Archäologen graben auf Eicher Baustelle
Das Dresdener Landesamt hofft auf Spuren von frühen menschlichen Aktivitäten
Auerbach/Dresden. Seit dieser Woche wühlen Bagger für den Bau der Eicher Spange in der Erde. Bei den Arbeiten sind Archäologen mit von der Partie. "Wir schauen in der Trasse der zukünftigen Straße nach, ob es dort archäologische Befunde gibt", sagt Christoph Heiermann, Pressesprecher beim Landesamt für Archäologie in Dresden. Diese sogenannte Prospektion werde bei Bauvorhaben dieser Art immer vorgenommen. "In der Nähe von Ortschaften muss man generell vorsichtig sein, weil es dort seit Jahrhunderten menschliche Aktivitäten gibt", erklärt der Fachmann.
Dabei können auch auf vermeintlich freien Flächen noch interessante Funde gemacht werden. Als Beispiel nennt er, dass beim Bau der A 72 zwischen Chemnitz und Leipzig Reste von Steinzeitdörfern entdeckt worden sind.
Dass größere Funde oder gar Gebäudereste bei den Arbeiten entdeckt werden, hält der Rodewischer Heimatforscher Siegfried Walther allerdings "fast für ausgeschlossen. In dem Gebiet der Eicher Spange hat sich schon immer ein sich bis Treuen erstreckender tiefer Urwald befunden". Nicht ausschließen will er aber, dass Stücke gefunden werden, die Leute dort im Wald oder an einer Straße verloren haben.
Laut Christoph Heiermann wird zuerst für den Straßenbau eine 50 bis 60 Zentimeter starke Deckschicht weggeschoben. Die Schicht ist uninteressant, weil sie durch Ackerbau, Wald oder menschliche Aktivitäten in jüngerer Zeit zerstört ist. Danach wird es für die Archäologen interessant. Anhand von Verfärbungen im Boden können sie erkennen, ob sich dort vielleicht schon vor geraumer Zeit Menschen zu schaffen gemacht haben. "Ein Kollege von uns wird bis Mitte September beim Bau aktiv sein", erklärt der Pressesprecher beim Landesamt für Archäologie. Der entscheidet dann bei Funden, ob es eine groß angelegte Grabung geben muss.
Jener Archäologe soll alle Funde einsammeln, dokumentieren und nach Dresden bringen, die von Bedeutung sind. "Bei uns werden die Funde zuerst gewaschen, getrocknet und anschließend beschriftet", sagt Heiermann. Die Beschriftung erfolgt mithilfe eines Streifencodes ähnlich bei Verpackungen im Supermarkt. Die Nummer wird im Computer eingetragen. Die Beschriftung ist nach den Worten des Experten von großer Bedeutung, weil "der Fund wertlos ist, wenn man nicht weiß, woher er kommt". Als letzte Schritte werden die geborgenen Scherben, Knochenreste oder Steine analysiert und das Ergebnis möglicherweise in der Jahresschrift des Amtes publiziert.
Zur Analyse gehört auch, keramische Gefäße, von denen viele Teile gefunden wurden, wieder zusammenzubauen. Scherbenfunde bei Ausgrabungen besitzen für Fachleute wie Heiermann eine große Bedeutung. "Sie helfen bei der Datierung. Denn durch die Art und Weise, wie sie gebaut sind, kann man ihr Alter erkennen und dadurch auf das Alter etwaiger anderer Funde schließen."


