Harm Bengen bestreitet die 19. Auflage von Sommercartoon in der Nicolaikirche Auerbach.
Foto: Silke Keller-Thoss
Die ersten Gastspiele des Kulturfestivals "Impuls" haben ein großes und begeistertes Publikum gefunden. Bei Tanz und Feuer.
Zum 19. Mal gibt es in der Göltzschtalgalerie Nicolaikirche Auerbach Sommercartoons
Auerbach. Die Cartoon-Postkarte mit der Oma, die im Supermarkt die Tüte von der Verkäuferin ablehnt, weil sie beim Kiffen die Hälfte vergisst, ist die meistverkaufte. Zur Eröffnung des Sommercartoons 2012 am Freitag in der Göltzschtalgalerie Nicolaikirche Auerbach war sie im Großformat zu bewundern. Eher klein und unscheinbar das Signum des Künstlers HB, Harm Bengen. Er gilt als einer der renommiertesten Comic-Zeichner Deutschlands und gewährt mit der Ausstellung Einblick in sein Schaffen. Seine Cartoons, Comics und Illustrationen regten zum Schmunzeln, Lachen oder Wegschauen vor Frust an.
Für alles und jedes hat der ostfriesische Zeichner einen spitzen Stift zur Hand. Auch zur Eröffnung, zu der er erstmals ins Vogtland reiste, führte er den Zeichenstift. Seitdem besitzt die Nicolaikirche von ihm ein Selbstporträt. Mit Witz und Hintersinn fängt Harm Bengen die kleinen und großen Schwächen seiner Mitmenschen ein. Neben dem Alltagsgeschehen, wie der Berufsschule für Sandmännchen, widmet er sich auch politischen Ereignissen, wie der Regierungserklärung von Helmut Kohl. Und er greift auch gern mal in die Erotik-Kiste, wohlgemerkt zensiert, wie aus einem Blatt aus der Sandra Bodyshelly-Serie zu entnehmen war. Seine Störtebeker-Serie ist mehr als ein herkömmlicher Comic. Sie ist ein Skizzenbuch des Lebens des bekanntesten deutschen Piraten. Und da ist auch noch sein plattdeutscher Titelheld Ulfert, der es bis zur Werbung für eine ostfriesische Schnapsbrennerei geschafft hat. Seine Ideen, so sagt Bengen, "sind Fehlschaltungen im Gehirn. Sie lassen skurrile Situationen entstehen." Um etwa 30 Tageszeitungen täglich zu beliefern, braucht es etwas mehr Aufwand. "Ich muss immer dem aktuellen Geschehen voraus sein, denn meine Cartoons müssen am nächsten Tag noch wirksam sein." Die Zeichnungen für die Medien erarbeitet Bengen digital am Bildschirm. Die Comic-Serien, denen er sich immer mehr zuwendet, sind von Hand gezeichnet und koloriert. Übrigens mit links und das mit bewundernswerter Meisterschaft. Schon von Kindesbeinen an hat Bengen gern gezeichnet, zum Beispiel Kopien der Mickey-Mouse-Serien. Nach Lehre und Tätigkeit als Farbenlithograf absolvierte er ein Grafik-Design-Studium in Bremen. Seit 1980 zeichnet er für Zeitungen und Illustrierte, unter anderem für den "Eulenspiegel" und das Jugendmagazin "ran". Erschienen sind von ihm auch mehrere Bücher. Die signierte er am Freitag für seine Fans.
Beim Publikum gleichermaßen gut angekommen ist am Freitagabend das Konzert von Harmo Novus. Das Vokalensemble aus dem Erzgebirge unterhielt mit Ohrwürmern der Comedian Harmonists und eigenen Arrangements.

