So bunt blüht es in den Plauener Schrebergärten. Die Hobby-Gärtner haben einen Teil ihrer Ernte am Wochenende in der Ostvorstadt ausgestellt und verkauft. Helga Schettler vom Regionalverband zeigt, was der Gartenverein Seehaus zu bieten hat.
Foto: Harald Sulski
Der Preis für den Fleiß: Gärtner zeigen, was sie haben
Für seinen Schrebergarten zahlt der Vogtländer zwischen 120 und 150 Euro im Jahr
Plauen . Wenn an den Wegweisern Namen wie "Nelkenweg" und "Asterweg" stehen, läuft man in der Regel durch eine Kleingartensparte. Allein in Plauen und dem Umland tun das mehr als 6000 Familien regelmäßig - darunter viele ältere Pärchen, für die der Weg in den Garten so selbstverständlich ist wie der Weg zum Bäcker samstagmorgens.
In der "Schneehütte", dem Vereinsheim in der Ostvorstadt, haben sie am Wochenende einen Teil ihrer Ernte ausgestellt und verkauft. Den Erlös - 700 Euro - spendeten sie zugunsten krebskranker Kinder der Uniklinik Jena. Was am Sonntagabend noch auf den Tischen des Vereinsheims lag, holte die Plauener Tafel ab. Das heißt: Diese Woche gibt's für sozial Schwache viel Obst und Gemüse an den Tafel-Ausgabestellen.
Aller zwei Jahre machen die Hobby-Gärtner ihre Leistungsschau, um auf sich aufmerksam zu machen. Dahinter steht der Regionalverband Vogtländischer Kleingärtner, der die ostdeutsche Tradition vor acht Jahren wiederbelebt hat.
In diesen Wochen laufen in den Parzellen zwei Dinge gleichzeitig: Die Laubenpieper packen ihre Bettdecken weg und tauen den Kühlschrank ab, während draußen die Ernte wartet - Kürbisse, Kohlrabis, Tomaten, Blumen. Und Äpfel, die man am Pulli abwischt und hineinbeißt. "Das ist hundert Prozent Bio-Kost", sagt Helga Schettler, Geschäftsführerin des Regionalverbandes, und: "Die Städte können froh sein, dass sie uns haben." Dafür nennt sie zwei Gründe. So pflegen die Kleingärtner unter anderem kommunale Grundstücke, um die sich die Verwaltung sonst selbst kümmern müsste. Damit nehme die Stadt jährlich 110.000 Euro Pacht ein. Die Kleingärtner säen zudem, was sie mögen. Das garantiert Artenvielfalt.
Helga Schettler hofft, dass das Modell Schrebergarten in der Generation 35 plus wieder mehr in Mode kommt. "Die fehlen uns", sagt sie. Zunehmend stehen in der Region Gärten leer. Allein in der Kleingartenanlage Ostvorstadt an der Stöckigter Straße, in der die Leistungsschau stattfand, seien es um die 15. Insgesamt standen vergangenes Jahr 100 Gärten im Verband leer - Tendenz steigend. Die Älteren schafften es nicht mehr, ihre Beete zu bewirtschaften, die Jüngeren bevorzugten Grillen und Sonnenbäder.
Für die Parzellen gelten Regeln: Die Laube darf nicht zu groß sein, und ein Drittel des Gartens sollten bewirtschaftet werden. Darauf achtet nicht nur der Vereinsvorstand, sondern auch das Landratsamt. Aller fünf Jahre läuft eine Mitarbeitern über Nelkenweg und Asterweg, schaut über die Gartenzäune und schätzt ab, ob in der Sparte genügend Nutzpflanzen wachsen. Nur so verdient sich ein Verein seine "kleingärtnerische Gemeinnützigkeit", die ihm eine billige Pacht garantiert. Andernfalls gelte eine andere Verordnung und die Pacht erhöhe sich bis aufs Zehnfache. "Das hat es in Dresden schon gegeben", sagt Helga Schettler. Doch die Vogtländer seien gewissenhaft.

