. In Mulda half sie den Inhabern eines Lebensmittelgeschäftes, bevor sie 1928 nach Radebeul zog. Auf ein Schwarz-Weiß-Foto weisend, das die Hundertjährige in ihrer Jugendzeit bei einem Handstand zeigt, erzählte sie: "Da bin ich mit der Familie des Oberregierungsrates in den Urlaub gefahren. Ich habe mich um die beiden kleinen Töchter gekümmert."
... und im Alter von 16 Jahren.
Foto: PF
Beim Maientanz 1936 lernte die junge Frau ihre große Liebe, Albin Schumann aus Kötzschenbroda, kennen. Im Jahr darauf läuteten die Hochzeitsglocken, sie zog zu ihm. Ein Jahr später kam Sohn Winfried zur Welt. Die Familie ihres Mannes besaß in Dresden die Großmarkthalle. Händler holten täglich ihre Waren aus der Halle, Ilse Schumann kümmerte sich um vieles. Doch das Familienglück währte nur wenige Jahre. "Mein Vater ist im Krieg geblieben", erzählte Winfried Schumann am Donnerstag. Jahrelang hoffte seine Mutter auch nach Ende des Zweiten Weltkrieges noch, dass ihr Mann zurückkehren werde. Eine Nachricht kam jedoch nie.
Im Alter in die Heimat zurück
Nach dem Krieg brach das Geschäft im Großmarkt zusammen. Ilse Schumann, allein mit ihrem Sohn, erinnerte sich: "Dann habe ich viele Jahre in der Marmeladenfabrik meines Schwagers in Radebeul gearbeitet." Dort wurde von der Aprikosenkonfitüre bis hin zu Drei- und Vierfruchtmarmelade alles hergestellt. Von 1953 bis 1993 in Oberlößnitz wohnhaft, wollte Ilse Schumann ins Erzgebirge zurück. 1993 zog sie nach Frauenstein. In der Teplitzer Straße wohnt sie heute mit Enkelin Maja Schumann im Haus. Weitere vier Enkel gehören zur Familie. Morgen wird es für Ilse Schumann nochmals turbulent: Mit ihrer Adventgemeinde wird ein großes Fest gefeiert.

