Ehemalige Zollstation Stefan Fuchs (rechts neben ihm Bürgermeisterin Gisela Schöley) von der SG Neustadt erläuterte den Jurymitgliedern am Mittwoch die Entwicklung des Neustädter Sportareals. Die Baracke im Hintergrund stand bis vor wenigen Jahren noch als Zollstation an der bayerisch-tschechischen Grenze.

Foto: Joachim Thoss

Neustadt will Vorreiter-Rolle behaupten

Die Jury des Landeswettbewerbs "Unser Dorf hat Zukunft" hat sich beim Vogtland-Sieger umgeschaut

Neustadt. 5,75 Meter Gefälle zwischen den beiden Toren - mit diesem Wert gehörte der frühere Sportplatz Neustadts nach Auskunft von Stefan Fuchs, Pressesprecher und Jugendleiter der SG Neustadt, zu den schiefsten Plätzen seiner Art. "Wir mussten uns viel Spott anhören, auch über unsere Umkleideräume", berichtete er am Mittwoch bei der Visite der zehnköpfigen Kommission im Rahmen des sächsischen Dorfwettbewerbs. "Wenn sich fünfzehn Mann auf zwei mal zwei Meter umziehen müssen, kann man sich das Gedränge vorstellen."

2003 konnte endlich ein neuer Sportplatz angelegt werden. Die Kommission durfte am Mittwoch ausnahmsweise über den gepflegten Rasen schlendern. Und auch die Platzprobleme am Spielfeldrand sind Geschichte: Die Neustädter sicherten sich zum Spottpreis eine Baracke von der tschechisch-bayerischen Grenze, die ein Landwirt nach dem Fall der Kontrollen übrig hatte. "Das war Glück, wenig später hat der Bauer viel mehr geboten bekommen - aber da hatten wir sie schon gekauft", schildert Fuchs. Der Sport boomt in Neustadt, 54 Kinder und Jugendliche sind hier aktiv, es gibt bei den Fußballern drei Nachwuchs-Mannschaften.

Über das rege Leben in insgesamt zehn Vereinen wurden die Jurymitglieder ebenso informiert wie über die 48 Unternehmen, die in den fünf Ortsteilen angesiedelt sind und über 200 Arbeitsplätze bieten - rein rechnerisch reicht das für jeden dritten der 650 arbeitsfähigen Neustädter.

Insgesamt hat die Gemeinde 1080 Einwohner, ehrenamtliche Bürgermeisterin ist seit 1999 Gisela Schöley (parteilos). "Wir sind kein Museum, sondern ein fortschrittliches, modernes Dorf - wobei wir die Tradition pflegen", betont sie.

Nachhaltigkeit spielt bei der Entwicklung eine wichtige Rolle, speziell in Sachen erneuerbare Energien ist Neustadt Vorreiter, nicht nur im Vogtland. Photovoltaik ist inzwischen nicht nur auf vielen öffentlichen Gebäuden installiert, sondern auch auf zahlreichen Privathäusern: Das Modell habe ausgestrahlt, meint die Bürgermeisterin. Sie räumt zugleich ein, dass es in anderen Bereichen Nachholbedarf gibt: Beim sanften Tourismus sei man "noch schwach auf der Brust".

Im Zuge des Landeswettbewerbs begutachtet die Kommission in diesen Tagen 13 sächsische Dörfer. Die Siegerkommune steht am 18. Juli fest, ihr winken 5000 Euro Prämie.

 
erschienen am 20.06.2012 ( Von Bernd Appel )
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