Streitthema Schranke: Senioren fühlen sich nicht ernst genommen

Zufahrt zu den Wohnanlagen auf dem Forstweg in Freiberg bleibt weiter versperrt

Freiberg. Es sind weniger als 50Meter Fußweg, um die es den Anwohnern der als seniorenfreundlich angepriesenen Wohnanlagen am Freiberger Forstweg 65/67 geht. Doch genau diese Entfernung stellt für die über 250 Senioren, die in den Hochhäusern wohnen, ein großes Problem dar. Denn durch eine Schranke, die die Zufahrt zu den Eingängen versperrt, können die Einwohner nicht mehr direkt vor die Tür gebracht werden. Installiert wurde sie im Zuge der Gestaltung des Geländes für den "Park der Generationen" in unmittelbarer Nähe.

Lösungen sollte eine Versammlung bringen, zu der die Städtische Wohnungsgesellschaft (SWG) jetzt eingeladen hatte. Bei dieser musste die "Freie Presse" mit der Begründung, dass es sich um eine nicht öffentliche Veranstaltung handelt, draußen bleiben. Doch auch die Senioren fühlten sich mit ihrem Problem offenbar nicht ernst genommen. "Wir wurden immer wieder unterbrochen, sind kaum zu Wort gekommen", sagt Manfred Herklotz, 82 Jahre alt. Der Rentner ist Mitinitiator einer Unterschriftensammlung und weiß, "dass mindestens 80Prozent der Einwohner der zwei Wohnblöcke gegen diese Schranke sind".

Die Begründung der SWG, dass einfahrende Autos die Bewohner stören und deren Sicherheit gefährden, bezeichnet Herklotz als absurd. "Es ging doch jahrelang gut. Niemand hat sich darüber beschwert." Sein Vorschlag, Kurzzeitparkplätze einzurichten, verhallte ungehört.

"Ich glaube nicht, dass die Verantwortlichen wissen, wie beschwerlich im Winter ein paar Meter Fußweg für alte Menschen sein können", sagt Renate Georgiew, deren 98-jährige Mutter dort wohnt. "Gerade im Winter sind viele Einwohner bei jedem Gang auf fremde Hilde angewiesen." Was die Senioren besonders aufregt: In Notfällen könnten entscheidende Minuten verloren gehen. "Die Fahrer der Krankenwagen haben einen Schlüssel für die Schranke", sagt Manfred Herklotz. "Aber was ist mit den Fahrzeugen der Diakonie oder eilig herbeigerufenen Taxis?"

Die SWG verweist auf die Parkplätze neben den Gebäuden und auf den Hausmeister, der die Schranke öffnet. "Bei Möbeltransporten oder ähnlichem muss der nur rechtzeitig informiert werden", sagt Pressesprecher Erik Mädler. Die Bewohner allerdings sehen den Schlüsselbevollmächtigten nach eigenen Angaben nur einmal pro Woche. Die Probleme der Mieter nennt die SWG im Übrigen "aufgrund besonderer persönlicher Lebensumstände und jahreszeitbezogener Witterungsbedingungen empfundene Benachteiligungen". Man wolle sich intensiv damit beschäftigen. Für die Mieter ein Schlag ins Gesicht. Herklotz: "Wir reden hier gegen eine Wand!"

 
erschienen am 09.02.2012 ( Von Thomas Reibetanz )
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
Kommentare
0
(Anmeldung erforderlich)

 
 
 
Artikel weiter empfehlen
per E-Mail per Bookmark
 
Facebook Teilen   Twittern  
 
 
Unsere Partner
vms
aok
chursächsische
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 


Der Partner für Ihren Kredit - Maxxkredit