Am Mittwochnachmittag in der Reichenbacher Paracelsus-Klinik. Chefarzt Ulf Parulewski erläuterte anhand eines Films einen Eingriff mit dem Endoskop. Der "Tag der Gymnasien Medizin" ist seit zehn Jahren ein Baustein, mit dem das Vogtland um Mediziner von morgen wirbt.
Foto: Franko Martin
Ärztekonzept ebnet Berufswege im Vogtlandkreis
Seit zehn Jahren wirbt der Kreis mit wachsendem Erfolg um die Mediziner von morgen
Reichenbach. Das vor zehn Jahren per Kreistagsbeschluss in Reichenbach mit einem ganzen Maßnahme-Katalog auf den Weg gebrachte "Ärztekonzept des Vogtlandkreises" entwickelt sich langsam zu einem Erfolgsmodell. Wie Anneliese Ring, 2. Beigeordnete des Landrats, Mittwoch aus Anlass des "Tags der Gymnasien Medizin" an der Reichenbacher Paracelsus-Klinik sagte, gibt es in der Region etwa eine Reihe von Assistenzärzten, deren beruflicher Werdegang sich eng an die seinerzeit angeschobenen Werbe-Aktionen anlehnt. "Das reicht von Tagen der offenen Tür, dem Tag der Gymnasien über bezahlte Praktika bis hin zu Stipendien, die unter der Bedingung gewährt werden, im Anschluss des Studiums für eine bestimmte Zeit hier zu arbeiten", sagte Ring. So gebe es am Klinikum Obergöltzsch derzeit mehrere auf diese Weise gebundene Assistenzärzte.
Generell könne das Landkreis-Konzept jedoch "lediglich mithelfen", die ärztliche Versorgung im Vogtland in Zukunft zu sichern. Diesbezüglich sei man jedoch auch auf strukturpolitischem Feld ein gutes Stück vorangekommen. "Bis jetzt war nämlich nicht geregelt, welcher Arzt sich an welcher Stelle des Planungsbereichs im Vogtland ansiedeln darf. Deshalb ist eine Konzentration beispielsweise eher in Plauen zu verzeichnen. Wir haben immer gesagt, so geht das nicht." Offenbar mit Erfolg. Seit Jahresbeginn gilt in der Planung ein bis zur Jahresmitte von der Kassenärztlichen Vereinigung umzusetzendes Regionalprinzip. "Dann sollte es einen Zuschnitt geben, der etwa den Altkreisterritorien entsprechen könnte", sagte Anneliese Ring.
Aktuell, das wurde am Mittwoch auch den knapp 30 Gymnasiasten aus dem gesamten Vogtland und angrenzenden Regionen vermittelt, gelte das Vogtland nach wie vor "in fast allen Fachbereichen als überversorgt", was sich in Zulassungsbeschränkungen ausdrücke. Ausnahmen gebe es auf Grundlage eines seit 2011 in der Ermittlung des Ärztebedarfs zu Grunde gelegten Demografie-Faktors aber bei Augenärzten mit zwei und bei Hausärzten mit 25 freien Arztsitzen. Ohne den Faktor, der dem Kreis als einem mit der ältesten Bevölkerung in Sachsen zugutekommt, würde das Vogtland generell als überversorgt gelten.
Die seit 2000 im Vergleich zu heute konstant gebliebene Gesamtärztezahl von 831 Medizinern machte Anneliese Ring auch an einem anderen Phänomen fest: "Wir dachten damals, dass innerhalb von zehn Jahren mehr Praxen schließen würden. Das war nicht der Fall, da heute noch viele Ärzte selbst im höheren Rentenalter praktizieren. Sonst läge die Gesamtärztezahl vielleicht bei 75 Prozent."
Mit Praktika und Stipendien gegen den Ärztemangel
Das Vogtland weist bei einer seit 2000 konstant gebliebenen Gesamtärztezahl von 831 derzeit keine Unterversorgung mit Ärzten aus. Bedarf gibt es lediglich bei Hausärzten und Augenärzten. Das "Ärztekonzept Vogtlandkreis", vor zehn Jahren in Sachsen als eines der ersten derartigen Instrumente gegen den Ärztemangel entwickelt, geht das Problem vielfältig an. So sind etwa bezahlte Praktika in allen Krankenhäusern mittlerweile die Regel, und für Studenten gibt es für einen bestimmten Zeitraum an das jeweilige Haus bindende Stipendien. Auch auf Jobbörsen ist man aktiv. "Tage der Gymnasien Medizin" sprechen zudem jedes Jahr etwa 35 Schüler an, die wie am Mittwoch an der Reichenbacher Klinik einen ersten Einblick in ihr vielleicht künftiges Berufsfeld erhalten. (gem)

