Seit fast 200 Jahre steht die Roteiche an der Kirche in Marieney. Nun soll sie auf Beschluss des Kirchenvorstandes gefällt werden. Anwohnerin Christine Wilke und ihrer Enkelin Theres wehren sich dagegen.
Foto: Harald Sulski
Kirche in Marieney will 200 Jahre alte Luther-Eiche fällen
Baum verursacht Schäden am Bauwerk
Marieney. Zum Ortsbild von Marieney gehört die Eiche an der Kirche seit fast 200 Jahren genauso wie das Kirche selbst oder das Herrenhaus des Rittergutes. Das könnte bald vorbei sein: Es gibt einen Beschluss des Kirchenvorstands Marieney-Wohlbach, dass der 1817 gepflanzte Baum gefällt werden soll. Grund: Er beschädigt die Kirche, sowohl Mauerwerk als auch Dach.
Diese Aussage findet Anwohnerin Christine Wilke empörend - sie will den Baum unbedingt erhalten. Für sie gibt es keinen Grund, dass die Eiche weichen soll. Sie bezweifelt, dass der Baum Schäden verursacht. Experten hätten ihr zudem bestätigt, dass der Baum gesund sei, ein fachmännischer Schnitt nötig sei. In Marieney, aber auch in anderen Orten hat Christine Wilke Unterschriften gegen die Baumfällung gesammelt, sich dazu auch an die Untere Naturschutzbehörde gewandt.
Mit dem Adorfer Pfarrer Dieter Grahl beharkt sich die Marieneyerin schon länger wegen der geplanten Fällung der Eiche. Auf Christine Wilkes Intervention habe die Kirchgemeinde dem Baum "noch ein Jahr lang Gnadenfrist gegeben" und zwei Baum-Experten angesprochen. "Beide haben unabhängig voneinander gesagt: Es ist gut, wenn der Baum wegkommt. Die Alternative wäre das Wegschneiden von Ästen und eine Vernarbung, die den Baum gefährdet", sagt der Geistliche. Zudem habe der Kirchenvorstand unabhängig von seiner Person die Fällung beschlossen, betont Grahl. Die Eiche stehen nun mal sehr nahe an der Kirche, Wurzeln und Äste würden Bauwerk und Dach zusetzen. Wenn es zur Fällung kommt, so ist die zum jetzigen Zeitpunkt nur noch bis Ende Februar möglich. Ob das klappt, ist derzeit unklar, da für die Fällung der Eiche sowie eines weiteren Baumes in der Nähe die Stromversorgung unterbrochen werden muss.
Der Regionalverband Elstertal des Naturschutzbundes (Nabu) ist strikt gegen das Fällen der Eiche. "Es gibt überhaupt keinen erkennbaren Grund. Da fehlt uns das Verständnis", sagt Vorsitzender Hellmut Naderer. Der Nabu würde sich an Erhalt und Pflege des Baumes beteiligen, sagte Naderer Christine Wilke zu. Der Naturschützer verweist darauf, dass aus Unterlagen hervorgehe, dass der Baum eine Luther-Eiche sei, gepflanzt zur 300. Wiederkehr des Thesenanschlags des Reformators im Jahr 1517. Die Neue Sächsische Kirchengalerie von 1913 erwähnt den Baum. Der damalige Pfarrer bittet laut Kirchenbuch "seine Herren Nachfolger, diese Eiche soviel wie möglich zu schonen".
Pfarrer Grahl dazu: "Und wenn's eine Luther-Eiche ist: Was nutzt uns der Luther, wenn der Baum Schaden macht?" Eine Ersatzpflanzung weiter von der Kirche weg sei vorstellbar, so Grahl. Vorgeschrieben sei sie nicht. Vor weiterem Streit mit Christine Wilke - diese will jetzt Landesbischof Jochen Bohl einschalten - habe er "keine Angst". Die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises will sich am Montag äußern.
15:27 Uhr
Vogtlaenderin77: Mit großer Bestürzung las ich diesen Artikel, ich bin in Marieney geboren, wohne zwar nicht mehr da, besuche meine Eltern aber in regelmäßigen Abständen. Ich kenne diese Roteiche, es ist eine Schande, nur einen solchen Gedanken hegen zu können!!!
Hat die Kirche kein Feuerholz mehr, oder was ist hier der Grund? Diesem Baum fehlt gar nichts, solche Baumarten können bis zu 700 Jahre alt werden!!!!
Der Pfarrer hat wahrscheinlich die wunderschöne Färbung, welche die Eiche im Herbst annimmt noch nicht gesehen, ein Farbenspiel der Natur!!! Außerdem ist es die meist fotografierte und gemalte Roteiche im Vogtland, ich setzte alle Hebel in Bewegung, das der Eiche nichts passiert. Der Pfarrer soll sich warm anziehen. Ich kenne auch den "Kirchenvorstand", soviel ich weiß, heizen die alle mit Holz, liegt doch klar auf der Hand...! Laut Artikel hat sich Frau Wilke ja auch um die Pflege gekümmert, also muß auch niemand mehr das Laub zusammenrechnen. Ich wette, mit ner großzügigen Spende würde alles anders aussehen, hat man kein Geld für notwendige Reparaturen, macht halt der Baum alles kaputt....! Die freistehende Glocke, welche man mal mit einem Dezibelmesser überprüfen sollte, macht aber nichts. Ich fasse es nicht. Und Herr Grahl hat null Resüpekt, gegenüber seinen Vorgängern, eben ein echts Vorbild...!
01:07 Uhr
Nixe: Da fragt man sich schon, wer der Kirche mehr schadet, der Baum oder der derzeitige Pfarrer ?!
Wie auf dem Foto schon ersichtlich, steht der Baum in wirklich ausreichender Entfernung zur Kirche, so dass ich auch nicht glaube, dass von ihm ein Schaden ausgeht. Es wird eher so sein, dass die Kirche die "Größte" sein möchte und weithin sichtbar.
Die zwei "Baumfachleute" wurden immerhin von seitens der Kirche angesprochen, dementsprechend möglicherweise auch ihre Meinung. Man sollte auch bedenken, dass viele dieser sog. Baumfachleute nur einen kurzen Lehrgang gemacht haben, und meist mehr zu den Bauarbeitern als zu den Gärtnern gehören, dementsprechend ihr Pflanzenverstand. Auch ist es ihre Einnahmequelle, sie verdienen mit Bäumefällen und sog. Beschneiden ihr Geld!
Wo Generationen vor uns Großmut und Würde gezeigt haben, schämt sich sich über soviel Kleinlichkeit heutzutage. Wir schaffen es schon noch in kurzer Zeit alles wirklich schöne auszuradieren. Gerade freie Natur und alte Bäume stehen doch für die wahren Werte im Menschen, die doch auch die Kirche vertreten sollte.
23:38 Uhr
smokie: die hat noch nicht mal die hälfte ihres Alters erreicht.