Klinik in Adorf: Kürzere Wege für Patienten
Krankenhaus erweitert medizinisches Angebot um das Fachgebiet Neurochirurgie
Im Krankenhaus Adorf wird durch zwei Ärzte aus Zwickau das Fachgebiet Neurochirurgie angeboten. Das wurde am gleichen Tag bekannt wie Hinweise auf einen Personal-Abbau.
Adorf. Die Paracelsus-Klinikgruppe baut ihr medizinisches Angebot am Adorfer Krankenhaus aus und will so die Wege für Patienten aus dem oberen Vogtland deutlich verkürzen. Seit dieser Woche halten Prof. Dr. Jan-Peter Warnke, Chefarzt der Klinik für Neurochirurgie an der Zwickauer Paracelsus-Klinik, sowie Fachärztin Kathleen Jetschke jede Woche Sprechstunden in Adorf ab. Termine dafür gibt es nur nach Voranmeldung in Absprache mit den Neurologen der Region. In Adorf bilden beide Mediziner ein Team mit dem Leitenden Chefarzt des Hauses Dr. Mario Dietzel und Dr. Sabine Brunner, Fachärztin für Orthopädie.
Die Neurochirurgie fällt als seltenes, hoch spezialisiertes Fach für die Erkrankungen der Wirbelsäule sowohl in die Bereiche Orthopädie als auch Chirurgie. Das Angebot ist ein weiterer Mosaikstein im Medizinischen Versorgungszentrum Adorf und fügt sich ein in das Netzwerk mit Schmerztherapie und dem Mitte 2011 vom Plauener Helios-Klinikum nach Adorf gewechselten Neurologen Dr. Ronald Hartmann und seinen Mitarbeitern. "Es ist wieder etwas geschaffen für die wohnortnahe Versorgung der Patienten", sagte Peter Zeidler, Regionaldirektor der Paracelsus-Kliniken in Sachsen.
Bessere Möglichkeiten in Adorf
Dr. Mario Dietzel freut sich über die Zusammenarbeit mit den Kollegen aus Zwickau. Zwar seien an der vogtländischen Klinik schon bisher in geringerem Maße Patienten mit Verletzungen der Wirbelsäule behandelt worden. Dies betraf aber nur die, bei denen nicht Nerven betroffen waren. Diese Patienten und ihre Angehörige mussten bisher immer nach Plauen oder Zwickau, gerade für ältere Menschen beschwerlich. Das soll sich mit den Zwickauer Kollegen ändern. Warnke hat viele Jahre die Klinik in der Muldestadt aufgebaut. Der 52-jährige Vater von vier Kindern stammt aus Dresden und kann auf gut 5000 Operationen auf dem Gebiet Neurochirurgie verweisen. Kathleen Jetschke wuchs in Greiz auf, ist 39 Jahre alt und war bis 2011 fast ein Jahrzehnt Assistenzärztin an einer Fachklinik in Bochum.
Die Vorstellungen Warnkes und Jetschkes für ihre Arbeit im Vogtland - zusätzlich zur im vollen Umfang in Zwickau weiterlaufenden Tätigkeit - sind klar. "OP-Vermeidung ist die oberste Prämisse. Wir wollen Ansprechpartner für die Patienten sein, für die das Fach eine optimale Hilfestellung sein kann", sagte Warnke. Nicht jeder, der Schmerzen im Kreuz hat, ist beim Neurochirurgen richtig. "Es kann nicht jeder kommen, der gerne möchte. Das ist inhaltlich sinnlos", umriss der in Fraureuth lebende Mediziner seinen Ansatz. Warnke rechnet mit etwa 50 ambulanten Patienten pro Woche, dazu mit vier bis fünf zu Operierenden. Für die Etablierung des neuen Fachgebiets in Adorf wurden laut Zeidler etwa 180.000 Euro investiert.
Paracelsus verkauft Klinik
Auch am Dienstag gab es Hinweise auf Veränderungen beim Personal an den Kliniken Adorf und Schöneck. Zeidler sagte indes am Montag mit Hinweis auf einen neuen Verwaltungsdirektor ab April: "Alles wird gut". Paracelsus hat dementiert, sich von Adorf/Schöneck trennen zu wollen. Dagegen verkauft die Gruppe ihr Haus in Henstedt-Ulzburg bei Hamburg. "Wir haben Verantwortung für rund 5000 Beschäftigte. Das Unternehmen ist seit mehr als 43 Jahren in Familienbesitz und soll zukunftsfähig bleiben. Hinter dem Verkauf stehen deshalb vor allem unternehmerische und strategische Überlegungen", so Alfred Felscher, Sprecher der Geschäftsführung.


