Das Brotkorb-Projekt hat sich von Auerbach aus ständig weiter ausgedehnt und längst auch das Interesse der Kirchenoberen in Dresden erregt: Landesbischof Jochen Bohl (2. von links) stattete der Diakonie dazu schon 2010 einen Besuch ab. Links Karla Groschwitz, neben Bohl von links der ehrenamtliche Helfer Bruno Schmidt sowie Gernot Dörfel und Alexander Flachsbart vom Diakonie-Vorstand. Sie stehen vor dem Wandbild des barmherzigen Samariters in dem Raum, wo die Lebensmittel ausgegeben werden.
Foto: Silke Keller-Thoss/Archiv
Auerbach: Kirche macht mobil gegen Armut
Am 30. Juni und 1. Juli laden die evangelischen Christen des Vogtlandes zu ihrem Kirchentag ein
Auerbach. "Die Leute aus den Dörfern kommen erst zu uns, wenn es sehr schlimm ist", hat Karla Groschwitz längst gelernt. Die 57-jährige Lengenfelderin betreut in der Diakonie Auerbach unter anderem das Brotkorb-Projekt, das Bedürftige mit Lebensmitteln versorgt. Auf dem Land versuche jeder, sich vor den Nachbarn keine Blöße zu geben. Es sei deshalb schwierig, die Armut zu erkennen. Wie man dies trotzdem schaffen und Hilfe leisten könne, darüber wollen Karla Groschwitz und mehrere Mitstreiter auf einem Workshop anlässlich des vogtländischen Kirchentages am 1. Juli in Plauen informieren und mit Besuchern diskutieren. "Hoffnung säen - Armut im ländlichen Raum" - so heißt die Veranstaltung.
Eines der größten Probleme für arme Menschen in vogtländischen Dörfern sei die Mobilität. Karla Groschwitz berichtet von einer Familie aus einem zu Treuen zählenden Ort, die mit mehreren Kindern in einem Bauernhof lebt. Der Mann ist auf Montage, die Wege in die Schule und zur Kindertagesstätte sind weit. "Die Kinder können nach dem Unterricht nicht einmal das Freizeitzentrum in Treuen besuchen - der letzte Bus fährt 15 Uhr, und es gibt keinen Fuß- oder Radweg ins Dorf, nur eine gefährliche Straße", so die Diakonie-Mitarbeiterin über die Schattenseiten des Landlebens. Es gebe etliche Familien, die zu besseren Zeiten alte Bauernhöfe übernommen hätten und nun dort festsäßen und das knappe Geld in Reparaturen investierten: "Die Kinder von nebenan fahren zweimal im Jahr in Urlaub, sie selbst können sich das nicht leisten." Die Diakonie hat deshalb die Aktion "Kindern Urlaub schenken" ins Leben gerufen. Das Interesse ist so groß, dass in diesem Jahr erstmals zwei Freizeiten angeboten werden: Es geht an die Ostsee und in die Sächsische Schweiz.
Das Brotkorb-Projekt, 2004 in Auerbach aus der Taufe gehoben, ist inzwischen von Kirchgemeinden in Falkenstein, Treuen, Klingenthal, Rodewisch und Adorf übernommen worden. Dabei gehe es nicht nur um Lebensmittel, sondern auch um Möglichkeiten der Begegnung, unterstreicht Karla Groschwitz. Die Brotkörbe könnten die Not nur lindern, doch die Kirche müsse politisch ihre Stimme gegen Unrecht erheben, fordert die Auerbacherin: "Aus meiner Sicht ist das, was beim ALG II passiert, der blanke Rechtsbruch, es darf niemand von der Teilhabe ausgeschlossen werden. Am besten wäre es, wenn wir keinen einzigen Brotkorb brauchten."
Armut im ländlichen Raum
Der Workshop "Hoffnung säen - Armut im ländlichen Raum" findet anlässlich des Vogtländischen Kirchentages am Sonntag, 1. Juli von 13 bis 14.30 Uhr im Beruflichen Schulzentrum "Anne Frank" in Plauen, Reißiger Straße, Zimmer 35 statt.
Vorgestellt werden gemeinsame Projekte von Kirchgemeinden und Diakonie aus den Kirchenbezirken Auerbach und Greiz, die sich mit Armut und Teilhabe befassen. Es sprechen Superintendent Andreas Görbert aus Greiz, Karla Groschwitz von der Diakonie Auerbach und Anja Vetter vom Café O.K. aus Greiz.
Zu Gast ist Propst a. D. Wolf von Nordheim vom Sozialwissenschaftlichen Institut. Er erläutert eine Studie zur Armut im ländlichen Raum und berichtet von einem Projekt aus der Uckermark. (bap)


20:23 Uhr
crashy9708: @ hkremss:
Im Osten gab es mehr als 17 mio Einwohner - fragt sich nur, wie viele dorrt "Besuch von der Stasi" bekamen - sei es drum.
Mit Sicherheit waren es prozentual weniger Menschen, als all jene, die unverschuldet in die Hartz-IV- Falle geraten sind!
Komisch:
Der Umwelt geht es besser als zuvor:
Wohl wahr.
Wahr ist auch, dass das Unkraut in unserem ehemaligen Garten in der "SCHÖNEN AUSSICHT" in Treuen höher steht als vor über 20 Jahren.
