Geschäft Alles, was von der Weinhandlung Seeling am Altmarkt übrig geblieben ist, ist ein Aufkleber an der Schaufensterscheibe. Jetzt werden neue Mieter für die Ladenfläche gesucht.

Foto: Ellen Liebner

Kunden kaufen woanders ein: In der Plauener Altstadt sterben die Läden

Innerhalb weniger Wochen schließt im Herzen Plauens fast ein halbes Dutzend Geschäfte

Plauen. Ende März ist Schluss. Ende März will Jeannette Trommer alle Kisten gepackt haben und Plauen den Rücken kehren. Nach zwei Jahrzehnten schließt sie ihre Buchhandlung an der Marktstraße. "Neun Stunden im Laden zu stehen, das lohnt sich einfach nicht mehr", sagt die 52-Jährige. Die Kunden kaufen lieber im Internet.

Im Vorjahr hatte es viele gute Nachrichten in der Altstadt gegeben: Ein modernes Kaffeehaus wurde eröffnet, zudem ein Delikatessenladen und ein Schuhshop. Diese Geschäfte laufen, doch Buchhändlerin Jeannette Trommer muss einen Schlussstrich ziehen. Sie ist nicht die einzige: Die Weinhandlung Seeling am Altmarkt wurde kürzlich geschlossen, das Spielzeuggeschäft ein paar Meter weiter auch, das Weinlager an der Straßberger Straße hat zu und auch der Biomarkt an der Melanchthonstraße steht vor dem Aus - am 27. März öffnet Steffen Kober ein letztes Mal sein Geschäft.

Seit 1999 ist er selbstständig, verkauft Bio-Käse, Bio-Backwaren, Bio-Gemüse. Zuletzt brachen ihm die Kunden weg. "Es kam nicht plötzlich, sondern schleichend. Junge Familien, die gut verdienen, werden immer weniger in Plauen. Viele haben sich verabschiedet, bevor sie gingen", sagt der Unternehmer.

Kober hat beobachtet: Die jungen Familien - sie ziehen in die größeren Städte. Nach Chemnitz, Jena, Leipzig oder Dresden. Dort brummen die Biomärkte. "Plauen blutet aus. Gut bezahlte Jobs für junge Leute gibt es kaum. Zuletzt hat auch noch die Plamag zugemacht", sagt er. Viele, die dennoch dableiben wollen, pendeln. "Aber wer in Hof arbeitet, der kauft auch dort ein. Ehe die abends in Plauen sind, haben alle Geschäfte hier zur." Kobers Geschäft schließt nun dauerhaft.

Einige Regale sind bereits leer, die restlichen Waren, so hofft er, gehen bis Ende März noch über den Ladentisch. "Ich versuche, das jetzt ordentlich zu Ende zu bringen." Kober hegt keinen Groll, er ist weder wütend noch traurig. Und doch macht ihm die Schließung zu schaffen. "15 Jahre war ich selbstständig. Der Laden war wie mein Baby, das ich jetzt verliere", sagt er. Wie es ab April weiter geht, weiß er nicht.

Buchhändlerin Jeannette Trommer hat indes ein klares Ziel vor Augen: Nach der Schließung in Plauen will sie neu durchstarten. Sie packt ihre Bücher, ihre Möbel und zieht nach Marienberg. Dort will sie ein Lager einrichten und ihre antiquarischen Schätze künftig übers Internet verkaufen. Mehr als 20.000 Bücher bietet sie bereits jetzt im Netz an - "einen Laden brauche ich dazu nicht mehr", sagt die 52-Jährige.

Zweimal in der Woche will sie ihr Lager noch öffnen und so den persönlichen Kontakt zu den Kunden halten. "Ich freue mich auf das Neue, ich möchte Lesungen organisieren, mehr Freizeit genießen, wieder mehr leben. Ich zähle die Tage", so Trommer. Vermissen wird sie ihre Freunde, die sie in Plauen kennen gelernt hat. Ihr Geschäft nicht.

