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Vermissten-Fall Hans-Georg Oertel: Treuener Kind vorerst weiter in Paris
Vater des Sechsjährigen hofft, dass Auslieferungsgesuch den Sohn bald heim bringt
Treuen/Plauen/Paris. Eigentlich will Kay Oertel, als Sachgebietsleiter im Vogtlandkreis tätig, sich den Medien gegenüber gar nicht mehr äußern, um den Fall seines von der Mutter nach Paris gebrachten Kindes nicht zu komplizieren. Er bestätigt jedoch, dass es am Mittwoch in Paris eine "familiengerichtliche Anhörung" gegeben hat und zeigt sich mit deren Verlauf zufrieden: "Es sieht recht gut aus, mehr kann ich nicht sagen."
In der Weihnachtszeit hatten sich die Hinweise verdichtet, dass sich Juliane R. mit Hans-Georg (6) und dessen Halbbruder Eike (14) in der französischen Hauptstadt aufhält. Nach halbjähriger Flucht wurde Juliane R. dort am 10. Januar verhaftet, seit Oktober war die Mutter mit internationalem Haftbefehl wegen Kindesentziehung gesucht worden. Nach wie vor sind beide Söhne in Paris in Betreuungseinrichtungen untergebracht, nach wie vor befindet sich Juliane R. im Nachbarland.
Auf das Auslieferungsgesuch der Staatsanwaltschaft Plauen hätten die Franzosen bisher nicht reagiert, erklärte deren Sprecher Jürgen Pfeiffer jetzt. Dies sei jedoch nicht ungewöhnlich: "Das kann sich auch in Deutschland hinziehen, wenn ein anderer Staat bei uns eine Auslieferung beantragt. Bei uns muss dann die Generalstaatsanwaltschaft darüber befinden."
Falls die französischen Behörden dem Gesuch der Vogtländer entsprechen, würde Juliane R. in Auslieferungshaft genommen, zu einem Grenzübergang gebracht und dort den deutschen Behörden übergeben. Anschließend müsste ein Richter darüber entscheiden, ob sie bis zu einem möglichen Prozess in Haft genommen wird. Die Entziehung Minderjähriger kann in Deutschland mit bis zu fünf Jahren Haft geahndet werden; falls das Kind dabei in erhebliche Gefahr gebracht wird, sind sogar bis zu zehn Jahre möglich.
Die Eltern Hans-Georgs hatten sich zunächst das Sorgerecht für den Jungen geteilt, bis die 35-jährige Mutter mit ihm und seinem Halbbruder am 1. August untertauchte. Inzwischen hat der Vater vorläufig das alleinige Sorgerecht für den Sechsjährigen. Kay Oertel hatte sich bei der Suche nach seinem Sohn an die Öffentlichkeit gewandt, der Fall wurde auch bei "Aktenzeichen XY" im ZDF dokumentiert.


