Zu Ehren des russischen Gelehrten Michail Wassiljewitsch Lomonossow enthüllten Konstantin Tschetschenew (links) und Wladimir Kochin am Freitag im Innenhof der TU an der Akademiestraße 6 eine Gedenktafel.
Foto: Eckardt Mildner
Bergakademie plant Lomonossow-Haus
Freiberger TU will Zusammenarbeit mit russischen Hochschulen verstärken
Freiberg. Die "Alte Mensa" in Freiberg war am Freitag der Austragungsort für eine zentrale deutsche Feier: Zu Ehren des 300. Geburtstages des russischen Universalgelehrten Michail Wassiljewitsch Lomonossow waren über 200 Gäste - unter ihnen hochrangige Wissenschaftler aus Russland - in das Haus an der Petersstraße gekommen. Die mittelsächsische Kreisstadt war dabei bewusst gewählt worden, denn zum einen hat Lomonossow hier 1739/40 studiert, und zum anderen unterhält die TU Bergakademie Freiberg intensive Kontakte nach Russland.
Und diese Zusammenarbeit soll noch weiter ausgebaut werden, wie Rektor Professor Bernd Meyer sagte. Deshalb unterschrieb er auf der Festveranstaltung zwei Verträge. Der eine, unter den auch die erste Prorektorin der Staatlichen Bergbauuniversität St. Petersburg, Natalja W. Paschkewitsch, ihre Unterschrift setzte, betrifft die engere Ausbildungs-Kooperation zwischen beiden Hochschulen. So sollen voraussichtlich ab 2013 gemeinsame Abschlüsse ermöglicht werden.
Das zweite Papier ist eine Grundsatzerklärung zur Einrichtung eines Lomonossow-Instituts in Freiberg. Partner dabei sind die Moskauer Lomonossow-Universität und die Nationale Universität für Wissenschaft und Technologie in Moskau, die durch die Senatsvorsitzende Olga W. Rajewskaja und den Rektor Dmitri W. Liwanow vertreten wurden. Das "Lomonossow-Haus" soll an der Fischerstraße entstehen. Im Haus Nummer 41 hatte der Namensgeber im Metallurgischen Labor bei Bergrat Johann Friedrich Henckel geforscht, die Fischerstraße hieß daher zu DDR-Zeiten Lomonossowstraße.
Künftig sollen hier sowohl eine Lomonossow-Gedenkstätte als auch ein Studien- und Forschungsort für zehn russische Studenten und Wissenschaftler entstehen. "Von deutscher Seite wollen wir Stipendien für russische Studenten vergeben", kündigte Rektor Meyer an.
Die sächsische Staatsministerin für Wissenschaft und Kunst, Sabine von Schorlemer (parteilos), erinnerte in ihrem Grußwort daran, dass vor einem Jahrhundert rund 30 Prozent aller Studenten in Freiberg aus Russland kamen. Die Russische Föderation sei "einer der dynamischsten Handelspartner" für Sachsen, und Freiberg eine "exzellente Adresse" für Ressourcentechnologien.
"Wir müssen Wege finden, die russische Sprache wieder stärker zu verankern", mahnte Lothar de Maizière. Der letzte Ministerpräsident der DDR ist heute Vorsitzender des deutschen Lenkungsausschusses im Petersburger Dialog. Er verwies auf die jahrhundertelange Kooperation deutscher und russischer Wissenschaftler und berichtete von gemeinsamen Projekten, die sein 2000 gegründeter Verein initiiert hat.
Glücklich war am Freitag auch Jewgeni Kastschenko aus Hilbersdorf: "Jetzt haben wir fast alles erreicht." Der 65-Jährige engagiert sich seit der Wende für die Ehrung Lomonossows. Erfolgreich: Seit 2005 gibt es in Freiberg einen Lomonossow-Platz, voriges Jahr wurde dort eine Büste des Wissenschaftlers eingeweiht. Auf der Freiberger Gelehrtenmeile soll zudem ein weiteres Denkmal für ihn Platz finden. Seit Freitag hat die Bergakademie auch ein gemaltes Lomonossow-Porträt sowie an der Akademiestraße eine Ehrentafel.

