Die Vorderfront des ehemaligen Klubhaus Nord erweckt auf den ersten Blick noch den Eindruck von Standfestigkeit.
Foto: Silke Keller-Thoss
Fabrikantenvilla wird zu Gefahrenquelle
Mit dem einstigen Klubhaus Nord in Auerbach gibt es diverse Probleme
Auerbach . Spielcasino, Hotel, betreutes Wohnen: Pläne gab es für Knolls Villa an der Naumannstraße in Auerbach schon viele. Kein einziger davon ist aufgegangen. So wie die Ex-Fabrikantenvilla 1990 leer gezogen und 1993 vom damaligen Landkreis Auerbach an eine Immobiliengesellschaft in Passau verkauft wurde, steht sie heute noch da.
Mag die Vorderfront noch den Eindruck erwecken, dass das Gebäude sicher steht, so offenbart sich beim Gang auf die Rückseite ein Bild des Verfalls. Die Freitreppe zur Terrasse ist eingebrochen, überall liegt Müll, auffällig ist die große Menge an aufgeschlitzten Plastikumhüllungen von Kabeln. Noch schlimmer der Anblick im Anbau, dem ehemaligen Kinosaal. An den zerschlagenen Fenstern flattern die alten Gardinen, der Holzfußboden ist aufgerissen, an mehreren Stellen sind Spuren von Feuerstellen zu sehen. Auf der Bühne verkündet der Rest eines Parteitags-Plakates, wessen Geist hier vor Jahren durch die Mauern wehte. "Russen-Kino" nannten die Auerbacher den Saal, als er noch Bestandteil des Klubhauses Nord war. Als Kreiskulturkabinett war das Haus zu DDR-Zeiten Treffpunkt für "Volkskunstschaffende". Mal-, Klöppel- und Foto-Zirkel hatten hier ihr Domizil. Aber auch eine Gaststätte bot das Haus. Zu vielen Anlässen wurde kräftig gefeiert.
Sogar ein Scheich im Grundbuch
Als der Landkreis Auerbach das Haus an die Renta Immobiliengesellschaft Passau verkaufte, war das die Kröte, die der Investor mit schlucken musste, um im Umfeld Stadtvillen errichten zu können. An den Kaufvertrag war eine Sanierung der Fabrikantenvilla geknüpft. Die Stadtvillen standen bald, am alten Klubhaus tat sich nichts.
"Das Objekt ist nicht mehr sicher betretbar", heißt es auf der Internet-Seite der Immobilienfirma domus acta Falkenstein, in deren Besitz das Gebäude zwischenzeitlich gewesen ist. Und weiter: "Aufgrund des jahrelang schadhaften Daches, der starken Einregnungsschäden sind im Objekt Decken durchgefault und eingebrochen, lose Teile hängen von Decken und im Treppenhaus." Außerdem werden Vandalismusschäden und Schädlingsbefall aufgelistet. Von der Denkmalbehörde des Vogtlandkreises wurde das Objekt im September 2010 von der Denkmalliste genommen, ist diesem Internetauftritt zu entnehmen.
Knolls Villa hat in den letzten Jahren öfter den Besitzer gewechselt, sogar ein Scheich - Mohammed Abdul Wahed mit Postanschrift in der Schweiz - war darunter, ist dem Grundbuchamt der Stadt zu entnehmen. Erst vor kurzem hat er das Objekt aber wieder veräußert, es gehört jetzt einem Mann aus Oberbayern. Der ist allerdings noch nicht im Grundbuch eingetragen. "Die Frist für die Änderung ist noch nicht abgelaufen", lässt Stadtpressesprecher Hagen Hartwig wissen.
Ohne Sicherung gefährlich
Wirklich gesichert ist das dem Verfall preisgegebene Gebäude unterdessen nicht. Wird das Gelände von Kindern als Abenteuerspielplatz auserkoren, könnte für sie ernsthaft Gefahr bestehen. An einigen Stellen steht zwar ein Bauzaun, aber eigentlich findet man überall Zugang, vor allem an der Rückfront. Nach einem Hinweis von "Freie Presse" wollte sich die Bauaufsicht der Stadt auf dem Grundstück umschauen. "Nicht nur ein Zaun muss zur Absperrung vorhanden sein, auch alle Türen und Fenster müssen so gesichert sein, dass keiner ins Gebäude kann", erklärt Hartwig. Der Eigentümer werde zur Sicherung aufgefordert. Sollte er dem nicht nachkommen, wird ihm ein Bußgeld angedroht. Letzter Schritt wäre die sogenannte Ersatzvornahme, bei der die Stadt für die Sicherung sorgen muss.


