Michael Amm wohnt in Bamberg. An der Uni Regensburg lernte er seine finnische Freundin Noora kennen und knüpfte so Kontakte in den Norden. Für einen Imker verkauft der 31-Jährige hin und wieder Finnen-Honig.
Foto: Ellen Liebner
Abenteuer-Tour eines Honig-Händlers endet in Plauen
Michael Amm kam per Transporter aus Finnland zum Europäischen Bauernmarkt
Plauen. Um von Finnland nach Deutschland zu kommen, könnte man sich einfach in Helsinki in eine Fähre setzen und 26 Stunden die Beine hochlegen. Doch Michael Amm findet so etwas viel zu langweilig. Der 31-Jährige, der ab Samstag für einen finnischen Imker Honig auf dem Europäischen Bauernmarkt in Plauen verkauft, ist mit einem Transporter durch halb Europa gefahren, um ins Vogtland zu kommen. Eine abenteuerliche Reise mit bezaubernden Erlebnissen: Amm durchquerte das tief verschneite Finnland von Ost nach West, er passierte mit der Fähre 20.000 kleine Ostsee-Inseln, tourte durch Schweden, um die gigantische Öresundbrücke Richtung Dänemark überfahren zu können und landete schließlich nach knapp 2000 Kilometern und vier Tagen Fahrt am Freitag in Plauen. "Ich gebe zu, ich bin müde", sagte Amm schmunzelnd - auf der Reise hatte er sich nur kurze Schlafpausen gegönnt.
An Ausruhen war am Freitag allerdings nicht zu denken. Der Bamberger musste den Stand aufbauen - seine finnische Freundin Noora ist hochschwanger und kann beim Bauernmarkt diesmal nicht dabei sein. Noora ist auch der Grund, warum Michael Amm Kontakte in den hohen Norden geknüpft hat: Sie stammt aus Finnland und war einst Praktikantin bei dem Imker, für den Amm inzwischen hin und wieder arbeitet. Das Paar lernte sich an der Uni in Regensburg kennen, denn eigentlich ist der 31-jährige Michael noch Student: Er will Lehrer für Bio und Chemie werden. Im Sommer steht das Examen an. "Die Fächer passen sehr gut, so kann ich den Kunden auch viel über das Leben der Bienen erzählen."
Die Bienen in Finnland haben es nicht leicht. Der Sommer ist kurz und intensiv. Heidelbeeren zum Beispiel blühen nur eine Woche. "Wenn es in dieser einen Woche regnet, gibt es eine Saison lang keinen Heidelbeer-Honig", sagt Amm.
So sehen die finnischen Bienenstöcke im Winter aus.
Foto: Michael Amm
Dafür können die Finnen mit vielen anderen ungewöhnlichen Sorten aufwarten: mit Moltebeerhonig zum Beispiel. Die Frucht sieht ein bisschen aus wie eine Himbeere, ist selten, der Honig deshalb nicht gerade billig. Es gibt indes auch Fichtenhonig, Taigahonig aus der Polarkreisregion oder Butterblumenhonig. Im Winter müssen die Bienenstöcke besonders geschützt werden - die Kälte würde ihnen den Rest geben. Diese Kälte jedoch sorgt auch dafür, dass die Luft im Norden sehr, sehr klar ist.
Während die Vogtländer seit Tagen auf Sonnenschein warten, hat Michael Amm Unglaubliches gesehen: "Die Sonnenuntergänge ziehen sich ewig hin. Rosa, orange, lila, alle Farben sind vertreten. Ich stand gebannt auf der Fähre und habe die Kälte gar nicht mehr gemerkt." Auch die Öresundbrücke habe ihn sehr beeindruckt - anhalten, um Fotos zu machen, durfte er allerdings nicht: "Das ist streng verboten."
Wenn Michael Amm das nächste Mal Honig von Finnland nach Deutschland holt, will er vielleicht die Route durch Estland, Lettland und Litauen nehmen. Dafür muss er sich allerdings eine Begleitung suchen: "Allein wäre es zu gefährlich."

