Hochbetrieb herrscht in der Rodewischer Notaufnahme. Zusätzlich beengt sind die Verhältnisse durch den aktuellen Umbau, durch den die Arbeit hier künftig effektiver werden soll. Im Bild: Cornelia Hiller (rechts) beim Blutdruckmessen.
Foto: Silke Keller-Thoss
Platznot in der Notaufnahme
Immer mehr Patienten suchen die vogtländischen Rettungsstellen auf
Rodewisch. Die Zahlen sprechen für sich: Die Rettungsstelle des Klinikums Obergöltzsch ist 1994 für die Behandlung von 6000 Patienten jährlich ausgebaut worden - doch 2011 suchten hier 19.042 Patienten Hilfe, mehr als je zuvor. Fast jedes Jahr werden neue Rekorde aufgestellt. Von 12.000 im Jahr 2006 kletterte die Zahl der Besucher auf über 16.000 (2008) und mehr als 18.000 (2009). "Die Rettungsstelle platzt aus allen Nähten", meint Chefarzt Dr. Dietrich Steiniger, die Ursachen dafür seien vielschichtig. Insgesamt nehme die Zahl der Arztkonsultationen zu, was unter anderem mit der Überalterung zusammenhänge.
Außerdem suchten Patienten heute medizinische Hilfe bei Problemen, mit denen man vor 30 oder 40 Jahren einfach nicht zum Arzt ging: "Niemand hätte sich früher wegen einer Zecke behandeln lassen."
Auch weil sich die Wartezeiten bei den niedergelassenen Fachärzten immer weiter erhöhten, ließen sich viele Patienten lieber gleich in den Rettungsstellen helfen. Was dort natürlich ebenfalls die Wartezeiten anwachsen lässt. "Ein, zwei, drei Stunden sind möglich", so Steiniger. Allerdings würden dringende Fälle wie Schlaganfall und Herzinfarkt selbstverständlich mit absolutem Vorrang behandelt: "Es geht in der Rettungsstelle nicht nach Reihenfolge, sondern nach Dringlichkeit. Dafür sollte jeder Verständnis haben."
Einen Extra-Schub habe die Rodewischer Rettungsstelle dadurch bekommen, dass die Notfallpraxis in Auerbach seit April 2011 nicht mehr rund um die Uhr besetzt sei, erläutert der Chefarzt. Und während die Patientenzahlen ständig steigen, ist seit November vorübergehend nur die Hälfte der Räume in der Notaufnahme verfügbar: Um dem Ansturm künftig besser begegnen zu können, wird sie bei laufendem Betrieb komplett umgebaut, etliche Zimmer sind derzeit den Handwerkern vorbehalten. Im August sollen die Arbeiten beendet sein.
Steiniger erwartet einen "deutlichen Qualitätsfortschritt" durch eine "enorme Zeiteinsparung": "Die Fläche wird zwar nur ein bisschen vergrößert, aber die Arbeitsbedingungen verbessern sich deutlich." Dies wird unter anderem dadurch erreicht, dass es künftig zwei Eingänge für die Notaufnahme gibt: Einen für Patienten, die gefahren werden müssen; den anderen für die, die zu Fuß kommen. Alles könne künftig effektiver gestaltet werden, hofft der Chefarzt. Allerdings gibt es kein zusätzliches Personal. Tagsüber sollen künftig weiterhin zwei Fachärzte hier Dienst tun, nachts noch einer, dazu kommen Notärzte. "Wartezeiten wird es zu bestimmten Zeiten weiterhin geben - ich kann die Patienten nur bitten, für die Situation Verständnis zu haben."