Apropos "SCHÖNE AUSSICHT":
Heute gibt es dort keine schöne Aussicht mehr auf das obere Vogtland, da diese von Treuener Gewrbegebiet zugebaut wurde.
Mit der Ruhe ist es auch vorbei, denn früher hörte man das Rauschen der Wälder - heute das Rauschen der A 72!
Früher hatten wir Sokolov, das uns die Wälder ruinierte - heute ist es der Schwerlastverkehr und der ständige Zuwachs des Individuakverkehrs, dem - gerade bei der "Treuener Spange" - ganze ruhige erholsame Abschnitte (inkl. der Wälder) der Treuner Umgebung zum Opfer fallen.
Aber schließlicch ist es dem Wald doch egal, ob er der Motorkettensäge oder der Braunkohle zum Opfer fällt.
Hauptsache wir sind noch so mobil, dass wir uns wenigstens (noch) fortpflanzen können.
Wenigstens beim Sex sind wir nicht nur auf Natur und Auto angewiesen - ein schlichtes Stück Wiese tut es auch!
Aber Vorsicht:
Der Förster könnte uns dabei beobachten - vielleicht ist er sogar vor Jahren schon IM gewesen?
11:33 Uhr
hkremss: @Holzinger: Auch wenn das Ihrer Wahrnehmung widersprechen mag, haben die meisten Menschen heutzutage Arbeit, einen gewissen Wohlstand und mehr Freiheiten als jemals zuvor. Auch der Umwelt geht es besser als früher, um das Bild vom Unkraut aufzugreifen. Die meisten Menschen sind nicht arbeitslos und leben auch nicht von Hartz IV. Die meisten Rentnern im Osten haben eine gute Rente, oft mehr als z.B. Rentnerinnen im Westen. Es tut mir leid, dass Sie persönlich daran nicht teilhaben können und das meine ich ehrlich. Es gibt viele Probleme, keine Frage. Aber Ihre Einschätzung des 'heutigen Elends' ist falsch, weil einseitig. Früher gab es für solche Einschätzungen in der Öffentlichkeit Besuch von der StaSi, heute bekommen Sie nur den 'Daumen runter'. Auch das ist Freiheit. Und weil es so schön funktioniert, dürfen Sie mir nun auch ein 'Daumen runter' geben.
09:29 Uhr
Holzinger: Wir haben die Freiheit?, wir haben blühende Landschaften (auch wenn´s nur das Unkraut ist das blüht), wir haben Wohlstand (auf Hartz IV- Niveau) und wir haben die Kirche und Diakonie für seelisches Wohlbefinden, Amen. Was wollen die Menschen eigentlich noch?
09:22 Uhr
Holzinger: @ crashy9708: Merke, man darf heute nicht sagen das es in der DDR besser war bzw. es auch Gutes gab, das gibt sofort "Daumen runter". Das heutige Elend ist von "Gott gewollt" und es werden sich noch viele besinnen und alte Zeiten zurückwünschen.
19:22 Uhr
crashy9708: KEINEM WIRD ES SCHLECHTER GEHEN UND WIR SCHAFFEN BLÜHENDE LANDSCHAFTEN
Hat uns das nicht Dr. Helmut Kohl versprochen?
Nun ja - heute können viele Bürger darüber nachdenken, auch über das, was sie vor über 20 Jahren eigentlich wollten.
Im Volksmund heißt "verkohlen" schlicht und einfach, dass der Andere mal eben so belogen wird, weil er alles glaubt, was man ihm erzählt.
Mein Großvater (1890-1982) hat jedenfalls nach dem 2-ten Weltkrieg weniger Not gelitten als davor und er war mit seinem Leben - trotz kärglicher Rente - bis zu seinem Tod zufrieden. Hunger und Elend hat er mit seinen 6 Kindern nur in den Zeiten der Kriege und der Inflation gelitten, natürlich auch einige Zeit nach dem Krieg, als es keine Arbeit gab.
Meiner Mutter - heute auch Großmutter - ging es vor der Wende auch besser. Leider hat die Wende meinen Eltern kein Glück gebracht, denn mein Vater (Kraftfahrer) wurde in F'stein beim (ehemaligen) Kraftverkehr "abserviert", weil er zu alt war! Ihm hat es nicht nur den Job gekostet, sondern auch das Herz gebrochen, weil das Selbstwertgefühl dahin war!
Geschuftet für die Familie ist er vor ein paar Jahren Elend zugrunde gegangen; durch ein Gesundheitswesen, dass zwar technisch perefekt war, aber menschlich vollkommen versagt hat.
...und was die Mobilität betrifft:
Der ÖPNV im Vogtland ist nicht nur ein Grund zum heulen, sondern auch ein Grund zur Traurigkeit - gerade an den Wochenenden!
Aber vieleicht kann die vogtländische Kirche Herrn Biermann einladen, der doch so großen Anteil an der friedlichen Revolution hatte.
Seine Gesänge waren ja auch im Vogtland über den "Ochsenkopf" zu hören.
Als Träger des BVK müsste es doch für ihn ein innerster Wunsch sein, die markanten Sprüche von Helmut Kohl und seinen Nachfolgern wenigstens hinter den Mauern der Kirchen einzufordern - wie damals die Freiheit in der Diktatur.
Es wäre schön, ihm dort zu begegnen - da würde selbst ich wieder in die Kirche gehen, die ich seit meiner Taufe in Treuen nicht mehr von innen sah.