Zügig voran gehen die Abrissarbeiten an der ehemaligen Filztuchfabrik in Rodewisch. Das Hauptgebäude mi seinen beiden Türmen, eines der ersten Stahlbeton-Skelettbauten in Sachsen, soll gesprengt werden.
Foto: Joachim Thoß
Gebäudeteil soll an Filztuchfabrik erinnern
Denkmalschutz hat Gebäude zur Sprengung frei gegeben - Historische Erkundung hält Zeugnis der Industriegeschichte in Wort und Bild fest
Rodewisch. Anfang November sollen der Schornstein und das Hauptgebäude der ehemaligen Filztuchfabrik in Rodewisch in einem Zug gesprengt werden. Das Hauptgebäude mit seinen beiden markanten Türmen - einer der ersten Stahlbeton-Skelettbauten in Sachsen - sowie das Kantinengebäude im klassischen DDR-Stil standen unter Denkmalschutz. Bevor sie jetzt zum Abbruch frei gegeben wurden, wurde eine so genannte historische Erkundung angestellt. Das heißt, zumindest in Text und Bild wurde alles für die Nachwelt festgehalten.
"Man hätte das Gebäude wirklich nicht erhalten können, zu groß waren die Schäden am Beton", schätzt Uwe Adler, Bauleiter vom beauftragten Planungsbüro Öko-Plan Plauen ein. In der Sitzung des Rodewischer Stadtrates sollen am Donnerstag Ergebnisse der historischen Erkundung vorgestellt werden. Und es soll darüber diskutiert werden, auf welche Weise man an das Werk, das für viele Rodewischer einst Arbeitsplatz war und ein Zeugnis der Industriegeschichte ist, erinnern kann.
Dazu hatte die Stadt im Vorfeld den Rodewischer Ortschronisten Siegfried Walther gefragt. Von dem Vorschlag, vom Schornstein einen Stumpf stehen zu lassen und dort eine Gedenktafel anzubringen, hielt der nicht viel. Er plädierte dafür, etwas vom Hauptgebäude stehen zu lassen. Auch eines der Eingangstore könnte erhalten bleiben und künftig an dem Radweg, der dort entlang führen soll, an die Filztuchfabrik erinnern.
Der Niederschlag der letzten Tage begünstige das Vorankommen des Abbruchs, so Planer Uwe Adler. Denn angesichts des Wassermangels im September standen die Bauleute vor dem Problem, woher sie das Nass zum Abspritzen der mit Asbest belasteten Baustoffe nehmen sollen. "Der Wernesbach führte wenig Wasser, auch die Brunnen in der Nähe waren versiegt", erklärt er. Beim "unkontrollierten" Abbruch durch den Vorbesitzer sei ein gewaltiger Bauschuttrest mit "Unmengen von schwach gebundenem Asbest" liegen gelassen worden.
Die Abbrucharbeiten an der ehemaligen Filztuchfabrik sollen in diesem Jahr weit gehend abgeschlossen werden. Die Kosten dafür werden aif 1 Million Euro kalkuliert. Noch unklar ist, wie es mit der eigentlich geplanten Renaturierung des sieben Hektar großen Areals voran geht. Dafür wird im Rodewischer Rathaus ein neuer Fördermittelantrag vorbereitet.
Termin
Stadtrat Rodewisch, am Donnerstag, 18 Uhr im Bürgerhaus Röthenbach.

