30. Tagung der vogtländischen Mykologen Nach den Pilzexkursionen wurden die Funde untersucht: Wolfgang Dietrich, Tsuyoshi Jamada, Thomas Rödel und Ilse Scholz (von links) gehörten zu den Teilnehmern der 30. Tagung der vogtländischen Mykologen.

Foto: Silke Keller-Thoss

Pilzberater nehmen Funde unter die Lupe

Vogtländischer Mykologen tagen sich in Bergen

Bergen. Winzig klein sind sie. Und ihre Sucher ohne starke Lupe verloren. Mit Vergrößerungs- und Schreibgeräten bewaffnet, hat die Fachgruppe Vogtländischer Mykologen am Wochenende im Ex-Grenzstreifen bei Blosenberg Daten gesammelt. "Dort gibt es viele seltene Pilzarten, meist aber keine essbaren", fasst Wolfgang Stark von der Fachgruppe die Ergebnisse zusammen. Ziel der 30. Tagung mit Exkursionen und Fachvorträgen in Bergen war es, vogtländische Pilzarten zu dokumentieren.

Umfangreicher fielen die Funde im Friedrichsgrüner Moor bei Hammerbrücke aus. Ins Netz ging unter anderem ein äußerst seltener Porling. "Der ist im Vogtland erst zweimal entdeckt worden", berichtet Stark. Mit Pilzen kennt sich der Bergener aus. Seit 28 Jahren steht er Laien als Pilzberater zur Seite und berät Ärzte bei der Behandlung von Patienten, deren Beschwerden mit falschem Pilzkonsum zusammenhängen.

Auf mehr als 1000 schätzen Wolfgang Stark und seine Mitstreiterin Christine Morgner die Zahl heimischer Pilzarten - Tendenz steigend. "Zu jeder Tagung kommen zwei neue dazu", berichten die Fachleute und verweisen auf Klimaveränderungen als Ursache. Aus dem mediterranen Gebiet eingewandert ist unter anderem der Zwiebel- bovist. Doch nicht nur harmlose Arten haben im Vogtland Fuß gefasst. Vor zwei, drei Jahren begann sich ein Becherling einzunisten, der Eschentriebe zum Absterben bringt. Mittel, um dem Schädling beizukommen, müssen noch gefunden werden. "Wegen der Kürze seiner Bekanntheit liegen momentan wenige Erkenntnisse vor", erklärt Stark.

Mies fällt die bisherige Jahresbilanz bei den essbaren Hutträgern aus. "Es ist kein Wasser da, man findet nur ab und zu Flachstielige Hexenröhrlinge, Perlpilze, Schnecklinge und Ritterlinge", so Stark. Vorbei ist die Sammelzeit seinen Angaben zufolge aber noch lange nicht. Genau genommen läuft sie nie ab. "Pilze vertragen auch Kälte, wachsen im Winter aber nur an wenigen Stellen", weiß der Rentner. Austernsaitling und Samtfußrübling etwa. Giftpilze seien dagegen im Winter nicht anzutreffen.

Neben Tagungen organisiert die 1960 gegründete Fachgruppe Ausstellungen und Wanderungen. Dass sie weitere 40 Jahre Bestand haben wird, daran bestehen berechtigte Zweifel. Denn Zuwachs ist so gut wie keiner in Sicht. Stark und Morgner wissen, wieso: Die Mitarbeit ist ehrenamtlich, aufwändig, vergleichsweise teuer und an aufrichtiges Interesse gebunden, sich intensiv mit Pilzen zu beschäftigen. Auch mit den winzig kleinen.

Service

Wer mehr wissen oder mitarbeiten möchte, kann sich unter Ruf 037463/83982 melden.

 
erschienen am 05.09.2011 ( Von Sylvia Dienel )
 
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