Säbel, Lanzen und Kanonen: Vor dem Treuener Schloss wurde eine Schlacht nachgestellt.
Foto: Joachim Thoss
Historien-Fans nehmen Säbel in die Hand
Leben und Kampf im Dreißigjährigen Krieg haben Geschichts-Vereine zum 8. Treuener Schlossfest nachgestellt
Treuen. So ein Spektakel hat Treuen lange nicht erlebt - am Wochenende schlug in dem vogtländischen Städtchen die Stunde der Wahrheit: Bleibt er unter dem Kommando von Schotten und Schweden? Oder muss der Herrensitz an das Kaiserliche Regiment abgetreten werden? Die Belagerer sagten entschlossen: Nein. Mindestens genauso siegessicher gibt sich ihr Gegenüber: "Jedes Schloss gehört dem Kaiser, und es wird auch wieder seine werden", hält Heerführer Wallenstein großkalibrige Vorreden, nachdem seine Artillerie schwere Geschütze positioniert hatte.
Kurz darauf bricht das letzte Wortgefecht ab. Musketensalven durchschneiden die Luft, Piken, Säbel, Lanzen und Kanonen werden auf gegnerische Männer gerichtet. Ihr Tross bringt sich aus der Schusslinie. Obwohl Kraft- und Zündstoffvorräte auch nach einer halben Kampfstunde noch nicht erschöpft scheinen, kapitulieren die Kaiserlichen schließlich - aber nur bis zum nächsten Tag. Von der offenen Feldschlacht marschieren Wallenstein und seine Mannschaft hoch erhobenen Hauptes zurück ins Feldlager.
Etwa 150 Akteure aus zwölf deutschlandweit beheimateten historischen Vereinen imitierten am Wochenende Leben und Kampf im Dreißigjährigen Krieg zum Treuener Schlossfest. Die Geschichtsstunden orientierten sich an überlieferten Fakten.
Bei dem 401 Jahre alten Gemäuer habe es sich tatsächlich um einen Herrensitz gehandelt, berichtet Ulrich Leipoldt vom Schlossförderverein. "Wer allerdings die Burg geschleift, also niedergebrannt hat, ob Schweden oder andere, ist nicht bekannt." Vor dem Herrensitz stand an gleicher Stelle eine Burg. "Die Schweden waren hier in der Region sehr aktiv", weiß Leipoldt. Was das bedeuten kann, erlebten Hunderte Gäste aus nächster Nähe.
Es gab aber auch Alternativen. Zum Beispiel ein Schmied und Zinngießer. Oder Knopfdreher Peter Mikula. "Ich bin das Damenprogramm und für diejenigen hier, die nicht an Säbeln und Kanonen interessiert sind", sagte der Memminger, während sich seine selbst gebaute Maschine Hornscheiben einverleibte und Knöpfe ausspuckte.
Eine Ausstellung zeigte Sande aus aller Welt, eine andere zeichnete die Vergangenheit des im Rekonstruktionsprozess befindlichen und kurz vor Festbeginn abgerüsteten Fachwerkbaus nach. In Gefechtspausen rückten Gäste und Truppen bei Live-Musik, Kaffee, Kuchen, Bier und Gegrilltem zusammen.
Den Schlussstrich unter die dreitägige Feier zog wie üblich ein schottisches Feuerwerk. Vereinschef Ulrich Leipoldt richtete nicht nur beim Anblick der Besucherscharen und vielen Unterstützer den Daumen nach oben. "Wir hatten Glück mit dem Wetter", atmete er auf.
Für alle Eventualitäten gewappnet waren Nico Baumgärtel alias Captain Monroe und sein schottisches Regiment of Foote: Gegen kühle Sommernächte im Zelt helfen jede Menge Tee und andere Heißgetränke, erlaubt er Proviant-Einblicke. "Auch Alkoholhaltiges haben wir dabei, Decken, Schaffelle und viel Stroh."


