Vermisstes Trio in Paris aufgetaucht

Treuen-München-Paris: Flucht einer Mutter mit ihren Söhnen ist beendet

Treuen/Paris. Der seit dem 1. August 2011 vermisste sechsjährige Hans-Georg Oertel aus Treuen ist überraschend in Paris aufgetaucht. Die französische Polizei hat am Dienstag Juliane R., die seit Oktober mit internationalem Haftbefehl gesuchte Mutter des Jungen, vorläufig festgenommen. Während die 35-Jährige mit dem Vorwurf der Kindesentziehung konfrontiert ist, wurden Hans-Georg und sein 14-jähriger Halbbruder Eike vorläufig in Pariser Betreuungseinrichtungen untergebracht, wie Polizeisprecher Oliver Wurdak am Mittwoch erklärte.

Nun müsse abgewartet werden, wie die französische Justiz die Umstände um das untergetauchte Trio bewertet. In Paris wird entschieden, ob Juliane R. an Deutschland ausgeliefert wird und mit beiden Kindern ins Vogtland zurückkehren muss.

Maßgeblichen Anteil am Erfolg der Suchaktion hat Hans-Georgs Vater Kay Oertel, als Sachgebietsleiter der Forstbehörde im Landratsamt tätig. Am 1. August hat er eine Vermisstenanzeige aufgegeben und seither alle Hebel in Bewegung gesetzt, um seinen Sohn zu finden. Kay Oertel setzte eine Belohnung von 5000 Euro aus und wandte sich über die Medien an die Öffentlichkeit. Und das zeigte Wirkung: Bereits während der ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY" am 2. November ging ein erster Hinweis ein: Juliane R. hatte ihren schwarzen Fiat Panda in München abgestellt. Auch Anzeichen für einen Aufenthalt in Frankreich, Großbritannien oder Holland gab es. Doch die Ermittler kamen bei der Suche nach dem sechsjährigen Jungen zunächst nicht weiter.

Der entscheidende Hinweis kam dann allerdings von Juliane R. selbst. Die junge Frau schrieb Briefe ins Vogtland, unter anderem an eine Schule. Sie habe dabei kein Geheimnis um ihre Wohnadresse gemacht, sagte am Mittwoch Thomas Walther, Sprecher der Staatsanwaltschaft in Plauen. Zudem gab eine in Südfrankreich lebende Bekannte der untergetauchten Treuenerin der französischen Polizei einen Tipp.

Wie geht's nun weiter? "Der Auslieferungsantrag ist schon gestellt", erklärte Thomas Walther. Binnen sechs Tagen müssen die Unterlagen zu dem Fall an die Pariser Justizbehörden geschickt werden, die über den Fortgang zu entscheiden haben. Wird Juliane H. nach Deutschland ausgeliefert, dann sind automatisch ihre Kinder dabei. Das Amtsgericht Auerbach hat das alleinige Sorgerecht für den sechsjährigen Hans-Georg vorläufig an den Vater übertragen - eine endgültige Entscheidung steht noch aus. Anders liegt der Fall beim 14-jährigen Eike. Das Sorgerecht hat bislang allein Juliane R. Bei Kindesentziehung drohen mehrjährige Haftstrafen.

 
erschienen am 11.01.2012 ( Von Ulrich Riedel )
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