Bevor es zur Wanderung in den dunklen Wald ging, haben Kinder und Erwachsene im Natur- und Umweltzentrum Oberlauterbach verschiedene Gerüche erlernt. In kleinen Säckchen wurden unter anderem Steinpilze, Eichenspäne und Orange beschnuppert.
Foto: Silke Keller-Thoss
Feriengäste bestehen Test für alle Sinne
Den abendlichen Wald wie eine Wildkatze entdeckt haben Naturfreunde während der Themenwochen im Natur- und Umweltzentrum Oberlauterbach
Oberlauterbach. "Eigentlich hat der Mensch um diese Zeit nichts da draußen zu suchen", betont Karin Hohl vor dem gemeinsamen Aufbruch zur Waldwanderung im Taschenlampenschein. Dient die Expedition Lernzwecken, werden ab und zu Ausnahmen gemacht. "Wir gehen ins Wohnzimmer der Tiere", wendet sich die Leiterin des Natur- und Umweltzentrums Vogtland in Oberlauterbach (NUZ) an die Jüngsten unter den knapp 20 Gästen. Also müsse auf ganz leisen Sohlen gelaufen werden. Denn dort ist nach Einbruch der Dunkelheit entweder Nachtruhe oder Jagen üblich - und der Mensch ein Störfaktor.
Sich vorwärtsbewegen wie eine Wildkatze lautete das Prinzip, dabei die Umgebung mit allen Sinnen erfassen. Die mussten nach kurzem Vortrag über den scheuen Lauerjäger erst mal geschärft werden, unter anderem mit einem Schnüffeltest. "Wir stellen immer wieder fest, dass es uns schon schwer fällt, Gerüche auseinanderzuhalten", erklärte Hohl. "Wildkatzen besitzen dagegen noch alles, was wir nicht mehr haben. Sie hören und riechen sehr gut und können sich unwahrscheinlich gut orientieren."
Bevor sich das Grüppchen auf die Socken machte, wurde gebastelt: Wildkatzen aus Holzscheiben und Filz. Mit von der Partie war Domenik Kropf, ein Feriengast aus der Nähe von Leipzig und Stammgast im Umweltzentrum. "Ich bin schon letztes Jahr hier gewesen", erzählt er. Mit dem Programmablauf vertraut, konnte der Achtjährige sagen, welcher Teil ihm besonders zusagt: die Stärkung am Lagerfeuer nach dem Ausflug.
Die Wanderung war die zweite dieser Art im NUZ. Vor einem Jahr stand der Wolf im Mittelpunkt. Die Wildkatze habe man wegen dem Totfund im April 2011 bei Bergen gewählt, berichtet Karin Hohl. Sie ist als Koordinatorin für Großraubsäuger im Vogtlandkreis fest in ein wissenschaftliches Monitoring-Programm zur Ermittlung der Wildkatzen-Verbreitung eingebunden und zuversichtlich, weitere Tiere innerhalb der Region lokalisieren zu können. Aufgrund seiner abwechslungsreichen Landschaft sei das Vogtland ein geeigneter Lebensraum.
Allerdings ist man auf die Mithilfe der Bevölkerung angewiesen. "Wir hoffen dass sich Leute melden, wenn sie Sichtungen machen, die auf eine Wildkatze hindeuten könnten", so Hohl. Zu den Erkennungsmerkmalen zählen ein im Gegensatz zur wildfarbenen Hauskatze stämmiger Körperbau, die verwaschene Fellzeichnung und ein buschiger, deutlich geringelter, stumpf endender Schwanz.
Service:
Hinweise nimmt das Natur- und Umweltzentrum in Oberlauterbach unter Telefon 03745 751050 entgegen.


