Umweltwiesel Thomas Hohl und seine Füchsin Elli sorgen für Begeisterung im Reusaer Wald. 
Umweltwiesel Thomas Hohl und seine Füchsin Elli sorgen für Begeisterung im Reusaer Wald.

Foto: Ellen Liebner

Kornbacher zieht zwei junge Füchse mit der Flasche groß

Ohne ihn wären sie wohl verendet: Elli und Else sind erstaunlich zahm

Kornbach. Für die Kinder des Vogtlands ist Thomas Hohl der "Häuptling rauchende Socke". Der Kornbacher Waldexperte gibt seit vielen Jahren in Sachsen, Thüringen und Bayern Umweltwissen an Kleine und Große weiter - seit Neuestem kann er dabei mit quicklebendigem Unterrichtsmaterial aufwarten: zwei Füchsen.

Ihnen hat Thomas Hohl vor knapp zweieinhalb Monaten das Leben gerettet. Die kleinen Wesen waren kaum geboren, da wurde in der Nähe von Reuth versehentlich ihr Bau zerstört. Thomas Hohl hat für sie ein Ersatz-Zuhause geschaffen: bei sich auf dem Grundstück in Kornbach, in einem 32 Quadratmeter großen Gehege. "Mein Sohn hat die Tiere zunächst in seiner Wohnung aufgepäppelt, als sie noch ganz klein waren. Alle zwei Stunden bekamen sie Milch aus der Flasche", erzählt Hohl. Inzwischen leben die Füchse im Freien. Der Kornbacher, der viele Jahre als Förster arbeitete, hat eine Sondergenehmigung dafür.

Die Tiere sind erstaunlich pflegeleicht: Sie beißen nicht, laufen an der Leine, fressen Hunde- und Katzenfutter und gehen für ihr Geschäft sogar aufs Katzenklo. Und sie sind der Star bei den Kindern.

Einen der Füchse nutzt Thomas Hohl nämlich für sein Umweltbildungsprojekt -mit dessen Hilfe kann er die Natur hautnah erklären, so wie in dieser Woche im Reusaer Wald geschehen. Dorthin waren die Hortkinder der Plauener Förderschulen für Lernförderung und Erziehungshilfe gekommen.

Thomas Hohl alias der Umweltwiesel zeigte den Kleinen, wie sie sich im Notfall eine Schlafgelegenheit aus Ästen und Laub bauen können. Er zeigte ihnen, wie sie Spuren wilder Tiere finden. Das Spannendste für die Knirpse aber war der Fuchs. "Mit dem Tier möchte ich für das Thema sensibilisieren. Viele halten den Fuchs für einen Schädling, aber er ist das ganze Gegenteil", erklärt Hohl. Zu 70 Prozent ernähren sich Füchse von Mäusen. In die Dörfer verirren sich die Tiere selten - das Lied "Fuchs, du hast die Gans gestohlen" hat dem Tier jedoch ein negatives Image verpasst.

Thomas Hohl will jetzt zeigen, dass ein Zusammenleben mit Meister Reinecke problemlos möglich ist. Auswildern kann der Umweltwiesel seine Tiere allerdings nicht mehr - sie sind bereits zu sehr an den Menschen gewöhnt. "Meine Füchse werden aber nie 'Sitz' oder 'Platz' machen. Der Fuchs ist ein Wildtier und wird es auch bleiben." Letzteres zeigt sich schon, wenn bei Hohls in der Nachbarschaft ein Rasenmäher in Betrieb ist -dann reagieren die Tiere nervös und aufgeregt.

Es ist übrigens nicht das erste Mal, dass Thomas Hohl mit vermeintlichen Wildtieren zusammen lebt: Schon als Kind waren seine Haustiere mal ein Reh, mal ein Marder, auch ein Fuchs gehörte schon dazu - Hohls Vater arbeitete als Revierförster. "Was mich an den Füchsen fasziniert, ist das Sozialverhalten. Das kann man wie bei Wölfen sehr gut beobachten. Ich bin in diesem Fall so etwas wie das Alphatier", erzählt der Wald- und Wildexperte schmunzelnd. Seinen Tieren hat er sogar Namen verpasst: Elli und Else - so wie einst die Großmütter hießen. In Thomas Hohls Umfeld gibt es eigentlich nur einen einzigen, der die niedlichen Fuchs-Geschwister nicht mag: Und das ist der Jagdhund der Familie. Wenn Elli und Else frei im Garten herumlaufen, muss der Hund in den sauren Apfel beißen - und im Zwinger bleiben.

www.umweltwiesel.de

 
erschienen am 03.08.2011 ( Von Nancy Dietrich )
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
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