Ursula Fuchs kümmert sich um die Perserkatze, die vor kurzem zwischen Buch und Wolfspfütz gefunden wurde. Das völlig verwahrloste Tier ist etwa zehn Jahre alt.
Foto: Silke Keller-Thoss
Gequälte Katze erholt sich langsam
Völlig verwahrloste Perserkatze kommt derzeit in einer Treuener Tierarztpraxis wieder zu Kräften
Treuen. Treuen. Beim Joggen hat die Treuenerin Karin Schneider die Katze zwischen Buch und Wolfspfütz zuerst gesehen. "Ich dachte, was läuft denn da so langsam über die Straße." Auf der Rückfahrt hielt sie an der Stelle und fand das Tier leise miauend im Straßengraben. "Sie hat keine Anstalten zum Weglaufen gemacht und hat sich eigenartig angefasst."
Weil sich das Tier in einem jämmerlichen Zustand befand, hat es Karin Schneider in die Treuener Tierarztpraxis Fuchs gebracht. Dort sorgt Ursula Fuchs dafür, dass das Tier wieder zu Kräften kommt. In einem ist sich die Frau mit der Finderin und Karin Slogsnat aus dem Vorstand des Tierschutzvereins Treuen und Umgebung sowie Vereinschefin Heike Zeitler einig: So einen krassen Fall haben sie noch nicht gesehen. "Das Fell war zu einer mehrere Zentimeter starken Schicht verfilzt. Das Tier war nicht mehr in der Lage, sich allein zu ernähren", beschreibt Karin Slogsnat den Zustand. Aufgrund des "Filzpanzers" konnte sich die Katze kaum noch fortbewegen. Außerdem war das Tier auf einem Auge blind und die Krallen waren ins Fleisch eingewachsen, sodass die Katze beim Laufen vermutlich große Schmerzen hatte. Wie schlecht es dem Vierbeiner ging, zeigte nach Aussagen von Karin Slogsnat auch die Waage: "Normalerweise wiegen Katzen etwa vier Kilogramm." Die Perserkatze wog mit dem Filzpanzer noch ganze zwei Kilo. Nach den bisherigen Erfahrungen der Tierschützerin macht sich eine solche Verwahrlosung nicht nach drei, vier Wochen bemerkbar. Das Tier musste schon länger bei einem Menschen gelebt haben, der sich nicht mehr ausreichend darum kümmern konnte oder ausgesetzt gewesen sein. Gegen das Aussetzen spricht aber, dass sich das Tier gar nicht gegen Angriffe von Raubtieren hätte wehren können. "Die Katze muss Höllenqualen ausgestanden haben", meint Karin Slogsnat. Sie würde gerne wissen wollen, wer das Tier so verwahrlosen lassen hat und bittet die Menschen um Mithilfe.
Der Tierarzt schnitt zuerst den Filzpanzer auf, damit sich das Tier etwas besser bewegen und etwas fressen konnte. Denn die Katze musste erst stabilisiert werden, damit sie die Narkose überlebt. Die war zum Abrasieren des Filzpanzers notwendig. Die Kosten für die Untersuchung und Behandlung sowie den Kampf um den Erhalt eines Auges trägt laut Vereinschefin Heike Zeitler der Tierschutzverein. Sie und Karin Slogsnat stellen seit einigen Monaten fest, dass die Zahl ausgesetzter Tiere steigt. Zurzeit sind das vor allem junge Katzen.
Im Treuener Tierheim warten derzeit 30 Katzen und fünf Hunde auf ein neues Zuhause. Manche Leute wollen die Tiere loswerden, weil sie zu teuer sind oder zu viel Arbeit machen. Andere werden überflüssig, weil sie von den Nachkommen der verstorbenen Besitzer nicht übernommen werden. Das sind laut Heike Zeitler Gründe für das Aussetzen. Nach ihren Erfahrungen wollen sich manche Leute auch die Schutzgebühr sparen, die sie beim Abgeben von Hund oder Katze im Tierheim bezahlen müssen.
Service
Für Informationen zur Perserkatze oder über Heimtiere ist das Tierheim Treuen unter Telefon 037468 681638 zu erreichen.