 
erschienen am 13.03.2013 ( Von Nancy Dietrich )
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
Kommentare
7
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  • 16.03.2013
    13:43 Uhr

    mias: @SakuraKitty: Sie beschreiben das ganze Dilemma genau richtig. Gewerbegebiete außerhalb der Städte und Einkaufscenter an den Stadträndern. Genau diese Mischung lässt landesweit die Innenstädte sterben, aber es gehören immer zwei dazu. Die, die das Angebot machen und die, welche diese Bequemlichkeit annehmen.
    Man muss beim kleinen Einzelhändler kaufen wollen und sich die Zeit dafür nehmen. Die Pachten, welche in solchen Einkaufsmärkten verlangt werden (bis zu 10.000 Euro, für 40 qm) sind einfach nicht für kleine Händler, sondern für große Ketten gemacht. Würde der Kleine diese Pachten auf den Kunden umlegen, würde das Stck. Biobutter 5 Euro kosten und da hört schließlich bei jedem das Verständnis auf. Ich kann nur für mich sprechen, wenn ich sage, dass es mich viel Freizeit und manchmal auch Nerven kostet, Backwaren beim Bäcker, Fleisch beim Fleischer, Gemüse beim Händler und Drogerieartikel in der kleinen Drogerie zu kaufen. Letzendlich ist es eine Lebenseinstellung, welche zumindest mich, meine Familie und die kleinen Händler glücklich macht. Nur das zählt.
    Im übrigen kann man mit den kleinen Händlern sprechen. Der Besitzer des Biomarktes hätte jederzeit für Sie nochmal aufgesperrt und Ihnen Ihre Einkäufe gegeben. Das Licht brannte sicher weil er noch Buchhaltung, Bestellungen und ABrechnungen machen musste, wie jeder Kleine. Es hätte Sie nur eine Frage gekostet. Die Kundenfreundlichkeit hätte vielleicht sogar so weit gereicht, dass er Ihnen die Tüte schnell zu Hause vorbeigebracht hätte, auf seinem Nachhauseweg. So arbeiten die kleinen nämlich. Doch am Anfang steht die Kundenanfrage, da ein dauerhafter Lieferdienst in Plauen nicht rentabel ist. Doch für Stammkunden tut man das, glauben Sie mir. Mir hat noch kein Händler einen Gefallen abgeschlagen.

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  • 16.03.2013
    12:55 Uhr

    SakuraKitty: Es trifft nicht für jeden zu, dass wer in Hof arbeitet, auch dort einkauft. Nach einem langen Arbeitstag vom Gewerbegebiet aus noch in die Stadt zu fahren (und dort ewig einen Parkplatz zu suchen), dazu hab ich keine Lust, da bin ich froh, schnell nach Hause zu kommen und kaufe in den Geschäften ein die auf der Strecke liegen.

    Der Vorteil von Einkaufscentern und -Märkten ist nun mal, dass man alles was man braucht an Ort und Stelle hat und Zeit spart, und nicht nach langen Wegen vor verschlossenen Türen steht.

    Im Plauener Biomarkt hätte ich sehr gern öfter eingekauft, doch leider waren die Öffnungszeiten nicht sehr kundenfreundlich. Wenn ich abends in Plauen angekommen bin war leider schon zu, obwohl noch lange Licht drin brannte.
    Es wäre schön wenn es so einen Biomarkt in der Stadtgalerie, den Kolonnaden oder im Plauenpark gäbe, da wäre auch mehr Laufkundschaft - und Öffnungszeiten die auch der arbeitenden Bevölkerung zugute kommen.

    Andererseits ärgere ich mich über viele überflüssige Läden wie z.B. das was jetzt im ehemaligen Gondrom drin ist, oder besonders den Handyladen in den Kolonnaden - eine riesige Verkaufsfläche - wofür???

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  • 15.03.2013
    11:45 Uhr

    dercityhopper: dank an die unterstützer/initiatoren der stadtgallerie.

    diese entwicklung war vorsehbar! hätte man den tunnel so gelassen wie er früher war...mit brunnen, grünflächen usw...

    nun konzentrieren sich die läden dort, und die plauener innenstadt stirbt! leider!

    0 1
     
  • 14.03.2013
    20:43 Uhr

    aussaugerges: F1234:"Wenn wir Niedriglohn sind dann geht es Bergauf"(1991) CDU/FDP/Schöder

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  • 14.03.2013
    20:24 Uhr

    saftpresse: Das "Sterben" setzt sich nur konsequent weiter fort. Es ist Produkt einer verfehlten Wirtschafts- und Sozialpolitik in Stadt, Kreis und Land. Eine Region die mit Billiglöhnen umworben wird strahlt wohl eher einen morbiden Charme aus, als dass es potentielle Investoren anlockt die gut ausgebildetes Fachpersonal erwarten. Diese Politik hat hier noch keinen nennenswerten Arbeitsplatz retten können. Sie hat aber sicher dazu beigetragen, dass die Kaufkraft sinkt und damit Arbeitsplätze im Handel und Dienstleistungssektor weg brechen. Das Geld was hier nicht verdient wird kann hier auch nicht ausgegeben werden. Das Leichentuch senkt sich langsam aber stetig über diese Stadt.

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