Holzfäller Ralph Willgerodt, Chef der gleichnamigen Firma, mit einem von Fäule zerfressenen Stamm von einer der Linden, die an der Kaiserstraße gefällt wurden.

Foto: Joachim Thoss

Kritik an Baumfällungen: Städte verweisen auf Sicherungspflicht

Geräusch von Motorsägen treibt Naturfreunden Sorgenfalten auf die Stirn

Auerbach/Rodewisch. Gerd Poley war entsetzt, als er gesehen hat, dass gleich alle zwölf Linden an der Kaiserstraße in Auerbach, wo er oft spazieren geht, gefällt wurden. "Für mich sind Bäume auch Lebewesen, sie spenden Sauerstoff und bieten Vögeln Lebensraum", begründet er. Sabine Bednarzik, in der Stadtverwaltung für die Pflege von Grünanlagen zuständig, lässt an ihrer Verantwortung für die Sicherheit nicht rütteln. "Die Linden an der Kaiserstraße waren zwischen 90 und 100 Jahre alt. Wir haben sie seit Jahren beobachtet und immer wieder versucht, mit Ausschnitt Schadensbegrenzung zu betreiben. Das rettet aber den Baum nicht."

Die viel befahrene Straße und der befestigte Fußweg mit kleinen Baumscheiben seien zudem ein ungünstiger Standort. "Straßenbäume in dem Alter haben es nicht einfach. Auch jeder Baum darf einmal sterben, und in der Stadt geht das nun mal schneller."

Auch Michael Schädlich aus Auerbach hat sich an "Freie Presse" gewandt und die Fällung der Linden an der Kaiserstraße kritisiert. Er vermutet, dass Baumfällaktionen "neuerdings ohne große Vorabinformationen an die Bürger erfolgen, um Proteste gar nicht erst aufkommen zu lassen". Sabine Bednarzik dazu: "Dazu sind wir nicht verpflichtet. Bis Februar 2010 hatte Auerbach eine Baumschutzsatzung, bis dahin hat eine Baumschutzkommission Bäume, die zur Fällung anstanden, begutachtet und darüber entschieden. Jetzt liegt die Entscheidung dazu bei uns im Fachamt."

Die Fachfrau sagt, dass andererseits ständig Bäume nachgepflanzt werden: Im neu entstehenden Park der Generationen seien es 85 in verschiedenen Arten und im Zuge des Straßenbaus in Crinitzleithen zehn Linden. "Neupflanzungen nehmen wir in der Regel im Zusammenhang mit Straßenbaumaßnahmen vor und versuchen, geschlossene Grünstreifen zu schaffen, damit Bäume bessere Bedingungen finden." Ein neuer Baum sei auch auf der Grünfläche an der Kirchstraße geplant, wo eine große Linde gefällt wurde.

Auch an vielen anderen Standorten ist an Bäumen die Säge angesetzt worden. So auf dem Auerbacher Friedhof. Mit den Arbeiten dort erfülle der Kirchenvorstand seine Verkehrssicherheitspflicht, wurde von Superintendent Rudolf Hesse betont. Er verwies auf die Baumkonzeption, die für den Friedhof erarbeitet wurde. Gegenüber "Freie Presse" äußerten Leser ihre Sorge, dass der Charakter als Waldfriedhof durch die Baumfällungen gefährdet sei.

In Rodewisch wurden in der Göltzschstraße 8 von 15 Bäumen gefällt. Auch in der Goethestraße, Am Lamnitzer, Auerbacher/Ecke Stift-straße, Neue Wildenauer Straße, Am Bahnhof und August-Bebel-Straße mussten Bäume weichen. "Wenn wir noch Geld hätten, wären es sogar noch mehr geworden", sagt Hartwig Schürer vom Rodewischer Bauamt. Bei einem "normalen Baum" mit 40 bis 50 Zentimeter Stammdurchmesser und acht bis zehn Meter Höhe fallen laut Schürer kosten von etwa 1000 Euro für Fällung und Entsorgung an.

Kommunen, die die Baumschutzsatzung abgeschafft haben - wie Auerbach und Rodewisch - müssen sich dennoch an Bestimmungen des Naturschutzgesetzes halten. Demnach dürfen in der Vegetationszeit vom 1. März bis 31. Oktober Bäume nur in Havariefällen oder bei Bauvorhaben gefällt werden.

 
erschienen am 07.12.2011 ( Von Heike Mann )
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
Kommentare
1
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  • 08.12.2011
    13:58 Uhr

    Landvogt: Mir ist auch aufgefallen, dass die Kaiserstraße nun wie leergefegt aussieht! Und als ich die gefällten Bäume begutachtete, war offentsichtlich, dass die wenigsten von ihnen so aussahen wie das Beispiel auf dem Foto! Die meisten hatten keinerlei Fäulnisstellen im Hauptstamm, sondern waren schön weiß und gesund im Holz!!! Aber selbst solche Bäume wie auf dem Foto können oft noch jahrhundertelang stehen und grünen, und gerade sie sind der Lebensraum vieler Tiere. Hier ist es zwar verständlich, aber es ist fraglich, ob es tatsächlich alle Bäume hätte treffen müssen, das würde ich nämlich verneinen.
    Es ist sowieso ein Frevel unserer Zeit, dass wir jetzt wo die Regelung fehlt, plötzlich alle größeren Bäume fällen! Wir haben eine Verantwortung für unsere Kinder, und Enkelkinder, wenn man bedenkt, wie lange ein Baum zum wachsen braucht, das sind Jahrhunderte! Es ist nicht nur abgetan, für einen alten gefällten Baum einen neuen zu pflanzen, dieser ist noch lange Zeit etlichen Gefahren ausgesetzt ehe er groß wird, und es ist nicht gesagt, dass er es auch schafft! Eigentlich müssten auf einen alten Baum fünf neue Gepflanzt werden, so wie unsere Gesellschaft heute aussieht! Man bedenke weiterhin, dass ein junger Baum noch lange nicht die Funktionen erfüllt, die ein alter Baum hat, die meisten Vögel und Insekten können gar nicht in jungen Bäumen nisten, sie brauchen Höhlen, diese wiederum sind nur in altem Holz möglich, alte Bäume bieten viel mehr Lebensräume als junge Bäume! Nicht zu vergessen ihre schönere Gestalt.
    Schuld ist, dass man in dieser Gesellschaft immer jemanden zur Verantwortung ziehen will und kann, wenn mal ein Ast auf die Straße fällt...früher war das eben so, da ging der Wind und da wars eben passiert, da gab es auch nur Trabis, und mit den Nachbarn hat man mehr geteilt als sich abgegrenzt.
    Die Frage ist was wir wollen!? Wollen wir wirklich alle keine Bäume mehr ? Und dass Stadtbäume bessere Bedingungen bekommen müssen, d.h. nicht bis an den Stamm betoniert sein dürfen, ist auch klar. Ich hoffe, dass wir gut gestalten, was unsere Kinder auch noch sehen sollen.

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