Mediziner-Weggang macht Klinikum Sorgen
Rodewischer Klinikum hat einen Ärzte-Engpass
Rodewisch . Dem Klinikum Obergöltzsch laufen scheinbar die Ärzte weg: Nachdem am 8. Juni bereits Angelika Taubner die letzten Sprechstunden in der Praxis für Allgemeinmedizin im Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ) in Falkenstein gehalten hat, musste die Rodewischer Klinikleitung inzwischen auch noch die Kündigung von Augenärztin Bärbel Parulewski, die das MVZ 1 am Klinikum leitete, entgegennehmen. Sie wird ihre Praxis zum 30. September aufgeben.
Als Grund für die Kündigung sei von Bärbel Parulewski angegeben worden, dass ihr auf Dauer die Leitung des MVZ gleichzeitig mit den Aufgaben in der eigenen Augenarzt-Praxis in Greiz zu viel werde.
Nachfolger gesucht
"Dafür habe ich Verständnis", sagt Beate Liebold, Verwaltungsdirektorin des Rodewischer Klinikums. Positiv sei in diesem Fall, dass die Medizinerin erst am 30. September geht - "Zeit für uns, uns um einen Nachfolger zu kümmern, und da sind wir sehr optimistisch, dass uns das gelingt", sagt Beate Liebold. Zusätzliches Pech hat das Krankenhaus, weil die zweite Augenärztin, Susann Wirth, nach ihrer Baby-Pause nicht ans Haus zurückkehrt. Sie begründete das damit, dass sie als junge Ärztin in anderen Arbeitsstellen Erfahrungen sammeln möchte. "Sie war eine fest eingeplante Größe, steht uns nun aber nicht mehr zur Verfügung", bedauert Beate Liebold.
Mit der Umstrukturierung der internistischen Praxis am MVZ am Klinikum Obergöltzsch einher geht ein weiterer Weggang eines Mediziners: Dr. Sven Kögler wechselt zurück in den stationären Bereich. Er hatte am 17. Januar 2011 die Praxis von Dr. Ursula Fickert in Theuma übernommen, die mit dem Arztwechsel ans MVZ am Klinikum umsiedelte. Zehn Stunden Sprechzeit pro Woche auf kardiologischem Gebiet werden in Zukunft noch von Dr. Fickert abgedeckt. Die gastroenterologische Betreuung, die neu in der Praxis angeboten wird, übernehmen Chefarzt Rolf Hanrath und Oberärztin Kathrin Fuchs.
Häufung bringt Probleme
Beate Liebold betont, dass die von den Ärzten vorgebrachten Kündigungsgründe nichts mit Geld zu tun haben. "Wir bezahlen am Klinikum nach Tarif", erklärt sie. Die Häufung der Weggänge sei für das Klinikum im Moment eine schwierige Situation, zumal man bis vor kurzem sagen konnte, dass alles Arztstellen besetzt sind. Aber die Verwaltungsdirektorin gibt sich optimistisch: "Es gibt zu allen Problemen Gespräche und wir hoffen, dass wir Lösungen finden. Unser Sorgenkind bleibt aber zugegebenermaßen das MVZ in Falkenstein." 1100 Patienten mussten sich dort auf die Suche nach einem neuen Hausarzt begeben.
Zu den Betroffenen zählt auch eine 51-jährige Falkensteinerin, die wegen ihrer Zuckerkrankheit laufend auf Medikamente angewiesen ist. "Diesen Monat komme ich noch hin - aber welcher Arzt mir ein Rezept für Juli ausstellt, das weiß ich nicht", schildert sie. Verwiesen habe man sie an Mediziner in Plauen oder Schöneck. Da die Frau von Hartz IV lebt, weiß sie auch nicht, wie sie die Fahrtkosten aufbringen soll. "Es trifft ja so viele, man kann doch die Leute mit ihren Sorgen nicht allein sitzen lassen", meint sie. (mit bap)

