Treffender Humor, oft auch sehr spitzzüngig, ist charakteristisch für die Zeichnungen von Walter Krauß. Vor allem seine Neujahrskarten zierte er damit.
Foto: Silke Keller-Thoss
Idee für Skatblatt kommt aus Rodewisch
Das in den 1960er Jahren von Walter Krauß entworfene Skatblatt wird noch heute verkauft
Rodewisch. Seine Zeichnungen gehen heute noch durch viele Hände, und das im wahrsten Sinne des Wortes, denn das Deutsche Blatt aus der Altenburger Spielkartenfabrik, so wie es Walter Krauß 1964 entwarf, wird laut Gerd Matthes vom Marketing der Firma immer noch in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen verkauft. "Das neu entwickelte Kartenbild setzte sich ganz stark von den bisher bekannten Karten mit deutschen Farben ab", sagt Matthes. Das neue Altenburger Bild sei nicht mit anderen vergleichbar, es sei eine "typische DDR-Entwicklung: die Unter als Vertreter der Arbeiterklasse mit einem heldisch in die Zukunft gerichteten Blick, die Könige prunksüchtig und feist.
"Er hat ausdrucksstarke markante Gesichter gezeichnet, nicht stilisiert, deswegen war er bei uns im Geschäft", sagt Hans Jäschke, der in den 60er und 70er-Jahren in der Spielkartenfabrik beschäftigt war und Walter Krauß persönlich kannte.
Die Spielkarten sind aber nur ein geringer Teil von dem äußerst mannigfachen Schaffen des Walter Krauß. Die Aufgabe, dieses zu erfassen, hat sich Martina Bundszus, Leiterin des Rodewischer Museums, gestellt. Einen Helfer aus Krauß' Familie weiß sie dabei in unmittelbarer Nähe: Dieter Krauß, der Neffe des Kunstmalers und Mitglied im 1. Förderverein des Museums Göltzsch Rodewisch. In seinem Besitz wie auch dem seines Bruders Günter Krauß befinden sich viele der Arbeiten. Der Onkel hat nicht nur an Mitglieder seiner Familie, sondern auch an Bekannte seine bekannten Neujahrsgrüße, lustige Zeichnungen mit Versen, verschickt. "Er war ein sehr humorvoller Mensch, und er hatte Talent zum Dichten", sagt der 80-jährige Günter Krauß. Oft mit spitzer Feder schrieb er seine Wünsche oder Anekdoten zu den Zeichnungen auf. Für Rodewischer Sportvereine, für Arztpraxen und Betriebe arbeitete er, entwarf Glückwunschkarten und Souvenirs wie Wandteller oder Bierkrüge. Die meisten seiner Wandbilder gibt es nicht mehr. Fast alle Rodewischer wissen von jenem, das in der ehemaligen Rotex das Alte Messingwerk von Rodewisch darstellte. Nur noch eine Tafel an einer Mauer auf dem Hellweg-Parkplatz - wo die Rotex stand - erinnert daran. Das Wandbild in der Saalbar der Wernesgrüner Brauerei, es stammt von 1972, gibt es allerdings noch. Als der Saal saniert wurde, wurde auch das Bild konserviert. "Es ist in der typischen Krauß'schen Art gemalt: Nackte Damen und Trinksprüche", sagt Geschäftsführer Bernd Schmidt.
Günter und Dieter Krauß sind überzeugt, dass das gesamte Werk von ihrem Onkel nicht erfasst werden kann. "Er hat so viele Dinge verschenkt, wer weiß, wo die sind", sagt Günter Krauß. Außerdem sei viel durch den Umzug der Ehefrau zur Tochter nach Potsdam verloren gegangen. Das Grab von Walter Krauß wird man übrigens in Rodewisch vergeblich suchen. Er wurde auf Wunsch der Familie nach Potsdam umgebettet. Zum 100. Geburtstag von Walter Krauß hat es die Stadt schlicht verpasst, einen Ort zu schaffen, wo man seiner hätte gedenken können, weiß Dieter Krauß von einem Gespräch mit dem ehemaligen Bürgermeister Erhard Meier.
Unterdessen sammeln sich im Rodewischer Museum etliche Arbeiten von Walter Krauß an. "Seit die Leute wissen, dass ich mich damit beschäftige, bringen sie vieles aus ihrem Besitz her", freut sich Leiterin Martina Bundszus. Bei vielen Porträts besteht die Schwierigkeit herauszufinden, wer abgebildet ist. Die Bilder haben oft keine Beschriftung.

