Wohnblock Nicht zum ersten Mal wurden im vergangenen Sommer im Neubaugebiet Auerbach Nistkästen für Mauersegler angebracht. Im Bild Michael Thoß vom Umweltzentrum Vogtland bei der Montage auf dem Dach eines Wohnblocks im Vogtlandblick.

Foto: Joachim Thoss/Archiv

Vogelarten verlassen Vogtland

Ornithologen empfehlen dringend, natürliche Lebensräume zu erhalten

Oberlauterbach. Vogelschutz beginnt nicht am Futterhäuschen oder beim Nistkastenbau. Sondern bei der Information, sagt Karl Heinz Meyer. "Man kann nur schützen, was man kennt", begründet der in der Fachgruppe Ornithologie und Vogelschutz Auerbach im Verein Sächsischer Ornithologen organisierte Schönauer seine Position. Auf Unterstützung angewiesen sind heimische Vögel in jeder Hinsicht. "Sie werden immer weniger, und es sterben Arten aus", so Meyer. "Das Dringlichste ist deshalb der Erhalt von Lebensraum für Vögel. Zu Hause kann jeder etwas dafür tun."

Beispielsweise mit einer Blumenwiese im Garten: Pfaffenhütchen seien eine Delikatesse für Rotkehlchen, Brennnesseln für Gimpel interessant, sagt der Fachmann. Mit den Blumen kommen Insekten, die dienen wiederum als Nahrungsgrundlage. Denn um die Insektenwelt ist es dem Ornithologen zufolge wegen des Trends zur Intensivlandwirtschaft ebenfalls schlecht bestellt.

Beim Herbstputz empfiehlt Meyer, es mit der Reinlichkeit weniger genau zu nehmen. Beispielsweise bei mehrere Tage sich selbst überlassene und dann angezündeten Laubhaufen. "Dort gehen zum Teil auch Igel rein. Die Haufen sollten liegen bleiben." Wer weder Laub noch eigene Grünflächen anbieten kann, muss nicht zwangsläufig auf Tierschutz verzichten: Meyer weist auf die Möglichkeit hin, sich an Mauerseglerzählungen für Kartierungen zu beteiligen. Sie kommen dem Brutstättenerhalt zugute. "Wenn ein Gebäude mit einer Brutstätte weggerissen werden soll, besteht die Pflicht, für Ersatz zu sorgen", erklärt er. Wohnungslos gewordene Mauersegler, Meisen, Stare und andere Höhlenbrüter nehmen Nistkästen gerne an. "Außer bei Mauerseglern müssen sie im Herbst ausgeräumt werden, weil die Vögel immer wieder neue Nester bauen", legt Meyer nahe. Am Einflugloch einen Stab anzubringen, davon rät er dringend ab. "Das ist ein Landeplatz für Elstern."

Sanierungen, Industriebrachen-Abriss, ausgehebelte Baumschutzsatzungen, Monokulturen, Tot- und Altholzabtransport - vieles beobachtet Karl Heinz Meyer mit Sorge. Auch den Radwegbau auf ehemaligen Bahndämmen. Die Ränder der lange Zeit stillgelegten Trassen besiedeln Goldammer und Fitis, eine europäische Singvogelart. "Doch mit dem Bauarbeiten und der intensiven Nutzung durch Radler ist es mit der Ungestörtheit vorbei"

Da Wildvögel mit rückläufigem Nahrungsangebot zu kämpfen haben, befürworten einige Vogelkundler inzwischen eine ganzjährige Fütterung. Auch hier gilt es laut Meyer einiges zu beachten: Essensreste seien wegen ihres Salz- und Gewürzgehalts ungeeignet. "Das kann für Vögel tödlich sein." Außerdem müsse die Futterstelle durchgängig bestückt werden. Meyers Tipp: "Sträucher pflanzen, die Beeren und Früchte über den Winter behalten."

 
erschienen am 26.01.2012 ( Von Sylvia Dienel )
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
Kommentare
1
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  • 22.02.2012
    20:13 Uhr

    Nixe: Ein sehr interessanter Artikel. Ja, unsere Gärten sind bald keine wirklichen Gärten mehr, sondern leergefegte Korridore. So wie uns das immer schön von der Baumarkt-Werbung suggeriert wird!!: "Ja, jetzt haben wir noch bessere Rasenmäher, die mähen noch 3 mm kürzer!" Kurzer Rasen, kein Laub, keine einheimischen Wildblumen und Sträucher, dafür exotische Pflanzen oder genetisch großgezüchtete Blumenköpfe - da fühlt sich nichts mehr wohl, außer vielleicht wir Menschen, aber auch nicht alle.
    Ein bisschen wilde Gärten bzw. ein bisschen Natur sind viel schöner!!!

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